DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Beach House

Interpret:
Beach House

Datum:
14.11.2010

Lokation:
Gebäude 9, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Jan Nicolai Kolorz
Köln, 29.11.2010

BERICHTE

Konzertbericht - Beach House

Beach House

Victoria Legrand und Alex Scally, dieses magische Paar aus Baltimore, machen Musik, die einem das Gefühl gibt, als hätten Menschenkräfte damit eher wenig zu tun. Nach einem hypnotisierenden Überalbum zu Beginn des Jahres („Teen Dream“) begegnen wir endlich Beach House auf deutschen Clubbühnen. Das Design: kristallförmige Leuchtzelte, dahinter ein Sternenhimmel. Ich sagte doch - nicht von dieser Welt, sondern kosmisch. Der gewohnt gute Klang im Kölner Gebäude 9 tat sein übriges und so mussten Beach House mit ihrem Bühnenmusikern nicht viel tun, um uns alle abzuschalten. Schnell fand man Zugang zur Welt ihrer Musik. Das Kölner Publikum scheint dafür schrecklich flexibel zu sein. Alles war still. Von der ersten bis zur letzten Sekunde, als sagte man uns fast telekinetisch: Schluss jetzt, jetzt reden wir.

Und außerdem: wer hört dieser Stimme nicht gerne zu? Als hätte man eine Wahl, diesen geräucherten Flächen mit seinen Ohren trotzen zu können! Dieses „Norway“, dieses „Take Care“, dieses „Silver Soul“, dieses Wasauchimmer.

Ein Blick über die Köpfe des vollgefüllten Raumes war Beleg genug für das Gefühl, das eine Band wie Beach House auf ganz unkonventionelle Weise stört. Besser noch, störrisch ist. Sie verzerren das gemeine Bild einer (jetzt endlich) radiotauglichen Band, die ein unspektakuläres Live-Set spielt, dabei vor lauter Kauzigkeit und Anti-Opportunismus schon fast lustig aussieht, und mit dem ersten gespielten Ton jahrelange Profi-Konzertgänger in ihrem Slacker-Kopf-Gewippe so dermaßen aus der Bahn wirft, dass ausnahmslos jeder auf dem Konzert aussah, als befände er sich in der mittelschweren Yoga-Übung „Deutzer Mondgruß “. Kein Getanze, keine Gesinge, kaum Gewippe. Ein wenig verschlagen schmiegten sich die meisten in den trockenen Beat, ließen sich gehen und erklärten sich, ganz körperlos, dem Universum dieser zauberhaften Musik hinzugeben. Monotonie kann manchmal schön sein. Ein Hoch auf das, was in unserer zweckrationalisierten Welt fleißig unter den Teppich gekehrt wird: die lange Weile.

Die knappe Stunde verflog und wie gerne hätte man noch mehr Stücke der ersten beiden Alben gehört. Aber so richtig drauf gewartet hat keiner. Es hätte, wie so oft bei einem schönen Ereignis, ewig so weitergehen können. Eine Idylle, die nie reißt. Was für eine kleine Ehre, diese einzigartige Band mit interessierten Menschen geteilt haben zu können. Sogar Thees Uhlmann schien es gefallen zu haben.


 

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