Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Cults
Interpret:
Cults
Datum:
15.08.2011
Lokation:
Molotow, Hamburg
Autor:
Lisa Bertram
Köln, 24.08.2011
Nach einem verregneten Tag in der Hafenstadt taucht die Abenddämmerung die Reeperbahn in ein diffuses Licht. Aus den Clubs ertönt laute Musik, hippe, durchgestylte Menschen sitzen draußen und schlürfen ihre Cocktails mit Schirmchen drin. Einer dieser Clubs ist das Molotow, heutiger Spielort des New Yorker Pop-Duos Cults. Die Treppe am Eingang führt in den Keller einer Retro-Welt. Glitzernde Diskokugeln werfen Lichtpunkte an die orangefarbenen Wände, auf einem Fernseher läuft stumm Danny Boyles „Trainspotting“ mit englischen Untertiteln. Ein sehr gemütlicher Club, der zunehmend voller wird, sodass man sich schon bei der Vorband White Light Red Light in das Publikumsgewühl zwängen muss.
Eine klassische Besetzung von drei Jungs wartet auf, alle am Mikro und wahlweise mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Die Akustik stimmt noch nicht so ganz, der Gesang klingt sehr undeutlich. Die Band wirkt scheu und spielt zunächst eher zurückhaltend. Doch mit der Zeit gewinnt jeder einzelne an Sicherheit und trägt die Stücke, die teils an U2 erinnern, mit passionierter Leichtigkeit vor. Das Ganze wird gekrönt von einem Instrumentalstück, bei dessen ersten Klängen man ein Snow Patrol-Lied erwartet hätte. Die Gitarre erzeugt ein harmonisches Bild, das Schlagzeug verleiht Nachdruck und macht den Track zu einem gelungenen Song ohne dass Langeweile aufkommt. Gerade wegen der schlechten Akustik des Gesangs ist dieser Song am saubersten vorgetragen.
Nach einer kleinen Umbaupause, bei der man sich fragt, ob es Aufnahmebedingung für das Live-Set von Cults ist, lange schwarze Haare zu haben, betritt Madeline Follin die Bühne und dreht erstmal das Mikrofon etwas runter. Mit einem knappen „We‘re Cults“ ertönen die Akkorde und das gedämpfte Stimmengewirr von „Abducted“. Der Song wirkt durch das laute Schlagzeug live noch kräftiger als auf Platte und Madelines leidender Gesichtsausdruck bei jedem Wort über unerfüllte Liebe setzt noch einen drauf. Der perfekte Auftakt für das erste Deutschlandkonzert der Band.
Bei einem Live-Auftritt zeigen Cults, dass sie keineswegs eine süße Mädchen-Pop-Band sind. Das verhüllende Gewand der Niedlichkeit des zarten Glockenspiels kann Madelines allumfassende Stimme nicht aufrecht erhalten. Und es liegt nicht nur an der schwarzen Kleidung und den dunklen langen Haaren, die oft ihr Gesicht verdecken, dass der Musik eine gewisse Düsternis anhaftet.
In „You Know What I Mean“ lässt Madeline all ihre Energie über die Lautsprecher in den Raum fließen. Der Kampf mit den Depressionen, der Wunsch verstanden zu werden, der Schrei nach Hilfe - all das ergießt sich über das Publikum. Da steht sie, die kleine Frau in dem schwarzen Kleidchen, die nicht eher ruht, bis sie ihre Botschaft übermittelt hat. Sie wäre eine Frau wie jede andere, man würde sich auf der Straße nicht nach ihr umdrehen, doch die Dynamik und Kraft ihrer Stimme verleihen ihr eine magische Besonderheit.
Cults sind eine Live-Band, wie man es sich auf den ersten Blick vielleicht nicht gedacht hätte. Ihre Songs sind geschrieben, um sie vor einem verzückten Publikum vorzutragen. Sie verzaubern mit ihrer süß verpackten Dunkelheit, ihrer Gratwanderung zwischen Lebensfreude und Todessucht. So spielen sie ihr gesamtes Debütalbum und hinterlassen das wehleidige Gefühl, dass es zu Ende ist.