Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
PS I Love You
Interpret:
PS I Love You
Datum:
15.05.2011
Lokation:
Studio 672, Köln
Autor:
Michael Weber
Köln, 18.05.2011
11,90 € im Vorverkauf. Ein wirklich unschlagbarer Preis für eine der momentan begnadedsten Indie-Rock-Bands überhaupt. Wer da nicht zuschlägt und hingeht, ist quasi selber schuld. Den gewaltig dröhnenden Schuss, den PS I Love You aus Kanada mit ihrem Debüt „Meet Me At The Muster Station“ im krachenden Indie-Universum hinterlassen haben, sollte mittlerweile jeder gehört haben. Jeder, der mit bis zu den Knöcheln hochgeschlagenen Chino-Pants, Keds-Schuhen, lässig hochgekrempeltem Hemd oder Bluse, Jutebeutel und dazugehöriger Popper-Frisur derzeit durch Köln läuft -also die Indie-Nerds, die Intellectuals, die Hipster- sollten eigentlich Bescheid wissen.
Doch weit gefehlt. Das ist dann doch nicht zu sehr angesagt. Da fehlt dann doch der Synthesizer-Achtziger-Retro-Charme. Und die Band sieht auch nicht wie die nächsten Role-Models aus. Der Back to basics-Gedanke ist bei der hippen Szene dann doch nicht angekommen. Während anderen Bands die Bude eingerannt wird, weil ein nicht begreiflicher Hype um sie gebildet wird, muss sich dieses die Herzen mit puristischem Indie-Rock erobernde Duo den Arsch vor gerade einmal zwanzig Leuten im Studio 672 abspielen. Eine Millionen-Stadt schafft es mal wieder nicht, 100 bis 150 Personen für den wahren Indie auf die Beine zu stellen. Köln, ich hasse dich.
Am Preis und am gewählten Tag des Konzerts wird und kann es nicht gelegen haben. So standen, wie gesagt, gerade einmal 20 Besucher im erschreckend leeren Studio, als PS I Love You ohne viele Worte die Bühne betraten und gleich Vollgas gaben. Wer das Album kennt, wusste auch ohne die netten Hinweise der Betreiber, dass es laut werden würde. Die E-Gitarre war vollends aufgedreht und wurde durch die verzerrenden, dröhnenden Effekt-Geräte gejagt. Das Schlagzeug war immens satt im Klang und knallte umso heftiger, je länger das Konzert ging. Paul Saulnier ist trotz des reduzierten Charmes der Band ein Virtuose auf der Gitarre. Die Solos, die er spielte, waren nicht extrovertiert überladen, sondern schön reduziert, stimmig und ganz traditionalistisch ausgedünnt. Zusätzlich verdichtete er den wabernden Gitarren-Klang noch über ein Orgel-Tretpedal mit dem benötigten Bass. Sein Kollege Benjamin Nelson gab das ganze Konzert über einfach alles am Schlagzeug. Mit einer unermüdlichen Hingabe und den Anstrengungen eines Marathons gleich fetzte er hinter seinem Schlagzeug in höchster Perfektion. Wenn man nicht auf die Bühne guckte, konnte man schon für einen Moment vergessen, dass es nur ein Duo war, das da spielte.
PS I Love You müssen sich auch live nicht hinter etlichen Loops, Instrumenten und weiteren Musikern verstecken. Sie sind in ihrer Form einfach perfekt. Sie sind Helden des Indie-Rocks, wie er sein sollte: Pur, expressionistisch in ihrem Spiel und introvertiert in ihrem Bühnen-Gebaren. Das ist einfach nur krachend und mitreißend. Die anwesenden Besucher werden das mit Sicherheit bestätigen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, dass sie mit Ausnahme des ergreifenden „Meet Me At The Muster Station (Pt. 2)“ ihr gesamtes Album sowie ein paar neue und alte Singles im Schnelldurchlauf mit wenigen verlegenen Ansagen gespielt haben. Diese 45 Minuten waren einfach wundervoll.
Video: „Facelove“
PS I Love You - Facelove from Colin Medley on Vimeo.
Video: „Get Over“
PS I LOVE YOU - Get Over [OFFICIAL VIDEO] from Paper Bag Records on Vimeo.