Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Moddi
Interpret:
Moddi
Datum:
27.02.2011
Lokation:
Köln, Gebäude 9
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 02.03.2011
Aus gegebenem Anlass sei vorab ein kleiner Exkurs in das Feld der Veranstaltungsillumination gewagt. Einen guten Job erkennt man hier nicht selten gerade in der Bescheidenheit. Im besten Falle ist man beeindruckt vom atmosphärisch akzentuierten Farbenspiel, doch insgesamt funktioniert die Beleuchtung bei Konzerten auch dann vernünftig, wenn es kaum einem Besucher auffällt, dass überhaupt ein Mensch die Regler am Lichtpult bedient. Ärgerlich wird es nur, wenn jener Techniker seine Unfähigkeit im laufenden Betrieb demonstriert, so wie an diesem Abend im Kölner Gebäude 9. Auch wenn man vermutlich nicht erwarten kann, dass sich jeder Clubtechniker jedes Mal eingehend mit den bevorstehenden Aufgaben in Form von immer neuen Künstlern und Bands vorbereitet, so liegt doch in der Tatsache, dass fehlerhaft gesetztes Licht eine Stimmung im Handumdrehen ruinieren kann, die besondere Würze der Thematik „Dienst nach Vorschrift“ auf diesem Posten.
Im Gebäude 9 scheint man sich auf die etablierte Location, ausgesprochen nettes Thekenpersonal und ein auch nach Jahren und trotz einiger Zugeständnisse an den pop-dominierten Massengeschmack noch sehr spannendes Booking zu verlassen und hat darüber den Platz am Lichtschalter zwischenzeitlich anscheinend vergessen. Moddi bekommt dies in einigen Momenten deutlich zu spüren, etwa als beim Vortrag des bedrohlichen, bedrückenden „Rubbles“ die Bühne zunächst sehr passend in höllisches Rot-Orange getaucht wird, nur um wenige Augenblicke später vom lauwarmen Strahlen einer Discokugel abgelöst zu werden. Wie ein Elefant im Porzellanladen wirft das Licht hier mit dem behäbigen Hinterteil jene mühsam errichtete Stimmungspyramide um. An anderer Stelle werden helle Spotlights in unterschiedlichen Farben, einem Badezimmerlichtschalter gleich, völlig unvermittelt an- und ausgeknipst, wenn die Protagonisten offensichtlich gerade für einen Moment unbeobachtet in sich gehen möchten.
Das alles stört sensible Konzertbesucher, kann aber dennoch zum Glück die insgesamt sehr gute, sehr beseelte Vorstellung der vier Musiker nicht zerstören. Pal Moddi Knutsen und seine Mitstreiter gehen völlig in den Kompositionen des jungen Norwegers auf und wiegen sich im Rhythmus der oft wellenförmig zwischen laut und leise pendelnden Lieder. Obgleich mit „Rubbles“ einer der Höhepunkte bereits an zweiter Stelle gespielt wird, gelingt es der Band, einen Spannungsbogen aufzubauen und auch mit Stücken wie dem melancholischen Schlaflied „Moonchild“ oder dem von warmen Streichern getragenen „Magpie Eggs“ zu überzeugen. Die vielschichtigen und detailverliebten Kompositionen kommen zu voller Geltung, was nicht zuletzt dem sehr harmonischen Zusammenspiel der Musiker geschuldet ist. Man glaubt Moddi, der auf der Bühne eine sympathisch-bescheidene Variante des Chaplin’schen Clowns gibt, wenn er seine Begleitband mit einem breiten, jungenhaften Grinsen als Gruppe von Freunden vorstellt.
Die positive Grundstimmung der Band spiegelt sich im Publikum wider. Die grob geschätzt 70 Zuschauer applaudieren, als handele es sich bei ihnen um eine locker dreistellige Zahl. Es gereicht dem Konzert sehr zum Vorteil, dass das Gebäude 9 großzügig mit Gartenstühlen bestückt ist, ein Anblick, den ich in etwa acht Jahren noch nie gesehen habe. Obwohl man mutmaßt, dass dies vermutlich den geringen Vorverkaufszahlen geschuldet ist und die Stühle sehr spontan aufgestellt worden sein mögen, gibt es dem Abend den richtigen Rahmen. Mit einem etwas aufmerksameren und respektvolleren Publikum, besonders in den hinteren Reihen, sowie einem fähigen Lichttechniker hätte dieses Konzert daher zu einem wirklich erinnerungswürdigen, einmaligen Erlebnis werden können. So war es lediglich ein sehr schöner Auftritt, der erst nach knapp neunzig Minuten und einer zweiten Zugabe endete.