DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
First Aid Kit, Royal Bangs & Port O'Brien

Interpret:
Port O'Brien

Datum:
01.12.2009

Lokation:
Köln, Gebäude 9

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 07.12.2009

BERICHTE

Konzertbericht - First Aid Kit, Royal Bangs & Port O'Brien

First Aid Kit, Royal Bangs & Port O'Brien

Der November ist bekanntlich nicht gerade der schönste Monat im Jahr. Es ist kalt, andauernd regnet es und an jeder Ecke hustet und schnieft dich Jemand an. Fördernd ist es nicht, wenn man dann auch noch mitten in seinen Klausuren versinkt und der Alltag zu einem deprimierenden Geschwür aus Verpflichtungen und Terminen mutiert. Da muss man sich schon was einfallen lassen, damit man sich in der Vorweihnachtszeit nicht plötzlich als missmutiger Grinch wiederfindet. Und es hat sich herausgestellt, dass das Gebäude 9 da sehr behilflich sein kann.

Auf dem Konzert von Portugal. The Man und The Builders & The Butchers am 14. November erblickte ich das freundliche Kalifornier-Kollektiv mit ihren großen Brillen und den Pferde- und Bärenmasken auf dem Tourplakat. Da ich sie auf ihrer letzten Tour verpasst habe und auch auf keinem Festival das vergnügen hatte sie live zu erleben, stand schnell fest, dass ich diese Konzert besuchen müsse, trotz einer am nächsten Tag folgenden Französisch-Klausur.

Und so habe ich mich mit einer Reihe von Menschen an diesem Dienstag Abend im Gebäude 9 zusammen gefunden. Das Vorprogramm gestalteten First Aid Kit. Zwei Schwestern, die kurz vor dem Konzert auf dem besagten Port O'Brien-Tourplakat noch schnell aus einem „Kid“ ein „Kit“ machen mussten. Eine Gitarre, ein Synthesizer und zwei Stimmen haben dem durchwachsenen Publikum sichtlich gefallen. Und das Akustikgitarren am besten zur Geltung kommen, wenn man sie in der Mitte eines Publikums spielt, wissen wir seit Crazewires fünften Geburtstag, an dem Mike von Snailhouse und Erik von Cedarwell uns auf diese Weise ein ganz besonderes Ständchen boten. Hier dann auch noch eine Coverversion des „Tiger Mountain Peasant Song“ der Fleet Foxes. Mann konnte also rundum zufrieden sein mit den beiden verschüchterten Schweden die so herzlich ihre Folk-Songs sangen.

Doch im Vergleich zum zweiten Support war das kalter Kaffee. Royal Bangs bestätigten, dass sie mit „Let It Beep“ das nächste große Ding aus Amerika sind. Ihre Mischung aus wildem Rock'n'Roll und Elektro überzeugte das Publikum, wie es selten eine Vorband schafft. Zeitweilen schien es sogar, als wären die Leute nur wegen Royal Bangs gekommen. Das Publikum war tanzbereit und textsicher. Nun ja, wie kann man sich auch nicht zu den treibenden Beats von „War Bells“ dem preschenden „Poison Control“ oder dem 8bit-Nintendo-Soundtrack „Brainbow“ zappeln und zittern. So auch der neue Gitarrist und Keyboarder von Port O'Brien, der sich nicht nehmen ließ halb nackt an den Rand der Bühne zu springen und mit hochgezogener Hose völlig abzuspasten. Ein schweißtreibender Gig, der noch eine Woche danach die Glieder wippen lässt, vom wohl letzten heißen Top-Act, der dieses Jahr am Horizont der Musiklandschaft erschienen ist.

Eine kurze Umbaupause später stehen sie auf der Bühne, allem voran der „Fisherman's Son“. Schnell merkt man, dass dort jemand fehlt. Aus angeblich zuverlässiger Quelle durfte man dann erfahren, dass Cambria Goodwin die Band verlassen hat, da sie sich von Sänger Van Pierszalowski getrennt habe. Aber Schluss mit dem Tratsch. Port O'Brien spielten ein wunderbares Set und der Zuwachs von Tyson Vogel, dem Schlagzeuger von Two Gallants, der nun auch hier die Sticks gegen die Felle preschen darf, machte die Abwesenheit vom einstigen weiblichen Anteil der Band wieder wett. Außerdem überzeugten die Qualitäten vom neuen Gitarristen, der uns bereits mit seinen kuriosen Tanzeinlagen bei Royal Bangs beglückte. Leider wurden die Songs vom neuen Album „Threadbare“, die noch mit dem zarten Stimmchen von Cambria eingespielt wurden auf eine Weise imitiert, was die Grenze zum Peinlichen um Haaresbreite zu überschreiten drohte. Dennoch stimmten Gassenhauer vom alten Album „All We Could Do Was Sing“ wie „My Eyes Won't Shut“ und „Fisherman's Son“, aber auch die neuen Nummern wie „Oslo Campfire“ und „Sour Milk / Salt Water“ das Publikum positiv.
Der nächste Morgen begann für mich nach nur fünf Stunden Schlaf. Mit einem Lächeln im Gesicht und den trällernden Melodien im Kopf, schrieb ich meine ach so wichtige Klausur.

Video: „My Will Is Good“

Port O

 

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