Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Chikinki
Interpret:
Chikinki
Datum:
28.04.2011
Lokation:
Gebäude 9, Köln
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 11.05.2011
Ein flüchtig schweifender Blick durchs Publikum an diesem Donnerstag Abend im Kölner Gebäude 9 genügt und man hat den lebenden Beweis, dass die englische Band Chikinki vor mittlerweile 15 Jahren gegründet wurde: Mitt- und Enddreißiger, also alterstechnisch Fans der ersten Stunde, tummeln sich in gehörigem Sicherheitsabstand vor der Bühne, ein weiterer Teil schaut sich im Vorraum einen alten Heimatfilm auf MDR an, der lautlos über einen Bildschirm flackert. Alle sind entspannt, selbst der Support Charcoal Sunset erhält höflichen Applaus, obwohl sie mit ihrem überraschungsarmen Alt.Country-Rock musikalisch so gar nicht zu Chikinki passen wollen.
Gut gefüllt, aber nicht ausverkauft, ist das Gebäude 9, weshalb man als Zuschauer selbst nach den ersten paar Takten des Eröffnungsintros noch leicht die Möglichkeit hat, sich vom Heimatfilm im Vorraum zu lösen, um sich nun ganz Chikinki und ihrer Version elektronisch durchzogenem Indie-Rocks in der ersten Reihe zu widmen. Bereits mit ihrem zweiten Song „Bitte Bitte“ spielt das Quintett den Song, der bei Wettanbietern wohl ganz oben auf der Liste der „möglichen Zugaben“ gestanden hätte: ein eingängiger Radio-Song, der trotz seiner eher banalen Botschaft selbst in den hintersten Winkeln noch für strahlende Gesichter sorgt, so catchy ist der Song.
Danach ist das Konzert ein Selbstläufer, eine eindrucksvolle Demonstration der Live-Qualitäten der Band, die Sänger Rupert Browne mit seiner jahrelangen Routine und Erfahrung zu Höchstform auflaufen lässt. Flankiert von den beiden Keyboardern der Band, die wahlweise aussehen wie Ian Curtis oder Dave Stewart auf Speed, spielen Chikinki zunächst einen Großteil ihres aktuellen Albums „Bitten“. Mit zunehmender Dauer des Konzertes steigert sich nicht nur die Band in einen wahren Rauschuzstand, bei dem die Instrumente einem strapaziösen, bis zur Zerstörung neigenden Belastungstest unterzogen werden – auch für das Publikum scheint die Musik wie ein Jungbrunnen zu wirken. Die älteren Hits „Paper Scissor Stone“ oder „You Said“ werden dabei ebenso frenetisch hüpfend abgefeiert wie die neuen Songs.
Es folgen noch zwei Zugabenrunden, doch eigentlich gelingt Chikinki an diesem Abend das Kunststück, bereits nach ihrem ersten Song nur noch Zugaben zu spielen. Es ist ein „immer mehr, immer weiter“, das Browne und Co. über eineinhalb Stunden mit dem Publikum veranstalten. Am Ende wirft Keyboarder Boris Exton in bester Rockstarmanier einen Suppenlöffel als Souvenir ins Publikum. Es ist diese Mischung aus großer Geste und feinem, ironischen Augenzwinkern, die Chikinki live so ungeheuer sympathisch wirken lässt. Draußen im Vorraum mag noch immer der Heimatfilm des MDR auf Endlosschleife laufen. Doch an diesem Abend haben vor allem Chikinki ihre eigene Geschichte um ein unwiderstehliches Konzert fortgeschrieben.