Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Black Rebel Motorcycle Club
Interpret:
Black Rebel Motorcycle Club
Datum:
03.05.2010
Lokation:
Essigfabrik, Köln
Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 10.05.2010
Und wieder erzählt Gitarrist Peter Hayes eine lustige Anekdote aus seinem Leben. Dieses Mal geht es darum, wie er mit seinen Bandkollegen heute vor dem Konzert in Köln shoppen war und einen pinken Hasenanzug gekauft hat. In diesem Moment kommt Bassist Robert Levon Been in besagtem Outfit auf die Bühne gestürmt, schlägt Kapriolen und animiert das Publikum zur Laola-Welle. Hinten sitzt die neue Schlagzeugerin Leah Shapiro und lacht sich ins Fäustchen. Am Ende verabschiedet man sich bei dem Publikum und bedankt sich mit den blumigen Worten „You are the best audience ever!“ für die fantastische Unterstützung.
Wer das hier glaubt, der sollte auf der Stelle aufhören zu lesen. Denn weder interessiert sich diese Band für andere Farben als schwarz, noch redet sie. Wofür auch? Die Band lässt nichts anderes als ihre Musik sprechen, und die ist live mal wieder eine Klasse für sich. Nach etwas verhaltenem Beginn mit zwei Stücken vom neuen Album folgt an dritter Stelle „Red Eyes and Tears“ in einer extended Version mit meterdicken Klangwänden gegen Ende des Liedes, die einen denken lassen, die Band habe hinter der Bühne drei weitere Musiker versteckt. Damit ist eine ebenso fulminante wie düstere Achterbahnfahrt durch alle fünf Alben (ignorieren wir den etwas dubiosen kostenpflichtigen Download „The Effects Of 333“ einfach mal) eingeläutet.
Kurze Zeit denkt man, die Band habe „Whatever Happened To My Rock 'n' Roll“ schon etwas zu früh verfeuert - und schämt sich dann selbst dafür, wie man den anderen Liedern so unrecht tun konnte. Denn auf jedem ihrer Rockalben (also ohne das aus der Reihe tanzende „Howl“) lauern auch Rocksongs dieses Kalibers, sei es „Six Barrel Shotgun“, „Berlin“ oder aktuell „Conscience Killer“, die alle direkt aus der Garage kommen und gerade live wahnsinnig mitreißen. Dazu erschafft der Motorradclub immer wieder dunkle, vielschichtige, oft psychedelische Soundlandschaften in der eigentlich eher ausdruckslosen Kölner Essigfabrik. Fast alles natürlich mit dem Verzerrer-Pedal bis zum Anschlag durchgedrückt, versteht sich. Und wem das noch nicht reicht, der kriegt eben ab und an noch Folk und Gospel serviert.
Als man dann nach „Spread Your Love“ und insgesamt 100 intensiven Minuten wirklich denkt, es wäre vorbei, merkt man allerspätestens jetzt, in was für einer Spiellaune sich das Trio befindet. Immer mehr Zugaben werden geboten, bis man sich nach einem ausgiebigen und lärmenden Jam wirklich sicher ist, dass es das nun gewesen sei. Statt mit diesem Urknall aufzuhören, wird noch völlig überraschend ein Folksong drangehängt. Diese Band hat es eben nicht nötig, Erwartungen zu erfüllen. Außer es geht um ihre Kleidung und ihre Redseligkeit.
Video: „Live Trailer"