DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Boy

Interpret:
Boy

Datum:
13.10.2011

Lokation:
Stadtgarten, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Lisa Bertram
Köln, 19.10.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Boy

Boy

Sie ist nun wieder da, die Zeit an der die Jacken und Mäntel an der Garderobe abgegeben werden und man sich für draußen dick anzieht, es dann im Club aber viel zu heiß ist. Konzerte in Herbst und Winter sind nicht immer leicht. Eine lange Schlange durchzieht den Eingangsbereich des Stadtgartens und versperrt den Eingang. Wer sich nicht zu schade ist, die Jacke in die Tasche zu stopfen, kommt aber schnell in den gut gefüllten Konzertsaal. Sofort fällt die Bühnendeko ins Auge: aufgestellte Glühbirnen zieren den bereits mit Instrumenten bestellten Schauplatz. Nach einer Weile geht das Licht aus und das Murmeln im ausverkauften Stadtgarten erlischt. Valeska Steiner, Sängerin des Duos Boy, betritt unter Klatschen die Bühne. Sie kündigt aber zunächst Ari Hest an, Singer/Songwriter aus New York und für den heutigen Abend Vorprogramm der beiden Mädels. 

Der New Yorker mit der Gitarre und den spitzbübischen Geschichten ist von der ersten Minute an grundsympathisch. Ob er nun von der Genugtuung über den unglücklichen Ex-Partner oder über die Missstände der amerikanischen Gesundheitsversicherungen singt - kritisch und humorvoll kann er die Audienz von sich begeistern. Als er dann noch in gebrochenem Deutsch verkündet „es sei hier fantastisch“ hat er das Publikum auf seiner Seite. 

Es wird wieder dunkel und gespanntes Warten auf Boy macht sich breit. Waren sie zuletzt noch als Vorgruppe von Philipp Poisel und Bosse unterwegs, ist dies ihre erste Tour, der Auftritt in Köln sogar erst das zweite Konzert. Trotzdem mussten schon Zusatzkonzerte in größeren Hallen gebucht werden, denn die Nachfrage steigt. Dass das aber nicht nur an der Hit-Single „Little Numbers“ liegen kann, zeigen die nächsten anderthalb Stunden. Valeska und Sonja betreten die Bühne, gefolgt von einer vierköpfigen Band zur Unterstützung. 

Valeska begrüßt zum zweiten Mal die Menge und die Musik setzt ein. Sofort ist man wie verzaubert: Eine Klangdichte, noch eindringlicher als auf dem Album erfüllt den Saal. Dazu dann noch Valeskas Stimme und der süße Akzent. Bereits in den ersten Sekunden ihrer Live Perfomance haben Boy überzeugt. Jedes liebevolle Detail wurde umgesetzt, sei es durch den Mann an der Percussion oder die von Valeska gespielte Melodica; der Auftritt ist ein Klangkonzert der Superlative. Gespickt wird er mit vielen kleinen Geschichten aus Zürich, die Inspirationen für die Texte gegeben haben: Sei es der nervige aber irgendwie auch interessante Boris, oder das Gefühl, von Zuhause in die Welt hinaus zu reisen. Dabei steht Valeska als Sängerin und Geschichtenerzählerin etwas mehr im Vordergrund als ihre Duo-Partnerin Sonja, die abwechselnd Bass oder Gitarre spielt. Man hat das Gefühl, dass Valeska nicht nur die Texte singt, sondern wirklich ihre Geschichte erzählt.

Auch nachdem sie alle Songs des Albums „Mutual Friends“ gespielt haben, kommen noch zwei mehr oder weniger improvisierte Zugaben hinzu: gewünscht wurde dabei vor allem eine Wiederholung von „Skin“ in akustischer Form. Man merkt, dass die erste Single gar nicht im Mittelpunkt des Interesses steht, sondern dass jeder Einzelne im Saal sein eigenes Lieblingslied zu haben scheint. Boy sind schlicht und ergreifend ehrlich und authentisch. Jede Freude über Jubelrufe und gewünschte Zugaben ist echt und fernab der Business-Muckerei. Der Zauber dieses Duos machte den Auftritt zu einem denkwürdigen Erlebnis und stellt dagegen so manch andere Konzerte in den Schatten. 


 

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