Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
La Roux
Datum:
07.07.2009
Lokation:
Uebel und Gefährlich, Hamburg
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 13.07.2009
Journalisten (und zu dieser Gruppe zählt sich der Schreiber der Einfachheit halber im Folgenden mal selbst) sind bemitleidenswerte Wesen. So musste der Rezensent dieser Zeilen einen ganzen Tag in Hamburg bei strahlendem Sonnenschein verbringen, während er die Plattengeschäfte des Schanzenviertels nach Brauchbarem durchstöberte, um sich nach erfolgreichem Zeittotschlagen abends das Konzert der Senkrechtstarter La Roux im angesagten Club Uebel & Gefährlich anzuschauen.
Zugegeben, das klingt alles nicht nach hartem Alltag und wird sicher (und verständlicherweise) wenig Mitleid hervorrufen. Doch sollte man bedenken, dass Journalisten es wirklich schwer haben können, vor allem wenn sie zu früh zu einem Konzert kommen und so möglicherweise noch den Support mitbekommen. Im Falle von La Roux ist dies die dermaßen nervige Frau Kraushaar und ihr leicht derangierter Partner, die einem mit ihrem billigen, schrägen Plinker-Plinker-Pop und der aufgesetzten Dada-Attitüde bereits nach wenigen Tönen bewusst machen, was deine Eltern schon des Öfteren zu dir gesagt haben: Lern was Vernünftiges! Selbstverständlich SOLL diese Show polarisieren, ist das ganze Konstrukt Frau Kraushaar auf einer riesigen Ironie-Seifenblase aufgebaut, doch spätestens seit der missglückten neuen Spinal-Tap-CD und allerspätetens seit Discovery weiß ich, dass Ironie alleine keine Musik tragen kann. Die Show kann es übrigens auch nicht. Als hätte man Stereo Total den Rest ihres spärlich vorhandenen Talents ausgesaugt und ihnen im Gegenzug dafür eine piepsende, schrille Stimme gegeben.
Doch wollen wir uns nicht so lange mit Belanglosigkeiten aufhalten, immerhin wird gleich Elly Jackson die Bühne betreten, besser bekannt als La Roux. Wie üblich hat sie ihren musikalischen Partner Ben Langmaid nicht dabei, wird aber durch eine dreiköpfige Band unterstützt. Zu den ersten Tönen von „Tigerlilly“ erscheint Elly Jackson auf der Bühne, als wäre sie gerade einem NME-Cover entstiegen: enge, zu kurze Jeans, glitzernde Socken, ein weites, in die Hose gestecktes Hemd, dessen Ärmel hochgekrempelt wurden. Darüber baumelt ein übergroßes Medaillon. Und dann ist da natürlich noch diese Frisur, die bereits jetzt ein eingetragenes Markenzeichen ist und eine konsequente Weiterentwicklung von Morrisseys früher Achtziger-Jahre-Tolle ist.
Zunächst ergeben Outfit und Musik keine rechte Einheit, ist man ein wenig verwundert, wie schüchtern diese Frau ist, die in englischen Magazinen bereits angedeutet hat, kleine Konzerte würden sie nicht mehr herausfordern. Die Augen flackern suchend durch den Raum, während die Rhythmusmaschine läuft. Sie meidet den Blickkontakt zum Publikum und wandelt gedankenverloren über die Bühne, die in diesem Moment viel zu groß wirkt, was selbstverständlich auch an den Songs liegt, die sich bereits jetzt überlebensgroß im eigenen Bewusstsein festgesetzt haben und am Ende des Jahres mit Sicherheit so manche Bestenliste anführen werden.
Sobald Jackson anfängt zu singen verwandelt sie sich jedoch. Mit wie viel Hingabe, wie viel Gefühl sie die Songs interpretiert, wie persönlich die Songs in Wahrheit sind, wird einem erst hier, beim Konzert, klar. Nach und nach legt sich die Anspannung sowohl bei der Künstlerin als auch beim Publikum und spätestens bei „Reflections Are Protection“ löst sich diese in Ausgelassenheit und Souveränität auf. Von da an ist das Konzert ein gefeiertes Schaulaufen, auch wenn nur ein Bruchteil der Zuschauer das Album zu kennen scheint. Nach gut einer dreiviertel Stunde und dem grandiosen Finale „Bulletproof“ ist dann plötzlich schon alles vorbei, entschwindet die Kunstfigur La Roux in den Backstagebereich, um wieder zur normalsterblichen Elly Jackson zu werden. Seit diesem Konzert weiß man: Man liebt sie beide.