DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Damien Jurado

Interpret:
Damien Jurado

Datum:
13.09.2010

Lokation:
King Georg, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 20.09.2010

BERICHTE

Konzertbericht - Damien Jurado

Damien Jurado

Wer dachte, die Kölner Konzertlandschaft sei eine Struktur mit verhärteter Kruste, muss zumindest teilweise relativieren. Das King Georg hat sich im Verlaufe der letzten Jahre innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit einen erstaunlich guten Ruf aufgebaut und es sieht so aus, als habe sich der Club am Ebertplatz in die Chefetage der Kölner Livemusiklocations gemausert. Verantwortlich dafür ist neben dem Standortvorteil und dem sympathischen Ambiente eines alten Tabledance-Schuppens vor allem das fabelhafte Booking. Hier gastierten schon oft kleine, feine Acts, die den übersichtlichen Laden regelmäßig an den Rand einer ausverkauften Hütte bringen.

Auch an diesem Montag hat das King Georg das stadtinterne Duell gegen eine alteingesessene Institution für sich entschieden. Während nur wenige den Weg ins Luxor zu den vielversprechenden Morning Benders gefunden haben, ist das Konzert von Damien Jurado mit geschätzten 120 Zuschauern mehr als gut besucht. Wer Glück hat und früh genug kommt, ergattert einen der begehrten Plätze in den stilvollen Sofanischen und hat so einen guten Blick auf die winzig Bühne in der Mitte der kleinen Tanzfläche. Unmittelbarkeit ist ein großes Plus dieser Location. Die Grenzen zwischen Künstler und Publikum scheinen fließend, was auch Jurado recht schnell bemerkt. Nachdem der Auftakt des Konzerts ein wenig wortkarg vonstatten geht, tritt er bereits nach wenigen Songs in den Dialog oder kommentiert den Toilettengang eines Mädchens mit den Worten: „Wo willst du hin? Noch ist die Show aber nicht vorbei."

Zu diesem Zeitpunkt hat er die Menschen im Raum jedoch längst in der Tasche. Der Songwriter, dessen neues Album „Saint Bartlett“ zu den absoluten Höhepunkten des laufenden Jahres zählt, ist ganz allein nach Köln gekommen, obgleich auf der Platte noch zahrleiche Musiker zu hören waren. Dass dies kein Nachteil ist, stellt Jurado schnell unter Beweis. Nur mit einer Akustikgitarre und reichlich Hall auf dem Mikro ausgestattet, präsentiert er seine Lieder sehr reduziert und kreiiert so eine sehr intime Stimmung. Es ist muxmäuschenstill und alle lauschen aufmerksam oder driften in Gedanken ab.

Er schreibe nur traurige Lieder und könne sich selbst nicht erklären, warum dies so sei, erzählt Jurado und gibt weiterhin an, glücklich verheiratet und Vater eines jugendlichen Kindes zu sein. Die Lieder seien vielmehr universal verfügbar und suchten sich nur einen Sender, um in die Welt entlassen zu werden. Der Songwriter vertseht sich als Mittler und wünscht sich, den Zuhörern Teile aus den Liedern als tatsächliche, physische Geschenke mit nach hause geben zu können, da die Erinnerungen allein nicht befriedigend seien. Was mitunter ein wenig hippieesk anmutet, wirkt durch den bescheidenen und uneitlen Vortrag umso sympathischer. Da glaubt man Damien Jurado sogar, als er diesen Abend als besonderen Moment seiner Tour beschreibt.


 

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