DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Enter Shikari

Interpret:
Enter Shikari

Datum:
28.09.2011

Lokation:
Gloria, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Julia Seiffert
Köln, 12.10.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Enter Shikari

Enter Shikari

Enter Shikari sind eine der Bands, an denen sich die Massen scheiden. Die einen Lieben und die anderen Hassen sie. Dazwischen gibt es nichts. In ihrem beheimateten Genre, welches sie mit anderen Einflüssen eigens aufgepolstert und neu überholt haben sind sie geadelte Tiere. Dennoch -ihre Königsdisziplin ist das Auftreten auf der Bühne und dies bewiesen sie in den letzten vier Jahren auf etlichen Konzerten zu Genüge. Das müssen die vier Jungs aus London heute nicht mehr. Nicht ohne Grund wurden sie sogar bis ins entfernte Japan eingeflogen, um auch dort die Massen mit ihrer Show zu erfreuen und zu befriedigen. Also wundert es auch nicht, dass das Konzert heute Abend im Gloria nicht das Einzige auf ihrer aktuellen „You Will Stand For Nothing / You Will Fall For Anything“-Tour ist, welches vorab bereits ausverkauft war. 

Der Andrang ist groß und der Anteil an Testosteron ebenfalls. Als Mädchen auf einem solchen Konzert wird man eher müde belächelt. Dort wollen die Kerle wie Affen in einem Gehege schwitzend herumspringen, sich gegenseitig bekämpfen, ihren Mann stehen und mit Kumpels und Bier unter sich sein. Die Frau an den Herd, der Mann aufs Konzert. Davon lässt man sich jedoch nicht annähernd beeindrucken und schaut sich das lustige Spektakel inmitten der beiden Vorbands Your Demise und Letlive an. Die Musik wird dabei schnell zur Nebensache, denn Schreien, Brüllen, Grunzen und irgendwelches Einbreschen auf Instrumente kann ich beim besten Willen nicht als Musik bezeichnen. Macht keinen Spaß, lässt man über sich ergehen. Klar, hier und da noch einige Stunts vom Sänger in die Menge oder auf irgendwelche Emporen, die das Gloria bietet müssen gröhlend beklatscht werden, dann ist es aber auch gut. 

Die Jungs um Rou Reynolds hingegen bieten in diesem Genre die große Ausnahme. Die Live-Shows sind mitreisend kreativ und der musikalische Einfluss von Trance/Techno, Metal und neuerdings auch ein paar Rap-Einlagen entschärft den Hardcorebereich und macht die Band in dieser Kategorie äußerst hörenswert und einzigartig. Deshalb sind Vorfreude und Erwartungshaltung groß. Lasershow, Tanzeinlagen, Animation und das Herumexperimentieren mit Effekten -alles da. Nur noch größer, professioneller und einstudierter. Mittlerweile weiß die Band sich zu perfektionieren, weiß genau, wie sie auf die Massen wirken will und es auch tut. Ob dies aber eher Negativ zu bewerten ist? Ein fader Beigeschmack bleibt und der jugendliche Leichtsinn wird vermisst. 

Die Songauswahl lässt auch einige Kracher wie „Ok, Time For Plan B“ oder „Anything Can Happen...“ hinten anstehen. Die neuen Sachen müssen herhalten. Dafür wird das großartige „Juggernauts“ bis in den Himmel gespielt und lässt meine Mundwinkel in Richtung Decke hüpfen. Ein ruhiger, Kuschelsong mit Akustikgitarre darf natürlich auch nicht fehlen. Ein schöner Ausgleich für die fiependen Ohren. Aber: Huch?! Nach schwitzenden sechzig Minuten wird das Grand Finale eingeleitet und die Zugabe besteht nur aus einem Song? Da sind die Herren von Enter Shikari aufgrund des äußerst straffen Tourplans wohl müde geworden und meine Euphorie über diese Band ist ein wenig geschrumpft. 

Video: „Jauggernauts live“


 

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