DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Efterklang

Interpret:
Efterklang

Datum:
11.05.2010

Lokation:
Gebäude 9, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 17.05.2010

BERICHTE

Konzertbericht - Efterklang

Efterklang

Lange mussten wir uns gedulden, bis Efterklang aus Dänemark mit ihrem neuen Album „Magic Chairs“ die hiesigen Clubs in ein orchestrales Wunderland verwandeln würden. Nach exzessivem Hören der neuen Platte war man täglich drauf und dran, nicht mehr warten zu können und die Vorfreude auf ihren Gig im Kölner Gebäude 9 stieg von Tag zu Tag. Nahezu drei Monate mussten diejenigen, für die Efterklang bisher unbekannt waren, ausharren, um zu sehen wie die sphärischen, orchesterähnlichen Songs auf der Bühne aussehen würden. Dabei war man sich sicher, dass ihre Kompositionen auch ein Augenschmaus sein müssen.

Zeit, um sich ein wenig mit der Geschichte der Band auseinander zu setzen. Bereits seit zehn Jahren spielt die Band mit Anfangs wechselnder Besetzung, aber stets mit den aus der Kindheit befreundeten Hauptmitglieder Casper Clausen, Rasmus Stolberg und Mads Christian Brauer unter dem Namen Efterklang zusammen. Als die Drei aus ihrem Heimatort nach Kopenhagen zogen, gründeten sie komplettierend mit Thomas Kirirath Husmer und Rune Fonseca Mølgaard die besagte Band Efterklang, wobei der Name mit Nachhall oder ferner Erinnerung übersetzt werden kann. Im Jahr 2003 produzierten sie ihre Debüt-EP „Springer“, die bei ihrem eigenen Label Rumraket erschienen ist und in eigens angefertigten Kunstfellhüllen auf 500 Stück limitiert war. Das Jahr darauf unterschrieben sie einen Plattenvertrag bei dem britischen Label Leaf, das die erste LP „Tripper“ veröffentlichte.

Das mit dreißig Musikern aufgenommene Album wurde zu acht auf einer ausgedehnten Europatour präsentiert. Die Arbeiten zum zweiten Album „Parades“ begannen kurz nach der Tour und nahmen erneut zahlreiche Gastmusiker in Anspruch. Die Band brachte das Album mit Unterstützung des Komponisten Karsten Fundal in orchestraler Besetzung auf die Bühne, wobei die Live-DVD „Performing Parades“ erschien. Nun kam im Februar dieses Jahres ihr drittes Werk „Magic Chairs“ in die Plattenläden, welches, wie wir im Gebäude 9 erfahren haben, teilweise auf Reisen der Band entstanden ist. So gab der Sänger Casper bekannt, dass ihr Pop-Epos „Modern Drift“ der Zeit in Tel Aviv gewidmet sei, die die Jungs bei unseren Favorite-Beatmachern und Videokünstler Glitterbug & Ronnie Shendar verbracht haben.

An diesem Abend galt vorerst aber alle Aufmerksamkeit dem bezaubernden Elfen-Vorprogramm, das zum einen die lokale Untergrundheldin Julia Kotowski alias Entertainment For The Braindead mit ihrem akustischen Postirgendwas und zum anderen die wunderschöne Efterklang-Pianistin Heather Woods mit großer E-Gitarre vor der Hüfte und Drumcomputer im Rücken gestalteten. Nicht nur ihr zauberhaftes Äußeres, das ein wenig an Sarah Kuttner erinnert ohne störendes und lautes Organ, sondern auch ihre zarte Elfenstimme, die so wunderbar mit den Klängen aus dem Computer und den Arpeggios ihrer Finger auf der Gitarre korrelierten, boten einen erstklassigen Support für Efterklang's sphärischen Sound. Da machte es nichts, dass Heather Woods Broderick ohne ihren Bruder Peter auftrat, der erstmal seine Knie-OP hinter sich bringen muss und gewöhnlich auch bei Efterklang das Streichquartett vertritt. Wo wir langsam beim Thema wären. Die Schnurrbärte betraten die Bühne und gesellten sich über beide Backen strahlend zu Heather und die sechsköpfige Band begann die Klänge einer besseren Welt auszupacken.

Das nicht all zu volle Gebäude 9 wurde mit „Full Moon“ ins kalte Wasser geworfen, einem Song in der Mitte des neuen Albums, der wie ich finde auch in die Mitte eines Konzerts gehört. Dieser Fehlgriff in der Setlist war aber schon nach der zweiten Nummer vergessen. Effektiv war allein, dass man so schnell ins kalte Wasser getaucht auch schnell im Geschehen versinken konnte. Ein, zwei vergleichsweise tanzbare neue Songs wurden in den Raum gelegt und füllten die Luft zwischen dem Publikum mit scheinbar ganz großen emotionsauslösenden Stoffen, die sicherlich nicht nur bei mir gelegentlich Gänsehaut auslösten. Bildlich vielleicht so vorstellbar, wie das Albumcover des neuen Albums, das auch das Bühnenbild zierte und mit den hohen Wänden des Thorvaldsens Museum in Kopenhagen das etwas schäbige Gebäude 9 verschönerte. Nach der ersten Phase des Konzerts wurde es für die, die sich nur mit dem neuen Album beschäftigt haben und sich nicht ganz einlassen konnten, möglicherweise etwas schwieriger Gefallen an dem experimentell verwinkelten Klangerlebnis früherer Songs zu finden. Dennoch gut dosiert konnten die Songzusammenstellung selbst den größten Gewohnte-Songstruktur-Liebhaber nicht gänzlich ausgrenzen.

Aufgelockert wurde die zweite Phase des Konzerts, die ihren Höhepunkt im Elektrogefrickel von Mads mitsamt eigener Lichtshow erreichte mit „Me Me Me The Brickhouse“. Sehr sympathisch war dabei, dass der stets freundlich lächelnde Sänger das Gebäude 9 gebeten hat, alle Lichter auszuschalten, da sie ihre eigene Lichtshow in petto hätten, und sie darauf sehr Stolz seien. Damit hat er nicht zu viel versprochen. Mads konnte unter Beweis stellen, was er aus diesem Tisch raus holen kann, der mit Laptops und vielen Kabeln übersät war, und das er bei „Modern Drift“, später dann vergessen hat, die Regler runter zu drehen und die Band nicht wie gewohnt auf ein Zeichen des Sängers verstummte, war auch mit einem verlegenen Lächeln schnell entschuldigt. Somit ging es nochmals zurück zum neuen Album, die Köpfe und Beine der Zuschauer bewegten sich zum Takt der Musik und die Band funktionierte wie eine Partitur, die vom Sänger als Dirigenten zu lesen verstanden wurde.

Nach versunkenen Stunden wurde man von der herauseilenden Menge wach gerüttelt, das Bier danach durfte man mit Belle & Sebastian im Hintergrund genießen und das versprochene High-Five konnte man sich auch abholen. Ein großer Abend mit einer großen Band, die für mich seit langem nochmal musikalische Professionalität vereint mit orchestraler Popmusik auf die Bühne gebracht hat.

Video: „I Was Playing Drums"

Efterklang - I Was Playing Drums (Official Video) from End of the Road Films on Vimeo.

 

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