Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Lykke Li
Interpret:
Lykke Li
Datum:
04.04.2011
Lokation:
Große Freiheit, Hamburg
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 13.04.2011
Die Erwartungshaltung in der ausverkauften Großen Freiheit 36 in Hamburg ist an diesem 4. April noch ein wenig höher als sonst. Wie wird es der Schwedin Lykke Li gelingen, sowohl den „Twilight“-Fan, der möglicherweise nur den Soundtrackbeitrag „Possibility“ kennt, die zahlreichen Connaisseure ihres tollen Debüts „Youth Novels“ als auch die Bewunderer ihres aktuellen und in rauer, nostalgischer Schönheit glänzenden Albums „Wounded Rhymes“ auf ihre Kosten kommen zu lassen? Und: schließen sich diese Gruppen überhaupt gegenseitig aus?
Bei ihrem letztjährigen Auftritt auf dem Göteborger Way Out West Festival bezauberte Lykke Li durch ihre beeindruckend intensive Bühnenperformance, wehende Vorhänge und den damals noch unbekannten Songs ihres neuen Albums, die man wenige Monate später bereits fest in sein Herz geschlossen hat. Ja, wer sich nach diesem Konzert an einem lauen Göteborger Sommerabend nicht wenigstens ein bisschen in Lykke Li und ihre Songs verliebte, musste schon ziemlich abgestumpft sein oder sich selber in die Tasche lügen.
Daher freut man sich zunächst, dass sich das Bühnendesign nicht von dem des Festivalauftrittes unterscheidet: von der Decke baumeln die schwarzen Vorhänge, die während des Konzerts mal träumerisch wehen, mal bedrohlich tanzen und so der Bühne etwas Geisterhaftes verleihen. Nicht wirklich greifbar ist auch Lykke Li, die in einem schwarzen Body und einem ebenso farbenfrohen Umhang die Bühne zu metallisch zuckendem Donnergrollen betritt, aus dem sich dann der Song „Jerome“ entwickelt, zu dem Lykke Li zunächst in dunklen und verführerischen Posen über die Bühne stolziert, ehe sie sich mit ganzer Kraft einer Trommel widmet, die sie mit vollem Einsatz bearbeitet.
Zwischen diesen Extremen, zwischen Doo-Wop-Introspektive („Unrequited“) und ausgelassenem Electro-Exzess (The Knifes „Silent Shout“) bewegt sich das Konzert, das von der Spannung lebt, die Lykke Li auf der Bühne mit jedem gelebten Ton zelebriert und die sich ungefiltert auf das Publikum überträgt. Ältere Songs wie „I‘m Good, I‘m Gone“ oder „Dance, Dance, Dance“ werden noch einen Tick euphorischer abgefeiert als die Songs von „Wounded Rhymes“, was Lykke Li mit sympathisch schmollenden Ansagen zwischen den Stücken quittiert.
Es ist beeindruckend, wie selbstverständlich Lykke Li auf der Bühne zwischen ihren Rollen als verletzliche, zerbrechliche Frau und der vor Kraft und Dominanz strotzenden Diva wechselt, als sei dies das Natürlichste der Welt. Selbstverständlich wird auch noch das unvermeidliche „Possibility“ gespielt, doch als Zugabe gibt es drei Stücke des neuen Albums, die eindrucksvoll unter Beweis stellen, was für ein gewaltiges Meisterwerk der Schwedin da geglückt ist.
Hatte sich Lykke Li zum Ende ihrer Festivalauftrittes in Göteborg noch teilweise ihrer Kleider entledigt, um zur Zugabe nur noch leichtbekleidet auf der Bühne zu stehen, so spart sie sich diese Einlage in Hamburg auf, was jedoch aufgrund der gravitätischen Kraft dieses Konzertes mehr als angebracht wirkt. Denn alleine der knapp 80-minütige Seelenstriptease der Li Lykke Timotej Zachrisson ist an diesem Abend den Eintritt wert.