Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Emmy Moll und Benevolent
Interpret:
Emmy Moll
Datum:
04.12.2009
Lokation:
Hamburg, Übel & Gefährlich
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 14.12.2009
Der Ursprung dieses Abends ist vor beinahe genau einem Jahr zu suchen. Damals trafen sich Stefan und Nadja bei einem Wohnzimmerkonzert in Bonn. Beide traten dort mit ihren Soloprojekten Honig und Binoculers auf, die Chemie stimmte sofort und so war es klar, dass gemeinsame Projekte nicht lange auf sich warten lassen würden. Jüngstes Ergebnis der Kooperation ist die Tour von Benevolent und Emmy Moll, den Bands der beiden, die an diesem Freitagabend Station im Übel & Gefährlich macht.
Emmy Moll haben in Hamburg ein Heimspiel und so ist es eine Frage der Ehre, dass die Düsseldorfer Benevolent mit ihrem folkigen Pop den Abend eröffnen. „Der Song ist der Chef", erklärt die Band auf ihrer MySpace-Seite zum Motto und so folgt hier alles der Melodie. Der Klang ist dabei durchweg gut, harmonischer, mehrstimmiger Gesang gefällt und beim letzten Stück kostet die Band ihre Instrumente in vollen Zügen aus und erntet vom eher überschaubaren Publikum fröhlichen Applaus.
Beim anschließenden Auftritt von Emmy Moll macht man aus der Not von zu wenig Anwesenden die Tugend genügenden Raumes zum gemütlichen Beisammensitzen. Den ruhigen Stücken der Hamburger, zu denen Nadja mit oft zerbrechlich flüsternder Stimme ihre Texte singt, wird aufmerksam und im Schneidersitz gelauscht, Hintergrundgespräche gibt es kaum. So taucht das Hamburger Quartett den ansonsten eher standardisiert, schlicht eingerichteten Konzertraum mit einnehmenden Liedern wie „Drifting" oder „Time Lapse Photography" in einen besonderen Schimmer, entführt für die Dauer des Auftritts in weniger greifbare Sphären. Man darf dies gerne Dream Pop nennen.
Leider setzen die Betreiber des Übel & Gefährlich dem Besonderen ein jähes Ende und schalten unmittelbar nach dem letzten Lied die gesamte Beleuchtung ein. Eine Zugabe wurde aus Zeitnöten einer Doppelbuchung ebenfalls untersagt. In wenigen Minuten soll hier Boys Noize die Boxen zum Wummern bringen, was mutmaßlich mehr Geld in die Kassen der Lokalität spült, als ein paar Musikliebhaber, die noch in netter Runde ein Bier trinken möchten.