DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Iceage

Interpret:
Iceage

Datum:
11.01.2012

Lokation:
Molotow, Hamburg

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Köln, 13.01.2012

BERICHTE

Konzertbericht - Iceage

Iceage

So ganz sicher ist sich das Publikum im Hamburger Molotow noch nicht, was sie gleich beim Konzert der Dänen von Iceage erwarten wird. Was vielleicht auch daran liegt, dass ihr letztjähriges Debütalbum „New Brigade“, dieser funkelnde Hybrid aus Punk, Hardcore und Post-Punk, ein Monolith aus verstörendem Krach und Klang zu gleichen Teilen war. Ein Album, so schwerverdaulich wie die Wackersteine, die den bösen Wolf im Märchen der Sieben Geißlein in den Brunnen ziehen.

Beim Anblick der Band auf der Bühne zeichnen sich auf den Gesichtern im Publikum einige Fragezeichen ab: Diese so brav wirkenden Jungs, die aussehen, als wären sie gerade aus dem Proberaum ihrer Schule ins Molotow getapst, um hier mal schnell eine große Show zu spielen, sollen also für diese großartigen Songs verantwortlich sein? Einzig Sänger Elias Rønnefelt mit seiner Lederjacke und schwarzem Cowboyhut verkörpert so etwas wie Rockstar-Attitüde, während die Band artig und wie auf ein Zeichen von außen darauf wartet, endlich anfangen zu dürfen.

Aber wie die Band dann loslegt! Mit einer bis auf die nötigsten Punk-Elemente heruntergeprügelten Version von „White Rune“ wollen Iceage alle Zweifel aus dem Club fegen. Das gelingt ihnen auch eindrucksvoll, nur leider fegen sie bei dieser Gelegenheit auch die kleinen aber wichtigen Feinheiten, die das Album auszeichneten, mit hinaus auf die Straße. Rønnefelts auf Platte so düsterer und hallgeschwängerter Gesang wird live zu einem wütenden Raunzen und auch die unverkennbaren Joy Division- und Wire-Anleihen gehen im kakophonischen Lärmbrei unter.

Der Kontrast zwischen Rønnefelt und dem Rest der Band könnte größer kaum sein. Während dieser torkelnd und animierend über die Bühne wankt und den Kontakt zum Publikum sucht, blicken sowohl der Bassist als auch der Gitarrist stoisch auf das Griffbrett ihrer Instrumente, als wären sie nur darauf bedacht, bloß keine Fehler zu machen. Würde dies nicht so angestrengt, so aufgesetzt wirken, hätte diese Szenerie durchaus etwas Sympathisches. So fragt man sich jedoch während der kurzen Song-Eskapaden dauernd, was an diesem Bild nicht stimmt, warum das Geschehen auf der Bühne so gekünstelt wirkt. Wo ist er nur hin, der Post- im Punk von Iceage?

Nach gerade einmal 20 Minuten spielen Iceage mit „You‘re Blessed“ (das Rønnefelt als „einen Song über Schule“ ankündigt) ihren letzten Song. Zugaben gibt es keine. Das wiederum hat Stil, auch wenn es dem Umstand geschuldet sein kann, dass sich der Applaus doch sehr in Grenzen hält. Und bis auf die drei mittelalten Herren, die während des Konzerts vor der Bühne ihre Pogo-Künste zelebrieren, kann man an den Blicken des Publikums erkennen, dass sich dieses nicht so ganz sicher ist, was es von diesem Abend halten soll.


 

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