DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Sarah Jaffe & Midlake

Interpret:
Midlake

Datum:
03.02.2010

Lokation:
Köln, Luxor

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 08.02.2010

BERICHTE

Konzertbericht - Sarah Jaffe & Midlake

Sarah Jaffe & Midlake

Fast waren sie vergessen. Fast wäre Midlakes großes „The Trails Of Van Occupanther“ in den Tiefen der Plattenkiste untergegangen. Am 29.01.2010 meldeten sich die Texaner mit „The Courage Of Others“ nach fast vier Jahren zurück und weckten vergessene Erinnerungen. Ein wunderbarer Sommer, in dem man im grünen Gras lag und „Yes I'm sorry that I missed you / Oh my dear, oh my dear.“ verträumt mit sang. Der beste Freund, der sagt, er habe noch nie eine schöneres Konzert gesehen. Ein Segen, dass ihr drittes Album diese Erinnerungen wach gerüttelt hat. Mit diesen Erinnerungen im Unterbewusstsein wurde man sozusagen von ganz allein in das Kölner Luxor getrieben.

Und da stand man nun. Kurz nach acht. Die Leute füllten ganz allmählich den Club und bedienten sich an der Theke und tranken das eigentlich viel zu teure Bier. Von der Familie bis hin zum Freundeskreis, den man vor ein paar Monaten noch auf dem Weihnachtsmarkt gesehen haben könnte, voll trunken versteht sich. Und da hätte es mir schon auffallen sollen, was ich später so sehr bemängeln sollte. Es dauerte nicht lange, und es tat sich auch schon etwas auf der Bühne. Sarah Jaffe gestaltete das Vorprogramm von Midlake. Die ebenfalls aus Taxas kommende Sängerin konnte durchweg überzeugen. Ihre zarte aber prägnante Stimme kam locker leicht daher, getragen von stilvollen Folk-Gitarren. Es ist das tolle an der Musik, Songs zum ersten Mal zuhören und sich darauf bedingungslos einzulassen. Ihr tanzbares „Black Hoax Lie“ lud zum mitsingen ein, zart und seicht. Viele hätten ein tolles Konzert erleben können, wenn nicht der ach so faszinierende Karneval in der Luft läge. Hundert quatschende und Bier trinkenden Menschen gegen eine zarte Stimme und eine Akustikgitarre. Selbst mit größter Konzentration konnte man sich nicht völlig auf die Musik einlassen. Dabei machte es keinen Unterschied, ob man nun direkt an der Bühne stand oder hinten an der Eingangstür. Die arme Sahra Jaffe hätte Feuer spucken oder sich sonst etwas einfallen lassen müssen, um die Aufmerksamkeit dieses undankbaren Publikums auf sich zu lenken. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, wurde das Publikum auch noch mit Freundlichkeit bestätigt: „It's an honor to be here.“ Entweder hat sie nicht gehört, dass mehr als die Hälfte ihr nicht zu gehört haben oder sie war völlig stoned.

Auch als Midlake die Bühne übernahmen, änderte sich das exorbitante Publikum nicht. Unterschied allein war, dass fünf elektronische Gitarren den Klatsch übertönen konnten. Es funktionierte also schlichtweg Musik zu hören. Was für ein überraschender Wunsch auf einem Konzert. Midlake ließen den Frust über die Dekadenz des Publikums temporär verschwinden. Ihr Set war ein Traum. So harmonisch „The Courage Of Others“ mit „The Trais Of Van Occupanther“ auf der Bühne vereint wurde, die fünf Gitarren, zwei Querflöten zur Geltung kamen. Als „Young Bride“ oder „Rulers, Ruling All Things“ den Höhepunkt bildeten schien alles vergessen, was die Welt so schlecht macht. Aber so schien es leider auch nur. Alkoholisierte Teenager mit einem scheinbar schwerwiegendem Reizblasen-Problem versuchten im völlig vollem Luxor zu den Toiletten zu spurten. Umgestoßen wurde Jung und Alt, ein dreistes „Tschuldigung“ hinterher geknallt. An der Musik konnte es nicht liegen, dass einige Personen jeden Hauch von Erziehung verloren hatten. Wie sagt unsere Herausgeber so treffend: „Ein volles Luxor macht die Leute aggressiv“. Die sieben Jungs aus Texas haben ihr bestes gegeben. Gitarren-Solos, die selbst den eingefleischtesten Indie-Nerd zum Luftgitarrespielen animieren und Chöre, die des öfteren Tränen in die Augen treiben. Musikalisch hat man lang kein besseres Konzert gesehen.

Die Hits von „The Trails Of Van Occupanter“ wie „Roscoe“ und „Head Home“, „Winter Dies“ und „Children Of The Grounds“ von „The Courage Of Others“ zwischen Pöbelei und Unfreundlichkeit. Ein Missstand, den man doch nicht so hin nehmen kann. Es ist eine Schande eine so gute Band zu sehen, die so wenig vom Publikum gewürdigt wird. „Yeah, Roscoe“ reicht da nicht aus. Nur um am folgenden Tag sagen zu können, dass man da gewesen war. Bullshit. Ich möchte zum Boykott ausrufen.

Video: „ We Gathered In Spring“

Midlake – We Gathered In Spring from David Motter on Vimeo.

 

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