Konzertbericht - Intro Intim: Robyn, Does It Offend You, Yeah?!
Wer nicht in Groningen beim Eurosonic- Festival war, hat, wie in jedem Jahr eine Menge verpasst. All jene Daheimgebliebenen erhalten an diesem Montag in Köln die Gelegenheit, zumindest drei der Acts ebenfalls zu erleben, die sich wenige Tage zuvor auch in Holland präsentiert hatten. Vorausgesetzt man gehört zu den Glücklichen, die früh genug ein Ticket gekauft haben, denn das Gebäude 9 ist restlos ausverkauft und das wohl nicht zuletzt wegen Robyn, der schwedischen Hauptattraktion des Abends.
Doch zunächst sind erstmal Does It Offend You, Yeah? an der Reihe. Die Electro-Party-Rave-Kapelle legt einen Start hin, wie er besser nicht sein könnte. In den vorderen Reihen werfen bunt gekleidete Teenager ihre Leuchtstäbe in die Höhe und haben sichtlich Spaß am energiegeladenen Vortrag auf der Bühne. Dass die Band eine derartig große Portion Spannung auch aus massivem Gitarreneinsatz zieht, war im nächtlichen Groningen wohl ein wenig im persönlichen Alkoholgenuss untergegangen und so freut man sich über eine begeisternde und überraschend variantenreiche Show, an deren Ende der Hit „We Are Rockstars“ über allem steht. Man glaubt der Ansage, noch lange nicht genug zu haben und weiterspielen zu wollen, allerdings ist der Fahrplan eng und die nächste Band steht bereits in den Startlöchern.
Mit sind die Lokalmatadore an diesem Abend. War ihr Auftritt auf dem Eurosonic eine eher zwiegespaltene, oft ziellose Angelegenheit gewesen, so sind die drei jungen Kölner hier in großer Form. Nach wenigen Songs entwickelt sich ein druckvoller Klang, treffen Takte unmittelbar ins Ziel. Besonders dem hervorragenden Schlagzeug gebührt ein Lob. So klingt auf den Punkt! Außerdem tut es den Stücken gut, dass man nun im Vergleich zum Holland-Gig darauf verzichtet, den hohen, im besten Sinne prä-pubertären Gesang zu viel zu verzerren. Nachdem das Trio im Dunkeln verschwunden ist, versteht man Vergleiche mit Klaxons oder Mediengruppe Telekommander und warum sich so viele Menschen, nicht nur in Köln, auf das bald erscheinende Debütalbum freuen.
Gefreut hat sich auch eine beträchtliche Menge des bunt gemischten Publikums auf Robyn, die den Schlusspunkt setzen soll, deren Gastspiel in Groningen man ausgelassen hatte. Bis es soweit ist, muss man sich aber reichlich in Geduld üben. Obgleich Mit einigermaßen pünktlich von der Bühne verschwunden sind, dauert es fast eine Stunde, bis die schwedische Songwriterin ins Spotlight tritt, um den Pop zu feiern. Allerdings schafft es die Blondine mit frappierender äußerer Ähnlichkeit zu Pink nur sehr schleppend den Zuschauerraum in Bewegung zu versetzen. Viele Stücke wirken einfach zu glatt, lassen Tiefe oder Anknüpfungspunkte vermissen. Hätte Robyn mehr Charisma und eine bessere Band, sie könnte versuchen Roisin Murphy Konkurrenz zu machen. So reicht es nur zum gut gemeinten Fußwippen, bis endlich das Lied kommt, für das letztlich alle hier sind. „With Every Heartbeat“ ist der erwartete Kracher, mag dank dröhnendem Bass so manchen für die Wartezeit entschädigen.
Am Ende darf man den Versuch einer sehr wagemutigen Band-Kombination für geglückt erklären. Auch wenn die Höhepunkte am früheren Abend stattgefunden haben, laufen am Ende schwitzende Menschen zufrieden zum Deutzer Bahnhof.