DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
DJ Shadow

Interpret:
DJ Shadow

Datum:
21.05.2011

Lokation:
Live Music Hall, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 01.06.2011

BERICHTE

Konzertbericht - DJ Shadow

DJ Shadow

Die Welt ist eine Kugel, und doch wird sie immer eine Scheibe sein. Zumindest so lange es Musik gibt, die es schafft, uns in andere Welten zu geleiten, uns in eine andere Zeit zu tragen, die die Realität bei Seite lässt und sowieso alles verändert. Denn: „Everything changes when you get lost in music“. So auch an diesem Abend mit DJ Shadow.

Dass DJ Shadow 2011 wieder, oder immer noch, auf der ganzen Welt zu Hause ist und uns beständig mit seinem Breakbeat und Turntableism beschallt, vermittelt ein Gefühl von Nostalgie. Dass DJ Shadow seit bald 20 Jahren ein fester Bestandteil auf der Bildfläche der Musikindustrie ist, grenzt an Comeback-Euphorie, obwohl Shadow niemals weg war. Was es ist, das dieser Beständigkeit den Glanz nicht verlieren lässt, ist wohl die Beständigkeit. Und dennoch, oder gerade deshalb, tauscht eine mit Mittdreißigern gefüllte Live Music Hall etwas pathetisch, etwas kitschig ein in die „Shadowsphere“ des DJ Shadow.

Mit seinem ersten Album setzte DJ Shadow, mit bürgerlichem Namen Josh Davis, einen Meilenstein in der ganzen Musikwelt, speziell in der Hip-Hop-Szene der Neunziger. Ausgerechnet also ein Album, das ausschließlich aus Samples besteht, soll also als derart wegbereitend gelten, um eine neue Ära des Hip Hop einzuleiten? Das Gefühl, dass die Musikwelt bei der Veröffentlichung von „Endtroducing“ hatte, die Schockstarre, von etwas Altem so neu umgehauen zu werden, scheint den Besuchern auch heute in der Kölner Live Music Hall im Mark zu liegen.

Der Blick fällt auf den kreisförmigen Mittelpunkt, der sich in Atari-Manier durch wechselnde Hintergründe dreht. Dass sich hinter dem vermeintlichen Kreis eigentlich eine rund drei Meter hohe Kugel befindet und in dieser Josh Davis das macht, was ihm am liebsten ist, fällt erst später auf. Zu packend die Breakbeats, der Trip Hop, der aus der runden Kugel aus Plattenspielern, Drumcomputern und anderen verschalteten Geräten durch die feuchte Luft gepeitscht wird.

Durch die Show getragen werden die in Fast-Trance tanzenden Hörer mit den größten Hits Shadows, die hier wider aller Kritik am jüngsten Album „The Outsider“ mit den neuen Tracks einhergehen. Vermeintliche Störgeräusche mutieren zu rhythmischen Klanggerüsten und dienen dem Hörer als Leiter zu den höchsten Höhen und tiefsten Tiefen.

Entkräftet und warm-nass ist auch der kritische Seitensteher - sollte es einen gegeben haben - an diesem Abend. Zurück im realen Weltbild, dürften sich die Zuschauer dieses Schauspiels etwas verloren fühlen. So ganz final geklärt scheint das mit der Kugel oder der Scheibe doch noch nicht zu sein.


 

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