DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Grand Archives und S

Interpret:
Grand Archives

Datum:
03.02.2010

Lokation:
Köln, Studio 672

Weiterführende Links:

Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 08.02.2010

BERICHTE

Konzertbericht - Grand Archives und S

Grand Archives und S

Zu Beginn traut man seinen Augen nicht. Gerade 25 Zuschauer sind gekommen, um sich S und die Grand Archives im Studio 672 anzugucken. Das muss man sich mal vorstellen. Eine Band, die ihre Platten auf Sub Pop veröffentlicht, deren Mitglieder bei Band Of Horses oder The Shins gespielt haben bzw. spielen und die für ihre Alben super Kritiken bekommen haben, spielen in der Indie-Hochburg Köln und niemand geht hin. Unglaublich, denn es sollen auch später nicht mehr Zuschauer werden.

Im Vorprogramm von Grand Archives spielt eine Band mit dem schönen Namen S. Die beiden Frauen spielen dezente Gitarrenmusik, die auf der zauberhaften Stimme Jenn Ghettos aufbaut und recht unspektakulär wirkt. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich aber um sehr emotionale Songs, die sicherlich der Knaller auf jedem Wohnzimmerkonzert wären. Das Publikum dankt es mit Schweigen während und herzlichem Applaus nach den Liedern.

Danach lassen sich Grand Archives nicht lange bitten. Bereits kurz nach ihrer Supportband kommen die fünf Jungs um Sänger Mat Brooke auf die kleine Bühne. Mit „Topsy's Revenge“, dem Opener des aktuellen Albums „Keep In Mind Frankenstein“ beginnt ein Konzert, das seinesgleichen sucht. Zu Beginn scheint es, als ob die Band von den äußeren Umständen etwas genervt ist. Gelächelt wird auf der Bühne vorerst nicht. Erst als das Publikum von Song zu Song enthusiastischer applaudiert, löst sich die Anspannung. Der Sound im Studio ist erstaunlich gut, was vor allem bei den dreistimmigen Passagen deutlich wird. In diesen Momenten erinnern die Grand Archives dezent an die Beach Boys. Spielerisch einwandfrei, gefühlvoll und extrem sympathisch spielen die Amerikaner die Songs ihrer beiden Alben. Auch Jenn Ghetto darf zum Ende hin noch mal auf die Bühne, um die zweite Stimme zu singen. Spätestens jetzt bereut es niemand mehr hier zu sein - einfach toll. Dass sich die Band nach dem Konzert auch noch als unglaublich nett entpuppt, ist weniger überraschend, als die unglaubliche Dankbarkeit, die die Jungs den wenigen Menschen entgegenbringt, die den Abend mit ihnen verbracht haben. 

Man kann nur hoffen, dass die Booker vom Stadtgarten weiterhin das Geld für solche Bands ausgeben können und wollen. Und man kann nur hoffen, dass sich Bands wie die Grand Archives und S nicht entmutigen lassen und trotz dieser Enttäuschung weiter nach Deutschland kommen. Ansonsten müssen wir uns wohl in Zukunft gehypte Kackbands in völlig überfüllten Clubs anschauen oder 55 Euro für alte Rockstars zahlen. Für mich war das musikalisch gesehen der schönste Abend seit ganz langer Zeit. Danke, Grand Archives!


 

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