Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Hot Snakes
Interpret:
Hot Snakes
Datum:
05.12.2011
Lokation:
Köln, Gebäude 9
Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 14.12.2011
Just während eines Anfalls von akutem Phantomschmerz, den ich mit exzessivem Wiederanhören der drei Hammeralben der 2005 aufgelösten Band zu bekämpfen versuchte, schnappte ich bei RTL Aktuell die Nachricht einer bevorstehenden Reuniontour auf. Da war die Freude natürlich groß! Ähnliche Gefühle bewegten auch einige Trinkkumpan(-innen) von mir, weswegen das Konzert gleichzeitig auch ein nettes Klassentreffen zu werden versprach. Spitze!
Außerdem fand alles im supersympathischen Gebäude 9 statt und nicht etwa im Underground oder gar in der überschätzten Live Music Hall. Also, nette Thekenbedienstete, die zeitnah und freundlich die Bestellung erledigen und nach dem Konzert noch Zeit für einen Absacker, ohne wegen einer Drecksstudentendisco flugs aus dem Saal gekehrt zu werden. Plus angenehmste Beschallung im Kneipenteil etc. Daumen hoch für´s Gebäude 9.
Ohne Umschweife zum Musikalischen. Google weiß den Namen der Vorband, von der ich leider aus Ignoranz nur die letzten drei Stücke mitbekommen habe. Die waren aber sehr gut, druckvoll und mit ihrem Sound im San Diego Post HC Kontext durchaus passend zu verorten.
San Diego. Aus dieser Blase gefielen mir die Hot Snakes immer am besten. Nix gegen Rocket from the Crypt, absolut nix gegen Drive like Jehu und die Obits sind natürlich auch klasse. Doch die Hot Snakes… Can I say Lieblingsband? Leider hab ich (habe ich schon meine Ignoranz erwähnt) die Band zu ihrem Bestehen nie live erlebt, weswegen, siehe erster Abschnitt, die Freude für mich umso größer war.
Nach einer einigermaßen langen und spannugssteigernden Umbaupause ging´s endlich los und zwar mit den eher längeren und verfrickelteren Stücken (Setlist). Quasi zum Reinkommen. Die durchaus von kantiger Rhythmik geprägten Songs halten einen in keinster Weise vom Mitwippen und Kopfnicken ab, was dazu führt, dass sich der gewählte Standpunkt direkt unterm Warmluftgebläse schnell als Fehlentscheidung herausstellt. Aber egal, schließlich handelt es sich ja um eine Band aus Kalifornien, „Where it´s allways fucking hot“, wie Speedo anfangs noch mal erinnert.
OK Rhythmik: Ein Aspekt, der gerade diese Band zur Ausnahmeerscheinung macht. Geil vertracktes Drumming, welches jedoch nie anstrengend progressivrockartig wirkt. Dazu kommt noch der supergeil ausgefuchste Wechselgitarrenzauber der beiden Gitarristen. Kleine, abgesägte Noisesplitter, die zusammengenommen immer einen eigenartigen Sinn ergeben.
Apropos Noise. Der Sound war geil laut und krachig, Gesang war kaum zu hören, doch die angesprochenen Ping Pong Gitarren immer super erkennbar. Ich würde sagen, genauso hab ich mir das auch vorgestellt. War dreckiger, aber auch noch ein gutes Stück dynamischer als auf Platte. Eben diese Art von Dynamik und auch die Melodieführung bringt viele HS Songs auch gern in den Verdacht, kleine Wipers-Hommagen zu sein. Ich hab diese spezielle Art von Steigerung aus dem Hypnotisch/Melancholischem ins Hymnische auch noch bei keiner Band außer den Originalen besser gehört.
Auch deswegen find ich die Hot Snakes so geil.
So etwa ab der Hälfte der Show gibt es aber auch vermehrt kurze, fett ballernde HC/Punk Brecher zu Hören (Ich sag nur „If Credit´s What Matters…“ – schweinegeil) und damit einhergehend eine Verlagerung vom andächtigen Zuhören in Richtung jugendlich ungestümes Rumgehampel (Altersdurchnitt war natürlich eher im oberen 20er Bereich). Schön.
Insgesamt war die Setlist atmosphärisch sehr schön zusammengestellt, übergangslos amalgamierte Dreierblöcke, kein großes Gelaber zwischendrin, als Legende hat man das ja auch nicht mehr nötig.
Das Set war insgesamt nicht allzu lang, etwa ne Stunde, und nachher gab´s natürlich auch noch ne Zugabe. Ich hätte aber liebend gern noch eine halbe Stunde mehr gehabt, da ich den einen oder anderen Song auch vermisste ("Salton City" zum Beispiel). Außerdem hatte ich am nächsten Tag frei und war eh im Bier und Feiermodus, mir doch egal, wann die Drecksbahn fährt.
Meine Freundin meinte übrigens, das sei das beste Konzert gewesen, was sie bisher mit mir besucht hat. Und die hat ja schließlich Geschmack. Danke Hot Snakes, gerne wieder!
Text: Eric Hilt!