Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Belle & Sebastian
Interpret:
Belle & Sebastian
Datum:
08.04.2011
Lokation:
E-Werk, Köln
Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 13.04.2011
Belle & Sebastian bringen das Fass zum Überlaufen. Die einst unkommerzielle und scheue Formation aus schüchternen Schotten badet im kommerziellen Erfolg, gebürstet auf mainstreamfernen Twee-Pop. Belle & Sebastian lassen die Korken knallen und erleben einen zweiten Frühling, samt Top Of The Pops, wenig Angriffsfläche und kreischender Teenager. Ihr Konzert im Kölner E-Werk ist ein Generationskonflikt in Monokultur und die bedruckten Stoff-Beutel, die das zehnfache der Produktion kosten, werden von beiden Altersklassen gekauft, den Fans der ersten Stunde und den Gilmore Girls-Teens.
Der 8. April ist ein schöner Tag. Die Sonne scheint beständig die ersten Tage im Jahr und die ersten schönen Sonnenbrillen laufen durch die milden Gassen Kölns. Cafés öffnen ihre weiten Fenster und gut aussehende Menschen fahren auf ihren Fahrrädern. Man möchte ihnen vorwerfen nur sonnige und entspannte Ziele zu haben. Mehr als 1000 dieser Menschen haben an diesem Abend tatsächlich ein schönes Ziel, ein Ziel auf das viele lange gewartet haben: Das Belle & Sebastian-Konzert. Dass dieser Tag mit einem drehbuchartigem, einem vorformulierten Konzert endet, passt nur allzu gut in diese Hollywood-Szenerie.
Die Tage, in denen Belle & Sebastian pressescheue und verschüchterte Gesichter waren, sind mit ihrem aktuellen Album „Write About Love“ endgültig gezählt. Eine Band, die im Jahr 2011 ein Jubiläum von 15 Jahren feiern und auf acht Studio-Alben zurück blicken kann, muss schließlich irgendwann aus sich heraus wachsen. Im Kern immer noch die Lieblingsband, während die Außenwirkung schon lange auf Verkauf getrimmt ist. Dass das so ist, beweisen sie einmal mehr im Rampenlicht, wenn Stuart Murdoch sein Gewinnerlächeln aufsetzt.
Verzeihen muss man es dieser Band, dass nicht alle Hits, alle Herzens-Songs aus den vergangenen 15 Jahren gespielt werden können, trotz eines fast zweistündigen Sets. Verzeihen muss man auch, dass nicht das gesamte Publikum auf der Bühne tanzen kann, neben den älteren neuen Helden. Belle & Sebastian verstehen es, sich durch ein ausgewogenes Repertoire ihrer bisherigen Alben zu spielen. Grob geht es in der Zeit zurück, wenn das Konzert mit brummenden Synths „I Didn't See It Coming“ einleitet, in der Songfolge des jüngsten Albums losrollt und später „Dear Catastrophe Waitress“, „The Boy With The Arab Strap“ und „Tigermilk“ auf leben lässt. Schnell wird deutlich, was für großartige Entertainer Belle & Sebastian heute sind.
Was bei all dem Pop-Professionalismus am schwersten zu verkraften ist, sei dahingestellt. Dass die Fans der ersten Stunde vergeblich auf Songs wie „Like Dylan In The Movies“, „Legal Man“ oder „The State I Am In“ warten oder junge Indie-Gesichter über beide Backen strahlen, wenn Murdoch nur allzu obligatorisch durch den Konzertsaal wandert um sich vom Scheinwerferlicht verfolgen zu lassen und den tanzenden Teens schwarz-rot-goldene Orden umhängt. Festzuhalten bleibt, dass diese Schotten ihrem Eintrittspreis gerecht geworden sind. Musikalisch auf ihrem Zenit, schien die Harmonie zwischen den dutzend Bandmitgliedern auf der Bühne nie ausgeglichener. Wenn sich die Gegensätzlichkeit der Stimmen von Gitarrist Stevie Jackson und Murdoch disharmonisch ergänzen.
Trotz allem bleibt Belle & Sebastian eine umwerfende Band, die in Erinnerungen schwelgenden Mittdreißiger wie auch Abiturienten des 21. Jahrhunderts zu unterhalten wissen. Beide werden auch weiterhin die Platten hören, T-Shirts tragen und Konzerte besuchen. Daran ändert bei dieser Band auch der Mainstream nichts.
Video: „I Want The World To Stop“