Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Meat Puppets
Interpret:
Meat Puppets
Datum:
16.05.2011
Lokation:
Düsseldorf, Zakk
Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 25.05.2011
Die Meat Puppets kommen auf ihre erste Europatour seit den 90er-Jahren und keinen interessiert es. So könnte man das Konzert der Kirkwood-Brüder am 16. Mai 2011 in Düsseldorf zusammenfassen. Denn um ehrlich zu sein hatte ich im Vorfeld auf eine gut besuchte Show im Zakk gehofft – am Ende wurden es gerade mal 100 Zuschauer im kleineren Raum des Clubs.
Die undankbare Aufgabe des Openers kam den aus Oklahoma stammenden Colourmusic zu. Die Band spielt laut Eigenaussage Hardcore mit einer gehörigen Portion Oklahoma Sex-Rock. Was auch immer das heißen mag. Eins muss man den Jungs jedoch lassen, sie sind die lauteste Band, die ich seit Jahren gehört habe. Mit zwei Bässen entwickeln Colourmusic eine ungeheure Power, die mit einem besseren Sound sicherlich jeden einzelnen Besucher weggeblasen hätte. Das Publikum dankt es mit artigem Höflichkeitsapplaus, mehr aber auch nicht. Ich wundere mich derweil über die Vinyl-Preise der Band. 20 Euro für ein Album ist dann doch zu viel, zumal man dieselbe Platte im Internet für fünf Euro weniger bestellen kann.
Nach kurzer Umbaupause betreten The Dandies die Bühne. Kollege Küllenberg beschrieb mir die Band im Vorfeld als Mischung aus Jet und Blood Red Shoes. Und genau so klingen die vier dürren Schweizer auch. Handwerklich war das alles auch okay. Was fehlte waren die Hits. Und so konnte man sich während der eher unspektakulären Show das versammelte Publikum anschauen. Alles in allem eine schöne Mischung aus Menschen, die nach MTV 1994 aussahen. Wollmützen, kurze Hosen, Adidas-Jacken und lange Haare erinnern an die Zeit, als Musikfernsehen auch noch Musik im Fernsehen bedeutete.
Die Meat Puppets hatten ihre beste Zeit auch Mitte der 90er-Jahre, als sie mit „No Joke“ ein cooles Album aufnahmen und von Kurt Cobain geadelt wurden, als er sie mit zu Nirvanas „MTV Unplugged“-Show einlud und drei Meat Puppets-Songs mit den Kirkwood-Brüdern spielte. Von diesem Ruhm ist 2011 nichts mehr übrig geblieben. Die Band sieht alt aus, sehr alt. Die Zuschauerzahl liegt eher am unteren Rand der Erwartungshaltung und kann nicht verheimlichen, dass die Band irgendwie schon immer da war (Gründung: 1980), aber eben doch nie so richtig erfolgreich. Dass dann auch noch ein wichtiger Koffer mit Equipment auf dem Flug von London nach Düsseldorf verloren gegangen ist, steigert auch nicht gerade die Laune. Und so spielt das Trio auf der Bühne ihren Stiefel runter, verzettelt sich in zu lange Gitarrensoli und beschränkt sich wirklich auf das aller Nötigste in Sachen Kommunikation.
Und so werden zwar „Plateau“ und „Lake On Fire“ gespielt, aber so richtig glücklich wird das Publikum an diesem Abend nicht. Und das obwohl der Auftritt der US-Underground-Legende mit lauten „Zugabe“-Rufen endet. So traurig es auch ist, aber nach den 70 Zuschauern bei Buffalo Tom im März dieses Jahres in Köln und den 100 Menschen bei den Meat Puppets in Düsseldorf muss man wohl sagen, dass die Zeiten sich endgültig geändert haben. Alte Helden zählen nicht mehr und um in Erinnerungen zu schwelgen hat es diesmal auch nicht gereicht.