DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Explosions In The Sky & Lichens

Interpret:
Explosions In The Sky

Datum:
23.05.2011

Lokation:
Essigfabrik, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 25.05.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Explosions In The Sky & Lichens

Explosions In The Sky & Lichens

Rund 2.000 Kilometer vom sonnigen Köln entfernt tobt er derzeit. Der isländische Vulkan Grímsvötn spukt wieder gewaltige Aschewolken in den Himmel über den Nordatlantik. Mehrere hundert Flüge wurden bereits gestrichen, die Auswirkungen diese Naturereignisses wird Deutschland aber erst am Dienstag-Abend erfahren. Einen ersten Vorgeschmack auf die pulsierende Partikelwolke und die brodelnden Magmaströme erreichte die Kölner Essigfabrik aber bereits schon am Montag. Explosions In The Sky sind in einem übertragenen Sinne die musikalischen Ausläufer des gewaltigen Vulkanschauspiels.

Der von ihnen mitgebrachte Support ist jedoch das erste Beben und Rumoren, das die bevorstehende Explosion sphärisch ankündigt. Robert Lowe, der auch bekannt ist als Lichens, eröffnet den Abend mit seinen Ambient und Experimental, das sich wie ein langsamer Klangteppich durch die bereits gut gefüllte Essigfabrik mäandert. Mit ein paar psychedelischen Video-Projektionen, die wie in einem LSD-Rausch entstanden zu sein scheinen, untermalt er seinen musikalischen Trip. Wie aus einem Guss dröhnen seine minimalen Beats mit in einer Periode von allen zehn Sekunden, wabern die Synthesizer und Sequenzer. Lichens Musik passt als Eröffnung zu einem Post-Rock-Konzert hervorragend, anstrengend und zu einer falschen Uhrzeit (es war noch hell), war es dennoch.

Mit Explosions In The Sky auf der Bühne änderte sich nichts an der sehr angestrengten Situation, doch wurde erfahrungsgemäß das Tempo angezogen und das Wechselspiel zwischen Laut und Leise, heftig und sanft bis in seine Extreme getrieben. Dabei setzen die vier Texaner vollends auf Understatement. Als sie die Bühne betraten, ging Gitarrist Munaf Rayani an das Mikrophon, begrüßte das Publikum und Köln, betonte, dass sie an diesem Abend noch ein fünftes Mitglied als Gast auf der Bühne haben werden, sagte wer sie sind und wünschte allen, das Konzert zu genießen. Das war's mehr sollte man weder von ihm noch von den anderen Mitgliedern während des gesamten Konzerts hören. Hier sprach nur die Musik, die zwischen sich und dem Publikum nichts kommen lassen wollte. Explosions In The Sky fungieren somit nur als Medien, die in der Lage sind die musikalischen Eingebungen für das Publikum darzubieten.

Neben der arschcoolen Wortkargheit, setzten Explosions In The Sky zusätzlich noch auf eine auf das Wesentliche reduzierte Lichtshow. Keine Projektionen, kein Schnick Schnack. Lediglich die Farben Blau, Violett, Rot und Gelb kamen für die wenigen Scheinwerfer zum Einsatz. In ihnen spiegelten sich die atmenden Kaskaden, die von Explosions In The Sky durch die Essigfabrik, raus in den Nachthimmel von Köln gefeuert wurden. War die Band leise und begann einen ihrer Songs Schicht für Schicht aufzubauen, färbte sich die Bühne bläulich. Es kam einem so vor als würden erste Dampf- und Schwefelwolken als Zeichen für einen drohenden Ausbruch an der Spitze des Vulkans aufsteigen. Und mit jedem weiteren Ton, jedem weiteren Akkord und Schlagzeughämmern steigerte sich der Qualm bis nur noch eine gewaltige Klanglawine in Rot und Gelb aus der winzigen Krateröffnung gepresst wurde.

Mit Druck und Energie schleuderten sie ihre diversen „Hits“ heraus, verwoben alles zu einer perfekten Mischung aus alt und neu. Die Anderthalbstunden Spielzeit, vergingen dabei fast wie im Flug. Sichtlich mitgerissen von all dem Elan versank das Publikum in der fast ausverkauften Essigfabrik in einem Meer aus Glut und Magma, aus Innehalten und Eruption. Die Hingabe, mit der sie ihre kathartischen Mini-Symphonien rausließen, zeigte sich an ihrer heftig schwitzenden Spielfreude. Doch auch wenn viel Schweiß geflossen ist, das Feuer, das in ihnen brennt, kann damit nicht gelöscht werden. Und trotz großem Jubel und dem Verlangen nach einer Zugabe, zeigte sich auch hier das Understatement der Band: „Thank you. That's all. It's all here. Take care“. Der Nachhall dieses Konzerts steigt nun so langsam wie die Aschewolke des Grímsvötn in die Nacht empor, während Explosions In The Sky sich wie ein schlafender Riese wieder beruhigen werden. Der nächste Ausbruch wird folgen.


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 

Prunkstücke