Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Kings Of Convenience
Interpret:
Kings Of Convenience
Datum:
10.10.2009
Lokation:
Huxleys, Berlin
Autor:
Felix Molter
, 26.10.2009
Über kaum einen anderen Norweger wurde in letzter Zeit dermaßen häufig und ausführlich berichtet wie über Erlend Øye. Nach dem von vielen Menschen aufs Sehnlichste herbei gewünschten zweiten Album des Whitest Boy Alive erschien nun nach fünf Jahren (in denen sich ebendiese Menschen zu großen Teilen mit ebendiesen Whitest Boy Alive die Zeit vertrieben) das dritte Album der Band, die Øye eigentlich erst bekannt machte, nämlich der Kings Of Convenience.
So unschön diese Einleitung ist, so angenehm blieb mir das Konzert, von dem es an dieser Stelle zu berichten gilt, in Erinnerung. Das konnten auch verschiedenste Verbote und Warnungen, die den Eingang zu Huxleys Neuer Welt zierten und den Konzertbesucher zunächst einmal etwas über Sinn und Zweck der Veranstaltung stutzen ließen, nicht ändern. Schließlich wollte man einen schönen Konzertabend verbringen und nicht in die USA einreisen. So wurde darauf hingewiesen, dass es während des Konzertes keine Getränke zu kaufen geben würde, und außerdem auf gar keinen Fall Fotos der Show gemacht werden sollten. Im Fünfminutentakt sollte ein bulliger, dennoch keinesfalls unfreundlicher Security zierliche Mädchen an der Hand aus dem Saal zurück zur Kasse führen, wo haufenweise Kameras penibel aufgereiht, nummeriert und zur späteren Abholung bereit deponiert wurden. Man betrat also ohne Kamera den sehr geräumigen Saal, an dessen Hinterseite eine Tribüne für die ebenfalls angebotenen Sitzplätze aufgebaut war und etwas verspätet traten dann der so oft erwähnte Erlend Øye und sein Schulfreund und Bandpartner Eirik Glambek Bøe auf die Bühne. Damit nahm der Abend seinen Lauf.
Die Beiden zogen das Publikum ausnahmslos nur mit Gitarren und Gesang in ihren Bann. Allerdings gab es einen kleinen Zwischenfall. So brachen die beiden mitten im Lied ab, weil sie bemerkten, dass es tatsächlich jemandem gelungen war eine Kamera zum Konzert zu schmuggeln und diese sogar zu benutzen. Mit dem Hinweis „Please let our fans concentrate on our music.“ wurde das strikte Verbot am Einlass und die Absicht der Band klar. Dass das Mitbringen einer Kamera aber dennoch kein Verbrechen sein sollte zeigten die beiden dann mit einem spontanen Foto-Posing, das sehr rockstar-like mit gekreuzten Gitarren und angespannten Muskeln ausfiel. Urplötzlich tauchten dutzende andere Kameras im Publikum auf und spätestens nun war die Spannung gelöst. Die Zurückhaltung im Publikum hielt sich allerdings, auch als die Band nach etwa einer halben Stunde von Geiger und Bassisten komplettiert wurde. Das bis dahin vor sich hin schwelgende Publikum (das die Stimmung, Stimmen und Klänge höchstwahrscheinlich dazu nutzte den vergangenen Sommer ein letztes Mal Revue passieren zu lassen) ließ sich zum mitschnippsen und -wippen animieren. Viel mehr Bewegung kam nur kurzzeitig während Øyes ja schon fast obligatorischen Publikums-Motivations-Spaziergang auf.
Allerdings wurde jedes Lied, vor allem natürlich „Misread“ und „Stay Out Of Trouble“, aber auch „Boat Behind“ und „Rule My World“ vom neuen Album und ganz besonders Øyes (wie Bøe zwischendurch bemerkte größtenteils improvisierten) Einlagen auf dem Klavier, das die Mitte der Bühne einnahm und vornehmlich dazu diente einen fließenden Übergang zwischen den einzelnen Stücken herzustellen, lautstark vom faszinierten Publikum bejubelt. Das so höfliche Publikum war durchaus zu einigen Überraschungen gut; so klang beispielsweise der zu „Singing Softly To Me“ angeforderte Frauenchor wirklich ausgezeichnet.
Nachdem Erlend Øye das letzte Lied mit seiner unglaublich echt klingenden Lufttrompete beendete und damit für Begeisterung und Belustigung gleichermaßen sorgte, verließen die Kings Of Convenience die Bühne. Als Zugabe spielten Øye und Bøe nach kurzer Absprache mit dem Publikum („Any requests?“) „Gold In The Air Of Summer“ und hinterließen beim Besucher, der nun wieder raus in den viel zu kalten und dunklen Herbst geschickt wurde, doch das Gefühl, der Sommer wäre für zwei Stunden noch einmal da gewesen.