DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Miyagi & Kilians

Interpret:
Miyagi

Datum:
24.04.2009

Lokation:
Bürgerhaus Stollwerck, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Matthias Dersch
Essen, 04.05.2009

BERICHTE

Konzertbericht - Miyagi & Kilians

Miyagi & Kilians

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man an diesem schwül-warmen April-Abend denken, das Bürgerhaus Stollwerck wäre früher einmal ein Schwimmbad gewesen. Vor den Türen warten kleine Teenie-Mädchen und ihre milchgesichtigen Begleiter auf den Einlass, drinnen riecht es wie im Nicht-Schwimmerbereich, nachdem jemand vergessen hat, das Chlor nachzufüllen.

Gefühlte 50 Grad Raumtemperatur und extrem hohe Luftfeuchtigkeit sind zwar nicht die schlechtesten Voraussetzungen für ein tolles Rockkonzert. An diesem Freitag wäre jedoch weniger mal ausnahmsweise mehr gewesen. Denn nichts ist schlimmer als der Schweißgeruch von hunderten pubertierenden Jungs und Mädels, die sich schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn vor der Bühne tummeln, als würde dort gleich Take That ihre Reunion mit Robbie Williams feiern.

Der Anlass ist dabei um ein vielfaches profaner: Die Kilians - ja, genau: aus Dinslaken - spielen ein Konzert. Das mindestens zehnte in Köln in den letzten drei Jahren - und noch immer füllen sie spielend leicht jede noch so große Location.

Doch bevor wir über die Kilians sprechen, müssen wir der famosen Vorband noch mindestens einen, wenn nich zwei Absätze widmen: Miyagi aus Münster. Schon auf ihrem Debüt "Hydraulic Son" hat der Wave-Rock der Band enomen Spaß gemacht, live potenziert sich das jedoch um ein Vielfaches. Wenn Sänger Stefan Matysick sich während des Songs ans zweite Drumkit setzt und immer wieder die Hardcore-Vergangenheit der Band aufblitzt, kann man nicht anders, als sich der Musik hinzugeben. Das ist druckvoll, mitreißend und unverschämt tanzbar. 

Selbst Matysick, der die meiste Zeit leicht verschüchtert auf den Boden  blickt, brennen irgendwann die Sicherungen durch. Mutig stürzt er sich in die Fluten vor sich und verheddert sich dabei hilflos mit seinem Mikrofonkabel. Das ist sympathisch, weil echt. Und das Teenie-Publkim honoriert es mit lautem Applaus. Wenn die Jungs und Mädels zwei, drei Jahre älter und nicht mehr ganz so weit von der Volljährigkeit entfernt sind, dürften sie Miyagi endgültig in ihr Herz schließen.

Doch noch gehört ihre Liebe den Kilians, die an diesem Freitagabend zeigen, warum sie zu den größten "Rockhoffnungen" Deutschlands gezählt werden und dennoch bei den Indie-Hörern Anklang finden: Ihre Songs klingen nach London und New York, ihr Auftreten ist jedoch genauso, wie man es von gerade mal volljährigen Jungs aus der Provinz erwartet.

Sänger Simon ten Hartog schwitzt sich in seinem Sakko zu Tode, darf es aber nicht ausziehen, weil das Konzert für das nächste Video der Band aufgezeichnet wird. Trotzdem gibt er wie gewohnt die Rampensau und erzählt in den knapp 90 Konzertminuten mehr Geschichten als Noel Gallagher auf der kompletten Oasis-Welttournee. Scheinbar nichts ist dem Jungen peinlich, nicht mal der Pickel auf der eigenen Nase...

Wer Lust darauf hat, kann sich daran reiben, sich genervt abwenden und die Jungs mit den Killerpilzen in einen Topf werfen. Doch dann würde er verpassen, wie unverschämt talentiert die Kilians Melodien aus dem Ärmel schütteln. Klar, es fehlt der Coolness-Faktor der Strokes, die vor allem auf Album Nummer eins massiv Pate standen. Doch wer braucht das schon ernsthaft, wenn man sich auch einfach mal ins Getümmel stürzen und feiern kann? Die nötigen Hits dazu haben sie, die musikalischen Qualitäten auch. Für die nächsten zehn Konzerte in Köln dürfte das mindestens ausreichen.


 

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