Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
M.I.A.
Interpret:
M.I.A.
Datum:
16.11.2010
Lokation:
Live Music Hall, Köln
Autor:
Michael Weber
Köln, 22.11.2010
Derbe, derbe, derbe! So war der Abend bei der World-Dance-HipHop-Grime-Dubstep-Dancehall-Pop-Göttin M.I.A. in der Kölner Live Music Hall. Die Frau aus Sri Lanka, London und New York gab ordentlich Gas auf der plötzlich viel kleineren Bühne, als es eigentlich geplant war. Denn ursprünglich sollte ihr Konzert im E-Werk stattfinden. Nur ein paar Wochen vor dem Termin wurde die Veranstaltung allerdings kurzerhand in die Live Music Hall umgelegt. Aus logistischen und organisatorischen Gründen, wie es offiziell hieß.
Es hätte auch gesagt werden können: „Sorry, wir haben zu wenig Tickets verkauft, so dass wir auf eine kleinere Halle ausweichen mussten“. 30€ für ein Ticket ist auch für M.I.A. viel Geld, aber im Hinblick auf die wahrlich dick aufgefahrene Bühnenshow und die vielen Mitstreitern während ihrer Performance auch nicht völlig zu Unrecht angesetzt. Jónsi kostete im Vergleich genau so viel. Außerdem war und ist die Konkurrenz in diesem Monat in Köln enorm hoch. Zum Ende des Jahres wird noch einmal ein Feuerwerk an musikalischen Hochkarätern abgeschossen. Und unterm Strich war der Schritt der Veranstalter M.I.A. in eine kleinere Halle zu verlegen, die dann ansatzweise ausverkauft war, ein guter.
So kam das Gefühl auf, hier einer Veranstaltung beizuwohnen, nach der sich alle Beteiligten schon seit langem die Finger geleckt haben. Was auch mit den ersten Beats, die mit enormer Wucht aus den Lautsprechern flogen, so war. Anstatt um 21 Uhr selber auf der Bühne zu stehen, schickte M.I.A. ihre DJane zuerst auf die Bühne, die für gute 30 Minuten mit heftigsten Elektro-Beats à la Diplo, das Publikum anheizte. Überall nickende Köpfe und sich sachte Im Takt bewegende Körper, des äußerst stylischen Publikums.
Wo zunächst noch eine spärliche Beleuchtung das DJ-Pult erhellte, ging spätestens ein farbenfrohes Lichtgewitter an, als Mathangi „Maya“ Arulpragasam die Bühne mit ihren Musikern und Tänzern betrat. Der auf die Leinwand gerichtete Beamer wurde während des gesamten Konzerts nicht abgeschaltet und projezierte teils hektische, teils kitischig-plastikhafte Installationen auf die Rückwand der Bühne. M.I.A., die in ihrer schrägen Schlabber-Jacke und glänzender Hose vom Start weg neben ihren zwei das Popping vollziehenden Tänzern umherhüpfte, sah durch die grobe Auflösung des Beamers selbst wie gerastert, wie ein Teil der Projektion aus. Beats, Bass, Tanz, Gesang und Audienz verschmolzen im Farbenspiel zu einer Einheit, unter ihrem hin und wieder kurz aufleuchtenden Namesschriftzug.
Die Auswahl ihrer Songs war allerdings eher auf älteres Material von „Arular“ und „Kala“ ausgerichtet als von ihrem aktuellen Album „/\/\/\Y/\“. Vom Bassfaktor bieten die beiden ersten Alben auch eindeutig mehr, als ihr neues Material. So fegten härteste Bässe quer durch die Halle, drückten auf Brustkorb und Bauchgegend. Für Menschen mit einem schwachen Herzen wäre dieses Artillerie-Feuer kein Genuss gewesen. Besonders Songs wie „Boyz“, wofür sie auch extra Besucher auf die Bühne holte, um mit ihnen gemeinsam zu tanzen, oder „Down River“ sorgten für flatternde Ohren. Richtig derb wurde es allerdings als sie „XR2“, „Steppin Up“, „Born Free“, „Storry To Be Told“ und „Bamboo Banger“ anspielte. Einzig mit kurz angeschnittenen und lässigen „It Takes Muscle“ und dem sphärischen „Space“ gab es kurze Momente zum verschnaufen. Dass M.I.A. aber auch ihren Hit „Paper Planes“ spielte war da nur obligatorisch. Mit weit über einer Stunde Bühnenpräsenz konnte sich am Ende auch so gut wie niemand beschweren, nicht auf seine Kosten gekommen zu sein. Schließlich durfte auch ein nettes Klingeln und Nachdröhnen auf den Ohren mit nach Hause genommen werden, dass dem eines Prodigy-Konzerts in nichts nachstand. Derbe!