DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Sigur Rós, Ólafur Arnalds

Interpret:
Sigur Rós

Datum:
18.08.2008

Lokation:
Palladium, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 18.08.2008

BERICHTE

Konzertbericht - Sigur Rós, Ólafur Arnalds

Sigur Rós, Ólafur Arnalds

Island bat am letzten Montag das Kölner Publikum im Palladium zu einem erneuten ganz besonderen Konzerterlebnis, das so in Köln seinesgleichen sucht und sicher nicht so schnell finden wird. Bereits vor drei Jahren machten die Ausnahmemusiker Sigur Rós ebenfalls Halt im Palladium und begeisterten mit einer stillschweigenden Show, die für glitzernde Augen und offene Münder sorgte. So ruhig war es zuvor wohl noch nie gewesen auf einem Konzert in der doch recht großen Halle, die gerne mal als Hort des Ausverkaufs verschrien wird. Aber wo will man sonst einen Publikumsmagneten wie Sigur Rós unterbringen, dem es mit seinem experimentellen Post- bzw. Space-Rock gelingt, Jung und Alt sowie Nerd und Hipster zu vereinen?

Auch dieses Mal hätte man Stecknadelköpfe fallen hören können, wenn denn welche gefallen wären. Stattdessen hörte man zu den verzaubernden Auftritten Ólafur Arnalds´ und Sigur Rós´ Gläser klirren und Bierkisten, die auf den Boden gewuchtet wurden. Das Personal an der Theke im Saal hätte man ruhig vor dem Konzert mal darauf hinweisen können, ihrer Arbeit in den nächsten drei Stunden so leise wie irgendwie möglich nachzugehen. Gesagt wurde dies aber offenbar nicht und so vernahm man während der leisen, dadurch jedoch nicht minder spannungsgeladenen Momente einen doch beachtlichen Geräuschpegel aus der Theken-Ecke.

Die ersten kleinen und feinen Akzente des Abends setzte Ólafur Arnalds, der mit seinen neuen klassischen Kompositionen für große Aufmerksamkeit sorgte. Begleitet von einem Streicherquartett saß der gerade erst 21-Jährige hinter seinem Piano, spielte zarte Melodien und bediente zeitgleich noch sein Laptop. Anders als auf seinem Debut-Album "Eulogy For Evolution" ergänzte Arnalds seine Kompositionen um einen Drumcomputer, der streckenweise mit seinen knarrenden Synthesen den Ton angab. Kaum zu glauben, dass er mit diesem Talent, solch elegische Musik zu produzieren, auch in den Hardcore- und Metal-Gefilden unterwegs sein kann. Noch mehr Gehör verschaffte er sich allerdings, als er begann, seine Entertainer-Qualitäten auszupacken und mit markant rollendem „R“ auf seinen Auftritt „..at Kluturrrbunkerrr“ (am 24.08.2008, Anm. d. Red.) aufmerksam machte. Liebhaber des isländischen Musik-Wunderlands werden in den nächsten Jahren an ihm nicht vorbeikommen. Er zählt schon jetzt zur neuen Riege der Hoffnungsträger für die Zukunft.

Nach jubelndem Applaus für den herzerweichenden Jungspund gab es eine halbe Stunde Pause, die gerade von den Rauchern im seit neuestem rauchfreien Palladium auch in großen Scharen genutzt wurde, bevor das Highlight des Abends die Bühne betreten durfte. Man muss schon sagen: Bei einem Sigur Rós-Konzert läuft alles höchst professionell durchorganisiert ab. Punkt acht Uhr Beginn für den Support-Act, um halb neun beginnt die Pause und um neun stehen sie dann auf der Bühne, die Großmeister der Verzauberung.

Bis auf Schlagzeuger Orri Páll Dýrason, der mit einer glitzernden Krone und mit einem Unterhemd bekleidet die Bühne betritt, präsentieren sich die Mitglieder von Sigur Rós gemeinsam mit Amiina an diesem Abend im ganz seriösen Outfit, das ein wenig an die Kapellen-Kleidung von „Sgt. Pepper“ erinnert. Jonsi trägt zu seinem schwarzen Mantel, der mit goldenen Knöpfen versehen ist, einen zierenden Federschmuck im Haar, während Georg im schwarzen Jackett und weißem Hemd eher wie ein Scherriff aus einem Western aussieht. Kjartan nimmt in legerer Kleidung Platz hinter seinen Synthesizern, Keyboards und Orgeln und Amiina scheinen einem 50er-Jahre-Krimi entlaufen zu sein. Dann beginnt die Show und zu ersten Mal an diesem Abend werden die unterschiedlich großen Stoff-Ballons, die quer über die Bühne verteilt sind in sanft wärmendes Licht getaucht. Doch was ist das? Anders als erwartet beginnen Sigur Rós ihre Show nicht mit den sehnlichst erwarteten Stücken des neuen Albums. Man bekommt mit den ersten fünf Songs das geboten, was man in den letzten Monaten schon von den Veröffentlichungen „Hvarf/Heim“ bzw. der „Heima“ kennt.

Auch wenn man Songs wie „Von“, „Hafsol“, „Samskeyti“, „Vaka“, oder „Heysátan“ über alles schätzt und sich gar nicht oft genug in den Klängen baden möchte, stand man für die erste Zeit doch etwas enttäuscht unter den begeisterten Zuschauern. Doch dann bekam man mit „Við Spilum Endalaust“ den ersten Happen des neuen Albums gereicht und hoffte, dass ab diesem Zeitpunkt nun endlich eine Phase mit neuem Material anbrechen würde. Aber zu früh gefreut. Von da ab ging es munter weiter mit dem „Heima“-Programm und den längst bekannten Melodien. Entweder können sie die neuen Songs nicht so gut live umsetzen - was bei ihren musikalischen Fähigkeiten jedoch überhaupt nicht denkbar ist - oder sie sind selber nicht vollends zufrieden damit. Als dann aber zu „Sè Lest" wie auf der „Heima"-DVD eine ganz in Weiß gekleidete Blaskapelle die Bühne genau zum richtigen Zeitpunkt betrat, lösten sich alle Grübeleien über neue und alte Songs in Wohlgefallen auf und zurück blieb Erstaunen und Begeisterung im an diesem Abend bunt gemischten Publikum.

Als sich die Bühne zum Schluss zur Single „Gobbledigook" in ein kunterbuntes Konfettimeer verwandelte und das Publikum frenetisch klatschend mitging, zeigte sich nochmal deutlisch, dass wohl insgesamt mehr Stücke des neuen Albums erwartet worden waren.Mit „Inní Mér Syngur Vitleysingur“ und „All Alright“ folgten nur noch zwei Songs von „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“. Nach „All Alright“ folgt als fulminanter Schlusspunkt das sich über bestimmt zehn Minuten ausdehnende geniale „Popplagið". Unter tosendem Applaus und mehrfachen demütigen Verbeugungen vor dem Publikum verabschieden sich Sigur Rós und haben, auch wenn einige sicher ein anderes Konzert erwartet hätten, ein weiteres Mal ein einmaliges Erlebnis in die Herzen ihres Publikums gemalt, was neben der Musik sicher auch dem wunderschönen, durch farbige Lichteffekte immer wieder auf´s neue verzaubernden Bühnenbild zu verdanken ist.

Bericht von:

Ricarda Kopal & Michael Weber


 

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