Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Millencolin
Interpret:
Millencolin
Datum:
28.04.2009
Lokation:
Düsseldorf, Stahlwerk
Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 04.05.2009
Ganz zu Beginn sollte ich vielleicht kurz erwähnen, dass ich ein sehr kritischer Konzertgänger bin, der Handykameras und „In-die-Hände-Klatschen" auf Punkrock-Shows irgendwie befremdlich findet. Spätestens das Jupiter Jones Konzert vor einigen Wochen hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet - ich bin alt geworden. Denn offensichtlich gehört so etwas heute dazu. Bitte nicht falsch verstehen: Jeder der viel Geld (für Millencollin immerhin 25 Euro) für ein Ticket ausgegeben hat, soll auch Spaß haben. Wenn dieser dann darin besteht, sich sein Lieblingslied durch´s Handy anzugucken anstatt zu tanzen und mitzusingen, bitte.
Der Abend begann für uns mit The Picturebooks, einem dreckigen Rock-Trio aus Deutschland, das nicht so recht ins Programm passen wollte. Mit langen, verwuschelten Haaren standen sie auf der viel zu großen Bühne, blickten nicht ins Publikum und lieferten 20 provozierend laute Minuten aufs Parkett. Die Millencolin-Fans in den ersten Reihen quittierten das mit verschränkten Armen und verständnislosen Blicken. Mir aber gefiel’s. War die „Fuck Off“-Haltung der Band doch genau das, was die Düsseldorfer Lahmärsche an diesem Tag verdient hatten.
Weiter ging es mit der Band Far From Finished, einer Truppe recht sympathischer Amerikaner, die eine sehr ambitionierte Bühnenshow ablieferten und darüber hinaus ein bis zwei wirklich gute Lieder am Start hatten. Leider war der Sound so schlecht, dass ich das Keyboard überhaupt nicht hören konnte. Die Band sollte man auf jeden Fall im Auge behalten. Das Publikum war dann auch recht freundlich und verabschiedete die Jungs mit einem ordentlichen Schlussapplaus.
Dann begann das große Warten. Nach einer Umbaupause, die gefühlte zehn Minuten zu lange dauerte, kamen Millencolin auf die Bühne. In der kommenden Stunde spielten die Skandinavier einen Querschnitt durch alle Phasen ihrer Bandgeschichte. Den Gesichtern nach dem Konzert zu urteilen, hat es dem Großteil des jungen Publikums recht gut gefallen. Die älteren wunderten sich hingegen über den unfassbar schlechten Sound, der auch durch mehrere Positionswechsel einfach nicht besser wurde. Auch erschreckend, wie leer das Stahlwerk war. Okay, es war Dienstag und Düsseldorf, aber eine gerade mal halbvolle Halle? Einen weiteren Minuspunkt gibt es für´s Tempo. Denn Songs wie „Kemp" oder „Bullion" funktionieren in dreifacher Geschwindigkeit einfach nicht. Dafür weiß ich jetzt aber, dass Millencolin vier Banner besitzen, was den trostlosen Anblick der ganzen Veranstaltung aber auch nicht verbessert.