Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Dead Western
Interpret:
Dead Western
Datum:
19.07.2010
Lokation:
Beatz & Kekse, Wuppertal
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 26.07.2010
Wenn man zurück in die alte Heimat zieht, ist es wichtig, schnell wieder einen Zugang zu interessanten Örtlichkeiten und Schauplätzen des künftigen Lebens herzustellen. Runtergebrochen auf den Teilaspekt Livemusik, mag es in Wuppertal nicht immer einfach sein, solche Plätze und Räume zu finden, und doch gibt es sie. Wenn auch rar gesät, so hält die bergische Metropole einige ausgewählte Kneipen und andere locations bereit, wo sich die Betreiber mit viel Herzblut daran machen, auf scheinbar verlorenem Posten für Mehrwert zu sorgen.
Das Beatz & Kekse ist eine dieser wenigen Oasen in der oft grauen Wüste dieses vergangenen Glanzes einer trüben Industriestadt und veranstaltet regelmäßig kleine Konzertabende, bei denen üblicherweise ein lokaler Support den Abend eröffnet. An diesem Montag ist es ein junger Bursche, der sich für seine geschätzten 17 Jahre durchaus anständig schlägt und neben Eigenkompositionen auch Sachen wie The Verve covert. Potential vorhanden, mal sehen, was daraus wird.
Der Grund des Besuchs ist jedoch natürlich ein anderer, und zwar Troy Mighty alias Dead Western. Der Mittzwanziger aus Kalifornien hat unlängst sein zweites Album „Suckle At The Supple Teats Of Time“ auf dem Dresdner Label Discorporate veröffentlicht und mit düsterem Folk für einige Neugierde gesorgt. Auch ganz alleine auf der kleinen Bühne schafft es der Songwriter schnell, eine eigentümliche Stimmung zu kreieren, die ein wenig an Tom Waits oder Nick Cave gemahnt, obgleich musikalisch eher entfernt verwandt. Die Wangen in schwarze Kriegsbemalung getaucht und barfuss, hat er den Mikroständer so hoch geschraubt, dass er sich zum Singen auf die Zehenspitzen stellen muss.
Ein Anblick, an den man sich rasch gewöhnt oder besser gesagt, den man kaum noch beachtet, da man derart gefangen ist, von Liedern wie „The Farthest Sea“ oder dem wundervollen Mantra-artigen „Not Really Here At All“. Die sonderbare Art des Gesangs und eine ungemein facettenreiche Stimme, transportieren Texte und Ansagen und sorgen dafür, dass man gerne genauer hinhört. Zwischendurch gibt es leicht grenzgängerische Passagen, in denen sich Troy Mighty an der Ukulele austobt oder aber euphorisch und mit dezent wahnsinniger Stimme dem Publikum dankt.
Dead Western wirkt in Musik und Performance stets ein wenig beängstigend und unkontrollierbar. So muss ein besonderer Folk-Abend sein. Vielen Dank, dass so etwas in Wuppertal möglich ist.