DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Hotel Pro Forma / The Knife

Datum:
09.10.2009

Lokation:
Dresden, Hellerau

Weiterführende Links:

Autor:
Kai Töpel
Dresden, 12.10.2009

BERICHTE

Konzertbericht - Hotel Pro Forma / The Knife

Hotel Pro Forma / The Knife

Die Kunstform Oper ist nicht nur für uns bei Crazewire neues Terrain, sondern auch für die Ausnahmeband The Knife, die mit „Tomorrow In A Day“ zusammen mit dem dänischen Produzenten von Hotel Pro Forma erste Schritte in diese Richtung wagen und das nicht auf der Bühne, sondern dahinter. Da schüchterne Zurückhaltung in Punkto Bühnenshow sicherlich kein Charakterzug der beiden Schweden ist, begeistert ihre Darwinistische Oper vorallem als audio-visuelles Meisterwerk, welches am Ende vor allem viele fragende, aber trotzdem glückliche Gesichter in die kalte Dresdner Nacht entlässt. 

Als Veranstaltungsort wurde das Dresdner Festspielhaus Hellerau gewählt, das sich als perfekte Austragungsstätte entpuppt. Seit Anfang Januar, unter neuen Leitung des Kulturmanagers Dieter Jaenicke, versucht das historische Haus weiter an frühere Zeiten anzuknüpfen, als es die Kulturelite bis 1914 nach Dresden lockte. Mit dem Tonlagen Festival 2009 finden in Hellerau einige spezielle Momente des Dresdner Kulturjahres unter diesem Dach statt.

Ein für Dresden überraschender Weise sehr internationales Publikum fand sich am 8. und 9. Oktober in Hellerau ein, um die einzigen deutschen Termine der The-Knife-Oper „Tomorrow In A Day“ zu besuchen. Da an beiden Tagen ausverkauft, war schon im Vorhinein klar, dass dieses Konzept sowohl für die Band, die sich in Form eines DJ Sets von Olof Dreijer am ersten Tag auch persönlich in Dresden zeigte, als auch für die Organisation und Dresden ein voller Erfolg sein würde. 

Als Thematik suchten sich die Schweden Darwin und die Evolution aus, um ihnen den Rahmen zu geben für eine fulminate Mischung aus Musik, Tanz und Gesang, die an Kurzweiligkeit kaum zu überbieten war. Vorallem die musikalische Umsetzung, die die Tonanlage im Großen Saal das ein oder andere Mal an die Grenzen des Möglichen brachte, war beigeisternd. Als eine Art DJ-Set von The Knife zu verstehen, führten sie damit die Form Oper in ganz neue Richtungen. Außerdem verlieh die Wahl von drei Sängern aus drei verschiedenen Richtungen, unter ihnen die Stimme einer richtigen Opernsängerin, der Musik von The Knife ganz neue Facetten. Bis auf ein kleines Anspielung zu „Heartsbeats", verzichteten sie auf weitere Verarbeitungen bekannter Lieder. Ein Spannungsbogen oder einen klaren Plot in „Tomorrow In A Year" zu finden, war dabei nicht wirklich möglich. Stattdessen war die Oper eher als audio-visuelle Performance-Art zu verstehen, die durch eindrucksvolle Tanzeinlagen verstärkt wurde.

Der frenetische Applaus zum Ende und eine ebenfalls ausverkaufte Aftershow Party zeigten, dass Dresden das Format hat, sich nicht hinter Berlin und Leipzig verstecken zu müssen. Es braucht nur einfach die richtigen Ideen und die passende Mischung.

Video: „Tomorrow, In A Year"


 

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