DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Endstation Sehnsucht mit Adrian Pauly und Roland Meyer De Voltaire

Interpret:
Various Artists

Datum:
29.09.2010

Lokation:
Bürgerbahnhof, Wuppertal/Vohwinkel

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 01.11.2010

BERICHTE

Konzertbericht - Endstation Sehnsucht mit Adrian Pauly und Roland Meyer De Voltaire

Endstation Sehnsucht mit Adrian Pauly und Roland Meyer De Voltaire

Vohwinkel wird noch auf uns warten müssen. Sehnsuchtsvoll geht der Blick das Gleis herab, um endlich die nahenden Scheinwerfer der Bahn aus dem Dunkel kommen zu sehen. Seit 15 Minuten keine Durchsage und keine Anzeige, die die Verspätung erklären würden. Nur Zugdurchfahrten und Güterverkehr dröhnen durch den Abend. Dann endlich, die RB 48 nach Wuppertal fährt ein, öffnet ihre Türen und gleitet der Endstation, der Sehnsucht, die an diesem Freitag-Abend irgendwo im Bürgerbahnhof-Vohwinkel zu finden sein wird, entgegen.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird abseits der etablierten Wohnzimmerkonzerte der großen Städte der urbane Folk und akustische Pop in den gemütlich eingerichteten Bürgerbahnhof einfahren. Wo beim letzten Mal noch Honig aus Düsseldorf und Binoculers aus Hamburg mit dem Expresszug ankamen, waren es dieses Mal der junge Adrian Pauly aus Düsseldorf und der gestandene Roland Meyer De Voltaire aus Bonn, die für etwas Glanz in dem schon runtergekommenden Bahnhof sorgen sollten.

Es ist, als würde man ein paralleles Gleis betreten, das sich für diesen Abend ganz besonders herausgeputzt hat. Die ca. 30 zahlenden Gäste sitzen auf Sofas in einem mit rotem Stoff verkleideten Raum, starren auf die mit Kronleuchter, Hirschgeweih, ausgestopften Fuchs und Tron dekorierte Bühne und nippen ganz still an ihren Getränken. Und an dieser Stille, dieser wohligen Atmosphäre sollte sich auch nichts ändern, als Adrian Pauly ganz verlegen die Bühne betritt. Mit einem bis zum Kinn aufgewickelten Schal steht er da, streicht sich etwas schüchtern die Haare aus dem Gesicht und beginnt seinen sonst geladenen Singer/Songwriter-Pop zu spielen. Ganz ruhig, erwärmend und mit einer mehr als angenehmen Stimme. Auch wenn er zwischen Songs wie „Don't Tell Me“ oder „Deep Inside“ immer wieder beteuert, dass es für ihn höchst ungewohnt ist, ohne Band auf der Bühne zu stehen, macht er eine wirklich sehr gute Figur. Vielleicht etwas hektisch in seinem Spiel, aber das rührt wohl eher daher, dass sonst von anderen Instrumenten getrieben und gejagt wird. Am überzeugensten ist er allerdings, als er ganz zum Schluss den einzig deutschsprachigen Song anstimmt. Er würde noch viel mehr punkten, wenn er sein Set noch etwas mehr auf „Nancy Und Die Rote Gitarre“ einstimmen würde.

Der Wechsel zwischen Band und Solo-Auftritt lag Roland Meyer De Voltaire da doch schon viel besser. Nicht nur, weil er mit seiner Band, Voltaire ohnehin schon auf Deutsch singt, sondern weil er den Kniff wahrlich raus hat, alleine die intelligenten Texte und die verspielten Klänge darzubieten. Als er auf der Bühne steht, vermisst niemand eine Band, die den hier kräftigen Akustik-Pop im Gewandt des Singer/Songwriters verstärkt. Sehr souverän spielt er sein Set und ist sich auch für die ein oder andere Geschichte um Reisen mit Voltaire oder Songs nicht verlegen. Seine Art recht ähnlich wie Jochen Distlemeyer zu singen, legt er auch Solo nicht ab, was den ehrlichen Texten noch mehr Tiefgang verleiht. Besonders in „Die Gute Art“, einen Song über die alltägliche Besserwisserei, blüht die smarte Art zwischen Melancholie und Winterdepressionen wundervoll auf. „Sag mal, ist das die gute Art Faschist zu sein?“. Am Ende seines Sets angekommen, will er schon zweimal die Bühne verlassen, doch kommt er nicht dazu. Erst nachdem er mit „So Still“ für noch mehr Herzlichkeit im Publikum gesorgt hat, verschwindet er in den Katakomben des Bahnhofs Vohwinkel.

Dort durften nach der Veranstaltung noch ein paar übriggebliebene Zuschauer einem ganz besonderen Erlebnis beiwohnen. Roland Meyer De Voltaire steht unter den Gleisen am Anfang des alten Postverladetunnels, singt seine bedrückten Lieder mit enorm viel Hall, während die Kamera und das Mikrophon auf ihn gerichtet sind. Das Publikum hingegen verschwindet am anderen Ende des Tunnels im Dunkel und wartet auf den nächsten einfahrenden Zug, der es und seine Sehnsucht wieder nach Hause trägt.

Video: Roland Meyer De Voltaire - „So Still“ (live @ Endstation Sehnsucht)

Video: Roland Meyer De Voltaire - „So Wie Es Ist“ (live @ Endstation Sehnsucht im Untergrund)


 

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