Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Morcheeba
Interpret:
Morcheeba
Datum:
20.07.2010
Lokation:
Köln, Gloria
Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 26.07.2010
Als Musikfan, der sich sonst eher bei Indie-Konzerten zuhause fühlt als Trip-Hop-Ikonen der 90er Jahre zu bestaunen, hat das schon etwas Ungewohntes bis Belustigendes: Pärchen über Pärchen (welcher sexuellen Ausrichtung auch immer) turteln im alten Kölner Gloria-Theater und schauen einen grimmig bis entsetzt an, wenn man es wagt, sich in vordere Reihen zu „drängeln“ und sie dabei auch noch versehentlich leicht berührt. Als man einmal kurz den Hauch von Gras in der Luft erhascht, schreckt man kurz zusammen: Ach ja, wir sind ja bei einem Konzert!
Dann kommt Morcheeba auf die Bühne. Live verstärken drei weitere Musiker die Gründungsmitglieder, die beiden Godfrey-Brüder und Skye. Überhaupt, Skye: Man kann sich nicht so recht vorstellen, wie diese Band zwischenzeitlich ohne sie überhaupt bestehen konnte. Zu präsent ist sie auf der Bühne, zu sehr richtet sich die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Galionsfigur. Skye fühlt sich in dieser Rolle sichtlich wohl und animiert das Publikum immer wieder mit deutschen Ansagen, Aufforderungen zum Mitsingen und -springen sowie einer Welle bei „The Sea“. Das kann man teilweise auch etwas zu abgedroschen oder gar anbiedernd finden; das Publikum sieht das anders und ist für jede Regung Skyes dankbar. Auf jeden Fall, das darf ja auch einmal gesagt werden, sieht sie in ihrem selbst gemachten roten Federkleid und mit einem überdimensionalen Fächer sehr schick aus. Und dass sie hervorragend singen kann, dürfte sowieso jedem klar sein.
Natürlich wartet die absolute Mehrheit im Publikum auf die Songs früherer Tage. Auch die Band weiß das und findet sich scheinbar damit ab. Nur vereinzelt streut sie Stücke vom aktuellen Album „Blood Like Lemonade“ ins Set ein. Diese kommen live gut rüber, gehen aber erwartungsgemäß inmitten der großen alten Hits ein wenig unter. Klar, mit Songs wie „The Sea“, „Part of the Process“, „Slow Down“ und „Trigger Hippie” verbinden viele der Zuschauer ganz besondere Erinnerungen, sei es der erste Kuss, der erste Sex oder der erste Trip. Dass diese Lieder nicht nur aus Nostalgie auch heute noch wunderbar funktionieren, spricht für die große Klasse der frühen Werke.
Nach nicht einmal 90 Minuten (und ohne Vorgruppe) verabschieden sich Morcheeba zwar nicht mit ihrem besten Lied, dafür aber mit dem größten Hit „Rome Wasn’t Built In A Day“. Ein genauso kurzweiliger wie kurzer Abend, der sicherlich keine größeren Spuren hinterlässt, außer vielleicht im Portemonnaie (bei Eintrittspreisen von fast 35 Euro). Immerhin: das was man erwarten durfte, hat man auch bekommen, nämlich jede Menge Jugenderinnerungen und einfach schöne Musik.
Video: „Even Though"