DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Great Lake Swimmers

Interpret:
Great Lake Swimmers

Datum:
23.11.2009

Lokation:
Hamburg, Molotow

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 30.11.2009

BERICHTE

Konzertbericht - Great Lake Swimmers

Great Lake Swimmers

„I'll see you on the moon", sangen die Great Lake Swimmers dereinst und betitelten damit eine feine Kinderlieder-Compilation. Heute sieht man die Herren Kanadier um Frontmann und Songschreiber Tony Dekker auf Hamburgs sündiger Touristenmeile, die an diesem verregneten Montagabend ihre liebe Mühe hat, hormonstrotzende Kegelclubs und sonstige einsame Seelen mit der plakativen Freude nackter Frauenkörper zu schneller manueller Körpersafterzeugung zu locken.

Zum Glück ist es im Inneren des Molotow, dem Kellerclub der Wahl für diesen Abend, deutlich voller als draußen auf der Reeperbahn und auch das Bier ist, wenn auch nicht spottbillig, so doch bezahlbar. Da müsste man im Tischtanzschuppen um die Ecke mutmaßlich tiefer in die Tasche greifen und ob die Menschen auf der Bühne dann dort schöner sind, ist auch nicht gesagt. Wer sich hier versammelt hat, will Indie Pop statt Fuffis im Club.

Recht so, haben doch die Great Lake Swimmers in den vergangenen Jahren mit einer Reihe Alben bewiesen, dass sie ein erhebliches Wörtchen mitzureden haben, wenn es um die leisen Töne geht. Im Bereich Gegenwartsfolk darf diese Band durchaus als Hausnummer gelten, auch wenn immer die anderen große Verkaufszahlen schreiben. Sehr schön zu sehen also, dass in Hamburg die Publikumszahl zumindest knapp dreistellige Dimensionen erreicht und die Stimmung während des gesamten Konzertes fröhlich entspannt, bis tatsächlich ergriffen ist.

Die Band trägt ihren Teil dazu bei, indem sie sich mit Lapsteel, Kontrabass und Banjo durch die eigene Geschichte spielt und neben aktuellen Liedern wie der Mitschunkel-Nummer „Still" und dem eingängigen Popsong „Pulling On A Line" auch alte Höhepunkte wie „Moving Pictures Silent Films" von ihrem fabelhaften Debütalbum darbieten und zum Abschluss des regulären Sets  „I Am Part Of A Large Family" in feinster Wilco-Manier mit Steelguitar zu einem voluminösen Finale auswalzen. Besonders der Drummer fällt dem aufmerksamen Konzertbesucher als geschickter Musikant mit großer Hingabe auf, doch überhaupt wirkt das Quintett wie ein mehr als eingespieltes Team.

Manch einen mag der Gesang beizeiten an Logh erinnern, andere denken bei den nur von Tony Dekker mit der Akustikgitarre vorgetragenen Stücken in der Mitte des Auftritts an Nick Drake, mit dem die Musik der Kanadier seit jeher verglichen wird. Doch auch ohne die Einflussgeber erraten zu wollen, merkt man schnell, dass sich Konzerte wie dieses am besten angelehnt an den oder die Liebste genießen lassen. Mitfühlen höchst erbeten.

 

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