Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
5 Jahre Crazewire mit Stereo Inn, Snailhouse und Cedarwell
Datum:
04.10.2008
Lokation:
Kult 41, Bonn
Autor:
Tobias Gnädig
Köln, 12.10.2008
In diesen Tagen jährt sich der Startschuss für dieses Magazin zum fünften Mal. Zeit für uns, zurückzukehren nach Bonn - an den Ort, an dem im Herbst 2003 die Idee Crazewire geboren wurde. Und wie könnte ein Musikmagazin einen solchen Geburtstag besser feiern, als mit einem Konzert? Die geladenen musikalischen Gäste an diesem Abend sind Cedarwell aus Wisconsin, USA, der Kanadier Snailhouse sowie die Beinahe-Local-Heroes Stereo Inn aus dem benachbarten Köln. Zwei Singer/Songwriter und eine Indiepop-Band - eine Konstellation, die diesen Abend zu einem außergewöhnlichen Konzerterlebnis machen sollte.
Aber der Reihe nach: Schon früh, um Punkt 19:30, betritt Erik G. Neave alias Cedarwell die für einen eher kleinen Club sehr hohe Bühne im Kult 41. Trotz des noch jungen Abends sind bereits eine Reihe von Zuschauern anwesend, die den zarten, zerbrechlich wirkenden Folksongs, die den Großteil des Sets ausmachen, einen gebührenden Rahmen schenken: Kaum jemand vor der Bühne spricht, sogar im hinteren Thekenbereich wird nur geflüstert. Eine schöne Geste des Publikums, die viel zu selten geworden ist. Neave lockert sein Set durch die eine oder andere Uptemponummer auf und macht Witze über sein "typisch amerikanisches" Aussehen (er trägt einen prächtigen Bart und Holzfällerhemd), die mit jedem Song mehr werdenden Zuschauer danken es ihm mit viel Applaus. Man spürt schon in diesen frühen Minuten des Abends: Die Chemie stimmt, das hier passt.
Mike Feuerstack ist ein alter Hase und veröffentlicht seit Anfang der 90er-Jahre großartige Platten, sowohl als Solokünstler Snailhouse als auch mit der Indie-Band Wooden Stars. Und doch ist er nie über den Geheimtipp-Status hinausgekommen. Auch eine gut besuchte Deutschland-Tour mit Maritime 2004 hat daran wenig geändert. Doch an diesem Abend gilt für ihn das gleiche wie für Cedarwell: Die Zuschauer im mittlerweile sehr gut besuchten Kult 41 hängen an seinen Lippen, bestaunen andächtig seine Songs. Der kleine Kreis der Snailhouse-Liebhaber dürfte an diesem Abend Zuwachs bekommen haben.
Stereo Inn aus Köln sind im Köln-Bonner Raum längst eine feste Größe und stehen mit ihrem erfrischenden Indiepop für den tanzbaren Teil des Abends, der vom Publikum dankbar angenommen wird. Zwei hörenswerte EPs haben Stereo Inn mittlerweile veröffentlicht, auf der Bühne jedoch erstrahlen die gutgelaunten, mehrstimmig gesungenen Mitsing-Popsongs in vollem Glanz. Die Band hat, etwa mit "Rockshow" oder "Next Time", einige Hits im Gepäck und spielt mit viel Enthusiasmus und Energie ein Lächeln auf die Gesichter. Zum Van-Morrisson-Cover "Brown Eyed Girl" bitten sie dann schließlich Cedarwell und Snailhouse zur gesanglichen Unterstützung auf die Bühne. Ein begeisternder Schlusspunkt für das Konzert, doch die Zuschauer und Musiker sind noch nicht müde und der Abend geht in die Verlängerung.
Was nun folgt, dürfte vielen der Anwesenden noch lange Zeit in guter Erinnerung bleiben. Während die Bühnenanlage abgebaut wird, treffen sich Snailhouse und Cedarwell vor der Bühne, um eine ausgedehnte Unplugged-Zugabe zu spielen. Die Zuschauer setzen sich auf den Boden, die umstehenden Tische und die Bühne, lauschen den umwerfenden Texten der beiden Künstler, die mal abwechselnd, mal gemeinsam zur akustischen Gitarre greifen und das Publikum zum mitsingen und -klatschen animieren. Hier und da schimmern Augenpaare verdächtig feucht, liegen sich Menschen in den Armen - ein an Intimität kaum zu überbietener Lagerfeuermoment, der seine Krönung in zwei Coverversionen findet: Der Nina-Simone-/Animals-Klassiker "Don't Let Me Be Misunderstood" wird frenetisch bejubelt, anschließend feiert die Runde einen weiteren Geburtstag: Zehn Jahre nach dem Kinostart von "Big Lebowski" singt das Kult 41 angeführt von Snailhouse Bob Dylans "The Man In Me", das längst untrennbar mit dem "Dude" verbunden ist.
Getanzt wird danach nicht mehr. Stattdessen lassen die Musiker, das Crazewire-Team, Freunde und Leser zu Indie-Klängen aus der Konserve den Abend revue passieren und ausklingen, lernen sich beim Bier näher kennen, tauschen sich aus. Wir sagen allen Beteiligten, allen Künstlern, Helfern und natürlich euch Lesern, die ihr da wart, vielen Dank für dieses tolle Fest.