Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Placebo
Interpret:
Plemo & Rampue
Datum:
03.06.2009
Lokation:
Gloria, Köln
Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 08.06.2009
Letzten Mittwoch gaben Placebo ein 1Live Radiokonzert im Kölner Gloria. Große Erwartungen lagen auf diesem Abend. Zum einen ist es die erste Placebo Tour für den neuen Drummer Steve Forrest, der sich als akzeptabeler Nachfolger von Steve Hewitt beweisen musste. Zum anderen diente dieses Konzert dazu, das neue Album „Battle For The Sun“ vorzustellen – live und im Radio.
Das Gloria in Köln ist ein altes Theater, das knapp fünfhundert Leute in die Konzerthalle lässt und mit seinem familiären Theatercharme Konzerten eine ganz besondere Stimmung verleihen kann. Die perfekte Location, um sich die neuen Songs von Placebo zum ersten Mal live anzuhören, vor allem weil die meisten Fans ihre Tickets durch ein Radiogewinnspiel gewonnen und damit einen Glücksmoment schon hinter sich hatten.
Der Radiomoderator Ingo Schmoll leitete den Abend ein und verkündete, dass Placebo gleich auf die Büne kommen würden – nach den Nachrichten. Schon eigenartig, wenn man als Konzertbesucher in einen sterilen Radiokontext geworfen wird. Doch als die ersten Töne von „Kitty Litter“ erklangen und die Band die Bühne betrat, sind solche Gedanken schnell verflogen. Schon bei diesem ersten Song zeigte das Publikum, wie gut es den ganzen Abend lang feiern würde.
Das sich was verändert hat, wurde schnell klar, denn der Style der Band hat sich an den neuen Drummer Steve Forrest angepasst. Während bei der Tour zu „Meds“ einem stellenweise die Füße einschlafen konnten, weil die Band selbst müde wirkte, hatte dieses Konzert wesentlich mehr Power. Brian Molko zeigte sich mit zickiger Attitüde, als er den Song „Julian“ ankündigte: „This Song is about noone, realy!“ Seine Mimik unterstrich die Texte, vor allem bei „Devil In The Details“ hätte man ihm auch ohne Worte verstehen können. Stefan Olsdal flirtete durch seine Augen mit dem Publikum.
Doch das Hauptaugenmerk dieses Abends zog der neue Drummer Steve Forrest auf sich. Er musste sich vor eingefleischten Placebo Fans beweisen, die seit „Without You I’m Nothing“, also seit vier Alben, an Steve Hewitt eingestellt waren. Hewitt hat Placebos Style wesentlich beeinflusst, doch Forrest wusste sich geschickt in die Band einzubringen, sodass die neuen Songs, mit wesentlich schnellerem und lauterem Schlagzeug, deutlich eine neue Richung einschlugen. Forrest steht mit seiner kalifornischen Lockerheit und seiner leicht punkigen Spielweise im krassen Gegensatz zu dem, was man früher von Placebo kannte. Doch er kann auch ruhig und funky spielen.
Steve Forrest hat sich nicht nur in den neuen Songs eingebracht, auch alte Songs wurden für die Bühne umarrangiert und seinem Stil angepasst. Bei dem melodiösen „Sleeping With Ghosts“ hat es nicht funktioniert, weil der Song von seiner ruhigen Melancholie lebt und unter dem Geschrammel seinen Charakter verloren hat. Doch anderen Songs hat der neue Stil gut getan. „The Bitter End“ hat die Band mit einer Geige veredelt. Fiona Brice, Geigerin und Keyboarderin, ist neben Forrest eine weitere Neuheit in der Band. Sie begleitet Placebo auf dieser Tour und streut melodiöse Elemente in die Musik ein, die durch Steve Forrests Einfluss ziemlich reduziert wurden.
Die Fans haben die neuen Begebenheiten aber sehr gut aufgenommen. „Battle For The Sun“ haben sie stärker gefeiert, als alte Hits wie „Every Me, Every You“ und selbst bei noch nicht veröffentlichen Songs haben sie fleißig mitgesungen. Tatsächlich hat das feierwütige Publikum sehr viel zu diesem Konzert beigetragen.
Doch hat Steve Forrest die Feuerprobe bestanden? Als Brian Molko gegen Ende die einzelnen Bandmitglieder vorstellt, hat er fast so viel Applaus erhalten, wie Molko und Olsdal. Bei Interviews wirkte er neben den beiden Strippenziehern wie eine Marionette, allein schon durch seine Jugend im Kontrast zu einer Musikerbeziehung von über sechzehn Jahren. Aber beim Konzert hat er deutlich gezeigt, dass er die neuen Songs auf „Battle For The Sun“ maßgeblich mitgestaltet hat und selbst bei den alten Songs nicht einfach nur ein Ersatz für Steve Hewitt ist. Es wird wohl noch etwas Zeit brauchen, bis er seinen Platz in der Band manifestieren kann, doch einen bleibenden ersten Eindruck hat er schon mal hinterlassen.