Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Hanne Hukkelberg
Interpret:
Hanne Hukkelberg
Datum:
25.05.2009
Lokation:
Stadtgarten, Köln
Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 02.06.2009
Ein ausgelassener Sommerschauer suchte meinen Wohnort in der Eifel heim, als ich mir in Vorfreude wälzend die Songs von Hanne Hukkelberg anhörte. Das Platzregen und Hagelschauer zwischen dem ganzen Sonnenschein und Gute-Laune-Wetter eigentlich sehr gut zu der Musik von Hanne Hukkelberg passen, hätte ich da bereits ahnen können. Ein kurzer Besuch auf der Autobahn, ein kleines Abendbrot auf die Hand und schon steht man im Stadtgarten in Köln.
Hier ist von schlechtem Wetter und trüben Gesichtern nichts zu sehen. Eine Handvoll Menschen unterschiedlichen Schlages stehen vor dem Stadtgarten und genießen die Abendsonne, vereinzelt mit einem Bier und einer Zigarette. Eine Szenezuordnung beginnt man vergeblich. Vom alten Herren mit Pumas und der neuen Intro in der Hand, bis zum gestriegelten Hemdenträger ist alles dabei. Ich und meine Begleitung schrauben mit unseren knappen zwanzig Jahren den Altersdurchschnitt der Besucher nur minimal runter. Der Gong ertönt, wir strömen alle rein, das haben wir gemeinsam.
Der Konzertsaal des Stadtgartens füllt sich, distanziert sich aber deutlich vom Überfüllen. Die ersten Reihen legen sich aufs Parkett und machen es sich bequem. Zwischen dem ganzen Getümmel schallen von der leeren Bühne Straßengeräusche, vermutlich die, die Hanne Hukkelberg zu ihrem ersten Album sammelte und in ihren Songs einbaute. Ohne Vorband betreten Hanne und ihre Kumpanen pünktlich die Bühne. Eingefleischte Fans strahlen beim Ertönen der ersten Klänge und wippen frenetisch mit den Füßen und dem Kopf. Bei mir hat es die ersten zwei Songs gebraucht, bis das Eis gebrochen war. Von da an konnte es aber losgehen mit der bezaubernden Stimme und der Experimentierfreude. Der Song „Blood From A Stone“ ließ mich ein Teil der wippenden und frohlockenden Meute werden. Nun konnten mich auch die schwerer zugänglichen Songs begeistern, die aber bald einen winziger werdenden Teil einzunehmen schienen. Ein Potpourri von Liedern ihrer drei Alben vermittelte einem jeden Hanne-Hukkelberg-Neuling, wie es in ihrer Weltanschauung zugeht. Essstäbchen zwischen den Saiten, der Geigenbogen wird wie bei Sigur Rós über die Gitarre gestrichen und Klangschalen, gefüllt mit Rasseln und Glöckchen machen unter anderem das Spektrum an Klängen aus.
Mit Songs wie „Cheater's Armoury“, „Northwind“ oder „Midnight Sun Dream“ wiegt Hanne Hukkelberg die Besucher des Stadtgartens in einer Wiege aus wohltuenden Sounds und experimentellen Ideen. Besonders raffiniert ist die Schreibmaschine, die den Takt in „Northwind“ angibt, leider hier aus dem Apple-Notebook. Dieser Song wird auf dem Flügel des Stadtgartens, der mit sympathischen Stimmchen abgefeiert wird, präsentiert. Die Bühne wird nach einer Stunde verlassen, um sie nach einigen Minuten, die wie Sekunden erscheinen, wieder zu betreten und eine Coverversion des Kinks-Songs "All Day And All Night“ wird zum Besten gegeben. Eine weitere Zugabe und erneute Lobeshymen für den Flügel später ist alles vorbei. Das Versprechen allen im Raum ein Autogramm zu geben wird eingehalten und ein bezaubernder Abend geht nach guten eineinhalb Stunden zu Ende.
Zufriedene Gesichter strömen in die Nacht und verlieren sich zwischen dem Alltag Kölns. Warum die ganze Stadt nicht den Konzertsaal gestürmt hat, ist mir schleierhaft. Mit zu vielen Glückshormonen betrete ich mein Auto und verlasse die hellen Lichter Kölns.