Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
pandoras.box
Datum:
14.02.2011
Lokation:
Club Subway, Köln
Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 16.02.2011
23 Zuschauer. 23 Zuschauer??? Wurden in den letzten Wochen etwa unsere „Plattenkiste“ und unsere „Deutschlandreise“ nicht aufmerksam gelesen? Haben wir doch noch nicht so viel Einfluss auf die Freizeitgestaltung der Deutschen wie die BILD? Ein solch vielversprechendes Album einer jungen deutschen Indie-Hoffnung sollte doch eigentlich ausreichen, um den Club Subway zumindest nicht so gähnend leer erscheinen zu lassen wie das Südstadion bei den Heimspielen von Fortuna Köln. Und das auch noch in einer musikalisch sonst so offenen und begeisterungsfähigen Stadt. Waren alle potentiell Interessierten beim Valentinstag-Cocktailtrinken mit rosa Schirm und Puderzucker?
Und so konnte von Atmosphäre in Kölns gemütlichem Kellerclub Subway heute leider ausnahmsweise keine Rede sein. Es tat einem für die Band wirklich Leid, nur vor einer Handvoll Zuschauer spielen zu können, die sich dann auch noch zum großen Teil an der etwas abseits gelegenen Bar verteilte. Vielleicht war dies einer der Gründe für die leichte Unsicherheit, die Sänger, Gitarrist und Songwriter Martin Steer bei seinen Ansagen ausstrahlte. Klar, gerade für eine noch nicht besonders bühnenerfahrene Band (in seiner anderen Band Frittenbude steht Martin Steer weniger im Mittelpunkt) spielt es sich leichter, wenn sie vom Publikum getragen wird.
Musikalisch war das, was pandoras.box dann boten, erwartet stark. Das aktuelle, sehr empfehlenswerte Album „Monomeet“ wurde fast am Stück runtergespielt, mit kurzen Ausflügen zum Debütalbum gegen Ende des Gigs. Auch live schafft es die Band, dichte Soundteppiche zu weben, um diese kurze Zeit später wieder aufzulockern und zu zerfransen. Die elektronischen Einspieler sitzen nicht nur auf Platte perfekt und machen den Sound dieser Band mit aus. Auch die Streicher sind prägend für viele der Songs. Natürlich muss man synthetische Streicher bei einem Konzert nicht lieben, aber um zu verstehen, dass die fünfköpfige Band nicht auch noch ein Orchester mit auf Tour nehmen kann, muss man nun wahrlich nicht „Musikbusiness“ studiert haben.
So bestätigten pandoras.box an diesem Abend das, was man nach Hören der Platte bereits erwarten durfte. Hoffentlich wird es in Zukunft noch Konzerte dieser Band geben, bei denen die auf der Bühne erfolgreich geschaffene Atmosphäre nicht gleich im fast komplett verwaisten Zuschauerraum verpufft. Also, immer schön die „Plattenkiste“ und die „Deutschlandreise“ lesen und den ohnehin fragwürdigen Versuchungen des Valentintages widerstehen, dann wird das schon!
Stream: „State of Rust"