DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Jupiter Jones

Interpret:
Jupiter Jones

Datum:
28.03.2009

Lokation:
Gebäude 9, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 30.03.2009

BERICHTE

Konzertbericht - Jupiter Jones

Jupiter Jones

Die Menschenmenge vor dem Gebäude 9 verrät es schon bei unserer Ankunft. Heute wird es eng. Am Eingang müssen wir uns zunächst den unglaublich unlustigen Witzen und der Frage, wem denn ein Internetmagazin etwas bringt stellen. Jaja, wir sind alles Schnorrer und bringen einer jungen deutschen Band gar nichts. Im Konzertraum bestätigt sich der Eindruck, dass es heute recht voll werden wird. Die Vorband Mikroboy darf schon vor einigen hundert Menschen spielen. Überzeugen können mich die Pop-Songs der Band nicht. Irgendwie gehören die eher ins Vorprogramm von Silbermond als auf eine Punkrockshow. Dem Publikum gefällts trotzdem, oder gerade deshalb. Mal schauen wie das Debütalbum der Band im Sommer ankommen wird.

Nach einer kleineren Umbaupause geht das Licht aus. Coldplay schallt aus den Boxen. Mmh, Einlaufmusik? Mitnichten. Zuerst darf sich das Publikum noch den Opener des am 22. Mai 2009 erscheinenden Albums anhören. Pre-Listining Party? Nein, da kommt die Band ja schon auf die Bühne. Gut so, die Spannung steigt. Was jedoch die kommenden 80 Minuten von der Bühne kommt ist enttäuschend. Der Sound ist eher matschig, so dass ich bei einigen Songs nicht erkennen kann, welches Lied gespielt wird, bis der Gesang einsetzt. Um auf den Punkt zu kommen: Ich mag, nein ich liebe Jupiter Jones. Ihre Texte haben mich die letzten fünf Jahre lang begleitet - auch durch schlechte Zeiten. Immer haben sie Hoffnung und Kraft ausgestrahlt an der man sich wieder hochhangeln konnte, wenn alles irgendwie schief lief. Das Unplugged Konzert im Kölner Underground wird darüberhinaus eines der schönsten Konzerte der vergangenen zehn Jahre bleiben.

Im Gebäude 9 wird derweil das Publikum zu „Als Slayer in Uedelhoven spielten“ zum Circle Pit animiert. Für mich eine alberne Aktion, die ich einfach nicht nachvollziehen kann. Das Publikum vor der Bühne gibt alles und hat großen Spass. Wie sangen HASS Ende der 1980er-Jahre? „Gebt Der Meute Was Sie Braucht“. Ich für meinen Teil möchte Songs wie „Versickern / Versanden“ und „Auf das Leben“ nicht zwischen Menschen hören, die konsequent damit beschäftigt sind, sich selbst zu fotografieren. Die mir minutenlang die Handykamera vors Gesicht halten, um eine verwackelte Videoaufnahme auf Youtube stellen zu können. Ich verstehe einfach nicht, wie man bei Liedern rythmisch in die Hände klatschen kann, in denen doch offensichtlich eine völlig andere Aussage steckt. Und wenn dann bei „Jupp“ Feuerzeuge angehen und diskutiert wird, ob nun der Veranstalter stagediven soll oder nicht, muss ich eben kopfschüttelnd zur Theke gehen und überlegen, ob ich den Weg der Band weiter begleiten möchte.

Das ich an eben dieser Theke zwei gute Freunde treffe, die völlig enttäuscht ins Leere gucken tröstet… aber nur ein bisschen. Ich erinnere mich an ein Konzert in Neuss. Die vier Jupiters standen damals mit geschlossenen Augen auf der Bühne und es schien so, als ob sie in ihrer eigenen kleinen Parallelwelt spielten. Schön, emotional und ohne Schnörkel. „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“ – schade nur, dass der auch verfliegen kann.


 

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