Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Melt! Club Dresden
Datum:
10.10.2009
Lokation:
Dresden, Hellerau
Autor:
Kai Töpel
Dresden, 12.10.2009
Für die meisten zum zweiten Mal in dieser Woche fand man sich im Festspielhaus Hellerau in Dresden ein, um einen weiteren Tag das Tonlagen Festival zu besuchen, welches zum Melt! Club einlud. Schon in der Bahn auf dem Weg zum nördlich gelegenen Stadtteil Hellerau und am Eingang des historischen Gebäudes zeigte sich schnell, dass auch dieser Tag ein voller Erfolg sein würde. Mit Modeselektor, Apparat und James Yuill wählten die Macher des Melts! auch ein durchweg ausgewogenes Programm, das bis spät in die Nacht das feierwilligen Publikum beschallen sollte. Zusammen mit dem liebevoll hergerichteten Großen Saal des Gebäudes sollte eine ganz besondere Stimmung hergestellt werden, die vor allem Lust auf mehr Hellerau macht.
Den Anfang machte Three Trapped Tigers, die mit ihrem experimentellen Postrock irgendwo zwischen Battles und Holy Fuck angesiedelt sind. Zwar noch wenig besucht und durch die große Halle etwas eingeschüchtert, lässt ihr Konzert erahnen, was sich aus den drei Briten entwickeln könnte. Gerade in Zeiten, wo Bands wie Health endlich ihre gebührende Anerkennung kriegen, sollte man Three Trapped Tigers im Auge behalten.
Computer Nerd, Folktronica-Wunderkind: Genug der Floskeln, Vergleiche und rosiger PR-Umschreibungen. James Yuill ist dort angekommen wo er hingehört und kann mittlerweile auf zwei verschiedenen Arten die Masse bespielen: Einmal als verträumter Hauptact auf seinen eigenen Konzerten oder als tanzbare Aufwärmung für einen Clubabend. Heute übernimmt er die zweite Rolle und das mit Bravour. Ohne Probleme kann er die Menge in Bewegung halten, baut seine Stücke immer weiter mit tanzbaren Rhythmen auf, ohne seine verträumte Art dabei zu verlieren. Zwischen drin gibt er noch etwas Neues von ihm zu hören, was am ehesten an Junior Boys erinnert. Ausnahmsweise mal kein schlechter Vergleich.
Apparat dagegen versucht nicht gerade, es jedem Recht zu machen, zu sehr verschachtelt er seine Lieder wie „Useless Information" oder „Limelight“. Er verzichtetet dabei sowohl auf die Stücke die auf seine eigene Stimme aufbauen wie „Birds“ oder „Arcadia“, als auf „Holdon“ und „Hailin From The Edge“, welches Raz Ohara für ihn einsang. Wer sich jedoch darauf einlässt verliert sich sehr schnell in seiner Mischung aus IDM, Trip Hop und Ambient, die einen im ersten Moment zum Tanzen und dann zum Schweben einlädt. Apparat gibt dabei seinen Liedern neue Tiefe und lässt den Hörer unterstützt mit formidablen Visuals Einlass in seine Gedankenwelt.
Da kann der Übergang vom ruhigen Apparat-Set zum verqueren Modeselektor-Set ja eigentlich nur schief gehen. Als ob! Für den nahtlosen Übergang sorgt Apparat nämlich selbst, indem er auf der Bühne bleibt und wie in den letzten Monaten auch wieder zu Moderat aufschließt, eben die perfekte Mischung zwischen Modeselektor und Apparat. Mit der Apparat Version von „Let Your Love Grow“, dass Paul St. Hilaire für sie einsang, und „A New Error“ fand man den richtigen Ton, um dann langsam immer mehr den Bass aufzudrehen und zu Modeselektor überzuwechseln. Was dann kommt, könnte man langweilige Routine nennen oder eine einzige große Party. Fast wie vom Tonband spielen die beiden Berliner ihr Set runter, spielen mit „200007“ und „Happy Birthday“ zwei ihrer Hip Hop Nummern und beenden wieder passend mit ihrem Markenzeichen, der Sektdusche zu „Kill Bill Vol. 4“. Durch plumpe Anfeuerungsrufen wie „Sachsen“ motiviert, wagt sich dann auch jeder aus dem Dresdner Umland ins Getümmel. Die teilweise schlampigen Übergänge konnten so getrost weggetanzt werde.
Insgesamt wurde in Hellerau wieder ein durchweg erfolgreicher Abend auf die Beine gestellt, der nur durch den schleppenden Einlass bei einem einzigen Eingang und dem frühen Ende bereits um drei Uhr geschmälert wurde. Wir hoffen auf Fortsetzung!