DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Fink & Rachel Sermanni

Interpret:
Fink

Datum:
21.11.2011

Lokation:
UT Connewitz, Leipzig

Weiterführende Links:

Autor:
Lukas Schöttner
Leipzig, 30.11.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Fink & Rachel Sermanni

Fink & Rachel Sermanni

Es ist ein selbst für den November kalter Montag in Leipzig und die Straßen wirken erstaunlich leergefegt. Meine Hand zittert jedes mal, wenn ich das zerknitterte Stück Papier mit einer hingekritzelten Wegbeschreibung aus meiner Manteltasche ziehe, um mich zu vergewissern, noch auf dem richtigen Weg zu sein, ein bisschen mehr. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schwierig es nach einem Umzug in eine neue Stadt sein kann, Dinge erneut zum ersten Mal zu machen. Wo man in seiner Heimatstadt alle Abkürzungen, Linienfahrpläne und Kioske auswendig kannte, steht nun Google Maps als einzige Orientierungshilfe. Es geht ins UT Connewitz, eines der ältesten noch erhaltenen Lichtspielhäuser Deutschlands, um einen Musiker in Aktion zu sehen – passender könnte dieses Szenario kaum sein. Nachdem ich endlich den Eingang gefunden, mich an Kasse und durch Menschenmängen hindurchgeschlängelt habe, stehe ich auch schon im Inneren und blicke auf die beeindruckend gewölbte Decke und die alten Logenplätze. Die Zeit reicht gerade aus, um mir ein hier übliches Ur-Krostitzer Pils zu bestellen, da fängt die Menge hinter mir bereits unsicher an zu klatschen, was mir sagt, dass der Support Act soeben die Bühne betreten hat.

Das Vorprogramm wird von der jungen schottischen Singer/Songwriterin Rachel Sermanni gestaltet, die uns zurückhaltend, schüchtern und doch erstaunlich charismatisch ihre Eigenkompositionen präsentiert. Hübsche und zugleich komplexe Gitarrenarrangements, begleitet von einer gezügelten, kindlichen Gesangsstimme. Ihr kurzes Set reicht aus, um alle in ihren Bann zu ziehen, sodass der Applaus für einen Support Act verhältnismäßig lange andauert. Ein junger Lockenkopf vor mir streckt ganz zaghaft seine linke Hand aus, stoppt jedoch zögernd nur ein paar Zentimeter vor dem Rücken seiner Begleitung. Er schüttelt den Kopf und zieht die Hand abrupt zurück. Bei der zweiten Strophe blickt er verträumt auf den Boden, schüttelt erneut seinen Kopf, dieses mal mit einem breiten Grinsen auf den Lippen und legt seinen Arm entschlossen um seine Begleitung.

Nach einer kurzen Umbaupause betritt Finian Paul Greenhall AKA Fink samt Band die durch sechs Leinwände und eine Wand aus Leuchtmitteln verschönerte Bühne, um es zunächst „Old school“ anzugehen. Sogleich ertönt „Biscuits“. Das Set bietet eine angenehme Mischung aus Neu und Alt, wobei die Songs des neuesten Albums „Perfect Darkness“ applaustechnisch nicht ganz so gut abschneiden wie die der Vorgängeralben, was aber auch an den ablenkenden Projektionen von Skatern oder in Zeitlupe zerbrechenden Gläsern liegen mag. Die Zuschauer blicken entweder mit weit aufgerissenen Augen auf die Bühne, um ja nichts zu verpassen oder schwingen ihren Kopf mit geschlossenen Augen im Takt. Fink, der die Gitarrensaiten nur anzustupsen scheint, singt empathisch, wie man es von ihm gewohnt ist, mit warmer Stimme vom Verlassen und Verlassenwerden und lässt nicht selten einen Funken Soul in den Folk-Benzinkanister überspringen. 

Nach der kurzen Zugabe „Pretty Little Thing“ ist der ganze Zauber vorbei. Wie von selbst drehe ich mich nach rechts zu einem Unbekannten, nicke leicht, und kann meine Mundwinkel nicht davon abhalten, sich gegen die metaphorische Schwerkraft zu sträuben. Mein Gegenüber tut es mir gleich. So unterschiedlich unsere Geschichten auch sein mögen, so verschieden die Geschmäcker, so sind wir doch alle aus dem gleichen Grund hier. Eines ist sicher: Die meisten von uns werden nächstes Mal wieder mit von der Partie sein. Bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig, als weiterhin viel zu oft „If Only“ und „Trouble's What I'm In“ zu sagen, und weiterhin auf „A Sort Of Revolution“ zu warten.

Video: „This Is The Thing“


 

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