Konzertbericht - Seabear, Borko
Bekannte Gesichter sind zu Gast am Rhein. Nachdem sie im letzten Jahr
gemeinsam mit Múm in Köln gastierten und bereits an diesem Abend viel mehr als eine Vorband waren, sind Seabear nun als Hauptattraktion zurück. Die Isländer bespielen einmal mehr das Gebäude 9 und dürfen damit auf Wiedererkennungswert hoffen. Wer jedoch
just in time für die Hauptband kommt, hat an diesem Abend tatsächlich etwas verpasst.
Selbst nur mit dem Wissen um die letzten drei Lieder von Borko, glaubt man den begeisterten Schilderungen all jener, die den support von Anfang an genossen haben. Der Isländer Björn Kristiansson alias Borko und seine Begleitband spielen ebenso druck- wie fantasievolle Lieder, wie aus dem feinen Morr -Music Kosmos nicht anders gewohnt und glänzen dank Traininsghose und sympathisch nerdigem Anti-Sportler-Outfit. Nicht wenige sieht man nach dem Auftritt zum Merchandise-Stand laufen, um das aktuelle Album "Celebrating Life" zu erstehen.
Nachdem Kristiansson seinen Landsleuten die Bühne überlassen hat, spielen sich die sieben Seebären durch ihr famoses Album "The Ghost That Carried Us Away" und geben zwischendurch kurze Einblicke in eine zukünftige Platte. Sänger Sindri Sigfússon wirkt wie üblich leicht abwesend, was jedoch in keinem Fall als Reaktion auf das Publikum oder seine Mitmusikanten zu verstehen ist. Viel eher macht der Songwriter den Eindruck eines staunenden Jungen, der von seinen Eindrücken überwältigt wird, was ihm sicher nicht nur bei den weiblichen Gästen einige Sympathien einbringt. Dennoch, es gibt solche und solche Tätowierungen und die am Arm des schmächtigen Frontmannes, sind eher aus der Kategorie Jugendsünde und stellen dem aufmerksamen Beobachter einen ebenso netten Kontrast zur hamonischen Musik der Nordlichter dar, wie der Hawaii-Schriftzug auf dem Keyboard.
Nach knapp einer Stunde ist das Repertoire der Band erschöpft und das Konzert zu Ende, wobei auf die samtene Coverversion von "Teenage Kicks" traurigerweise verzichtet wurde. Dennoch stehen zum Schluss Borko und Seabear brüderlich vereint auf der Bühne und zelebrieren den fröhlichen Abgesang. Auch wenn heute deutlich weniger Menschen den Weg nach Deutz gefunden haben, als beim Gastspiel im letzten Jahr, ist Köln ein guter Schauplatz für isländische Musik.