DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Motorpsycho

Interpret:
Motorpsycho

Datum:
17.10.2011

Lokation:
Düsseldorf, Zakk

Weiterführende Links:

Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 26.10.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Motorpsycho

Motorpsycho

Als langjähriger Fan der Band musste ich in den letzten Jahren traurigerweise zu der Erkenntnis kommen, dass die alte Liebe futsch ist. Motorpsycho und ich, das ist mittlerweile so etwas wie das Wiedersehen mit einer Verflossenen. Die Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse (und davon gibt es viele: „Timothy´s Monster", „Blissard", „Angels and Demons at Play" - drei larger than Life Alben, aber auch ihre tollen 10“ es… Soundtrack meiner Adoleszenz von bitter bis sweet.) brennt mir ein Loch ins Herz. 

Doch diese Zeiten sind endgültig vorbei, so ist das Leben. Spätestens nach dem Ausstieg von Drummer Gebhart hat mich kein einziges Album der Norweger mehr richtig berühren können, nur noch die Konzerte ließen immer wieder ein wenig von dem alten Glanz aufblitzen. Leider war das in Düsseldorf (jedenfalls im regulären Set) nun auch nicht mehr der Fall. Als erstes gab es einen neuen Song. Der verdaddelte Bluesjamrock der letzten Alben, wie gehabt. Drummer Kent Kapstadt, seit einigen Jahren fester Ersatz für Gebhart, ist ein Tier, keine Frage. Spielt saupräzise und abwechslungsreich etwa 100 Noten pro Sekunde und reißt damit auch die beiden anderen Psychonauten mit (was den Noten pro Sekunde Zähler angeht). Aber wo ist die Dynamik geblieben? Der mitreißende Groove? Wo die herzzerreißenden Popmelodien? Der Hang zum Noiserock, der früher jeden Gedanken an Hippiescheiße regelmäßig an die Wand gefahren hat? 

Nicht, dass ich was gegen Hippiescheiß hätte. Highlight des regulären Sets war zum Beispiel „Serpentine“, ein verspieltes Westcoastpopstück vom 2002er Album „It´s a Love Cult“ in einer recht interessanten Halftimeversion. Nett. Immer noch gespannt, was da noch kommt. Und was kommt dann? 90 Minuten lang jedenfalls kein einziges Stück, was älter als 5 Jahre wäre (abgesehen von „Hogwash“, was sogar sau alt ist, aber immer schon ziemlich öder Heavy Rock war). Ich trete von einem Bein auf´s andere… gehe Bier holen… gehe Bier wegbringen. Nichts verändert sich im stetigen Fluß von Gitarrensolos und brachialem Dauergewitterdrumming. Nein, Stopp. Bei „Sail On“ kriege ich ein Grinsen ins Gesicht, die Version könnte man fast als NEU! Hommage ansehen, was ja in Düsseldorf passen würde und was auch bedeutet, dass der Drummer mal länger als zwei Takte lang einen Groove beibehalten hat. Doch, zugegeben, das war cool.
Einspruch! So richtig scheiße war der Rest natürlich auch nicht. Es macht Schweinespaß, dieser Band beim Spielen zuzuschauen, die sind so blind eingespielt, da passt alles! Kleine Gesten, ein angehobener Gitarrenhals als Startschuss für Improvisationen (Euphemismus für: Gewichsel), die drei heben zusammen ab und spielen sich ins Delirium. Ein Nicken, und der Song setzt passgenau wieder ein. Hier findet musikalische Kommunikation auf allerhöchstem Niveau statt. Allein, ich fühle irgendwie nix… Irgendwann ist das Konzert dann rum.
Hm…

Der Zugabenteil (natürlich ist nach fast zwei Stunden noch nicht Schluss) beginnt mit „Sinful, Wind-borne“. Plötzlich hab ich ein bescheuertes Grinsen im Gesicht. Ein Freund, mit dem ich 15 Jahre Motorpsycho Sozialisation gemeinsam habe, kloppt mir von hinten auf den Rücken und schreit irgendwas. Ich schreie auch irgendwas und bin glücklich. Sooo eine tolle Band!!! Danach „Like always“ und „Nothing to Say“. Ich gröle die Refrains mit, verkleckere mich mit Bier und schüttele meine Zeigefinger in der Luft herum. Beim Umhersehen bemerke ich ähnlich dämliches Verhalten bei einigen anderen. Die dankbaren Gesichter sagen: Endlich!

Die zweite Zugabe macht genauso weiter. Was ist das jetzt genau? Sex mit der Ex oder so etwas?
Was bleibt, ist der nagende Gedanke, dass jede Bluesrockorgie des regulären Sets Platz gelassen hätte für zwei bis drei Knallersongs von den geilen alten Platten (oder auch lange und ausufernde Stücke wie „Golden Core“ oder so, die waren früher auch besser). Schade, ich glaube, ich geh da nicht mehr hin.
Übrigens, angeblich war auf der Setliste auch noch „Vortexsurfer“ vorgesehen, so etwas wie das „Stairway to Heaven“ aus Norwegen. Ist nicht mehr gespielt worden.

Text: Eric Hilt (Gastautor)


 

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