Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Bodi Bill
Interpret:
Bodi Bill
Datum:
04.12.2011
Lokation:
LCB, Wuppertal
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 07.12.2011
Bodi Bill in Barmen? Man reibt sich zwei bis vier Mal die Augen beim Anblick einer schmucklosen social media Statusmeldung, die Berliner Partyhedonismus für das Tal der Wupper ankündigt. Ob das gut geht? Ein Vorverkaufspreis von knapp 16 Euro nährt die Befürchtung, dass man genug Bewegungsfreiheit zum Tanzen haben dürfte.
Ist die Fahrt nach Barmen schon dem Wuppertaler nur schwer kommunizierbar, ist es für Ortsfremde gänzlich unverständlich, wie man hier seinen Sonntagabend popkulturell bestreiten soll. Im betonierten Bürgerkriegsambiente verelendender Fußgängerzonen stimmt es sich eigenwillig auf Hauptstadtshow und Zeitgeistmusik ein. Jedoch, Blicke zur Seite enttarnen schmuckes, wenngleich dahinsiechendes Industrialisierungsgemäuer, vor dem LCB eine Gruppe Kids, die man so auch in Köln, Leipzig oder Berlin finden würde. „Objects in the rear view mirror may appear closer then they are”, wissen schon amerikanische Autofahrer.
Der Support Freedarich habe Electro-Beats mit Melodica begleitet, lässt man sich nach der Ankunft erzählen und ist ein bisschen froh, erst jetzt den mit rund 40 Menschen leider eher sparsam besuchten Club zu betreten. Wie aufs Stichwort erscheinen Bodi Bill gegen kurz vor zehn auf der Bühne, um in eine fröhliche Stunde zu starten und damit den guten Ruf zu untermauern, der ihnen vorrauseilt. Wenige aktuelle Bands hierzulande verstehen es derart gut, sich als Gesamtwerk aus Musik, Mode, Design und Schabernack zu verkaufen, wie die Berliner Electromelancholiker.
Klammotten sowie Attitüde stimmen auch an diesem Abend und auch der Sound gefällt dem Publikum, obwohl die Musiker mehrfach in den Dialog mit dem Mischer treten und über die Lautstärke verhandeln. Es wird getanzt, applaudiert, sich gefreut. Ohne dass man direkt von einem Stimmungsfeuerwerk sprechen müsste, lässt sich festhalten: Für einen Sonntagabend ist die Atmosphäre wirklich gut. Dies liegt zu einem Großteil am überdrehten Bodi Bill-Trio, das auf der Bühne von DJ und Knöpfchendreher Thomalla begleitet wird. Instrumente und Computer werden stetig gewechselt, jeder bekommt seine kleinen Spotlight-Einlagen und Sänger Fabian Fenk gibt wie gewohnt den aufgekratzt-euphorischen Frontmann.
Wer sich vor kleinem Publikum in ungemütlichen Städten keine Blöße gibt, obgleich in der Hauptstadt die Szenekumpels mit dem Apothekerschränkchen in hippen Undergroundtoiletten Schlange stehen, der macht etwas richtig, nämlich Musik, weil es so sein muss. Sauber abgeliefert, die Herren.