DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Pearl Jam (Hardrock Calling)

Interpret:
Pearl Jam

Datum:
25.06.2010

Lokation:
London, Hyde Park

Weiterführende Links:

Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 05.07.2010

BERICHTE

Konzertbericht - Pearl Jam (Hardrock Calling)

Pearl Jam (Hardrock Calling)

Das Line-up des diesjährigen Hardrock Calling im Londoner Hyde Park liest sich ein bisschen wie das „Who is who“ der Rockgeschichte. Pearl Jam, Stevie Wonder, James Morrison, Paul Mc Cartney, Crosby, Stills and Nash, Crowded House und Jamiroquai – um nur ein paar Namen zu nennen. Das 3-Tages-Festival erfreut sich in der englischen Hauptstadt großer Beliebtheit und wird jedes Jahr von ca. 80.000 Menschen besucht. Organisatorisch habe ich noch kein besseres Festival erlebt. Da könnten sich Veranstaltungen wie die Bonner Rheinkultur gerne mal eine Scheibe von abschneiden - zumindest was die sanitären Anlagen oder den Getränkeverkauf angeht.

Der Freitag beginnt mit dem mir unbekannten Robert Francis, der 25 Minuten lang überzeugen kann. Und auch vor der Bühne haben sich schon extrem viele Menschen versammelt, die dem sympathischen Amerikaner mehr als nur höflich beklatschen. Als zweite (!) Band spielen The Gaslight Anthem. Dass die Jungs aus New Jersey zu den besseren Live-Acts gehören, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Mit einer Mischung aus ihren älteren Hits und den Songs ihres neuen Albums „American Slang“ hinterlassen The Gaslight Anthem zumindest bei mir einen zwiegespaltenen Eindruck. Spielfreude top, neues Album eher flop. Aber vielleicht wächst es ja noch.

Danach betreten The Hives die Bühne. Die Skandinavier wurden kurzfristig als Ersatz für die erkrankten Wolfmother auf das Festival gebucht. Ich kann beiden Bands eigentlich nur wenig abgewinnen. Was die Band um Sänger Pelle Almqvist jedoch von der Bühne feuert ist schlicht unglaublich. Ich habe selten eine Band gesehen, die so auf den Punkt rockt. Wenn die Band jetzt noch sympathischer auftreten würde und Pelle Almqvist weniger das extrovertierte Arschloch gibt, ich würde mir die Hives sicherlich noch einmal angucken.

Wer Ben Harper & The Relentless 7 als Co-Headliner gebucht hat, weiß wohl nur der liebe Gott. Natürlich ist Harper ein begnadeter Sänger und sicherlich hat er ein paar gute Songs, aber wirklich niemand hört den Songs seines Sets zu. Vielmehr wird die Zeit vom Publikum dazu genutzt, noch einmal Bier zu kaufen und sich die besten Plätze für die darauf folgenden Pearl Jam zu sichern. Für den einzigen Hingucker sorgte dann auch Eddie Vedder, der bereits beim zweiten Song auf die Bühne kommt und mit seinem Freund eine etwas holprige Coverversion von Queens „Under Preasure“ singt.

Um 20 Uhr betreten Pearl Jam unter ohrenbetäubendem Lärm die Bühne des Hardrock Callings, bereits beim Opener „Given To Fly“ drückt die Menschenmenge von hinten nach vorne. Die ersten etwas zierlicheren Mädels verlassen spätestens beim folgenden „Why Go“ den vorderen Bereich. Das bleibt natürlich auch Pearl Jam nicht verborgen. Die Band, bei deren Konzert auf dem 2000er Roskilde Festival neun Menschen ums Leben kamen, fordert nach dem dritten Song das gesamte Publikum auf, drei Schritte nach hinten zu gehen. Es muss am Charisma von Eddie Vedder liegen, dass tatsächlich die ersten 50 Reihen seiner Aufforderung folgen.

Die Setlist lässt keine Wünsche offen. Und es ist schon bemerkenswert, dass Pearl Jam über zwei Stunden spielen können, und trotzdem auf Knaller wie „Daughter“, „Reviewmirror“ oder die Coverversion „Last Kiss“ verzichten können – ohne dass es dem Publikum negativ auffällt. Um halb elf verlassen Eddie Vedder und Co unter tosendem Applaus die Bühne.


Das Hardrock Calling ist sicherlich eine schöne Alternative zu den großen britischen oder auch deutschen Festivals. Mal schauen, wen die Veranstalter im kommenden Jahr aus dem Hut zaubern. Ich werde auf jeden Fall wieder da sein!

 

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