DETAILS

Kategorie:
Festivalbericht

Titel:
Electronic Beats Festival Köln

Interpret:
Electronic Beats 2010 u.a. mit Moderat, Kele, Major Lazer und Miike Snow

Datum:
20.05.2010

Lokation:
E-Werk, Köln

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Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 31.05.2010

BERICHTE

Festivalbericht - Electronic Beats Festival Köln

Electronic Beats Festival Köln

Zehn Jahre Electronic Beats – das muss gefeiert werden. Da ließen sich die Veranstalter der Festivals nicht lange bitten und mieteten gleich das kölner E-Werk, das sich schon in den letzten Jahren als Electronic Beats Hochburg bewehrt hat. Die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit, denn in Köln genießt das Electronic Beats Festival einen ausgezeichneten Ruf – mit keinem anderen Festival ließe sich die Saison besser einleuten.

Für einen schönen Geburtstag braucht man natürlich auch gute Musik. Mit dem Headliner Moderat und Auftritten von Kele und Miike Snow konnte einfach nichts schief gehen, und wer gerne neue Bands entdeckt, konnte sich besonders über Little Dragon freuen. Zum Schluss gab es noch ein musikalisches Feuerwerk.

Schon  der Auftakt des Festivals war ein keines Highlight. Die Schweden Little Dragon spielten eine sanfte Mischung aus Pop, Electro und Magie. Sängerin Yukimi Nagano hat ein faszinierendes Charisma und eine sehr eigene, expressive Art sich zu bewegen. Ihre Stimme hat auch Damon Albarn überzeugt, sodass sei bei zwei Songs auf „Plastic Beach“ von den Gorillaz mitwirken durfte. 

Turboweekend waren zwar eine Nuance tanzbarer und rockiger, verblassten aber auch leicht zwischen Little Dragon und Miike Snow. Letztere sind mit weißen Masken im Phantom Der Oper-Stil aufgetreten. Bei „Black And Blue“ rissen sie die Masken ganz theatralisch ab und ließen ihre Gesichter bejubeln. Doch erst zum Schluss, bei „Animal“, haben sie wirklich alles aus sich rausgeholt.

Nach all den relativ jungen Bands war es Zeit für ein altbekanntes Gesicht. Kele Okereke, Sänger von Bloc Party gab das erste Konzert mit seinem Solo-Projekt in Deutschland. Leider erreichte Keles Stimme live nicht das Studio-Niveau, doch das kompensierte er mit sehr viel Charme. Er redete mit dem Publikum, bezog es mit in die Show ein, warf seine Sonnenbrille in die Menge und spielte sogar ein Bloc Party Medley: „This is for the old fans.“ Etwas gewöhnungsbedürftig war es aber schon klassiker, wie „The Prayer“ in Keles neuem synthie- und keyboardlastigem Sound zu hören.

Headliner Moderat machten das E-Werk zum Club. In ihrer Musik spielen sie gerne mit Anspannung, Entspannung, ansteigender fast-Spannung, Entspannung und totaler Explosion. Sie ließen das Publikum so lange im vierten Gang zappeln, bis sie sich wirklich hundertprozentig sicher waren, dass auch jeder einzelne im E-Werk das Trance-Stadium erreicht hat – und dann gaben sie Vollgas. Bedankt hat sich das Publikum mit lautstarkem Jubel und der Forderung nach Zugabe.

Zum Abschluss gab es die totale Reizüberflutung. Major Lazer, ein Projekt der DJs Diplo und Switch, hat das Publikum gespalten. Die Nüchternen starrten mit runter geklappten Kiefer auf die Bühne und versuchten zu verstehen, was DAS eigentlich darstellen sollte. Die Betrunkenen und Naturhighen gaben sich dem Wahnsinn hin, ohne Rücksicht auf Verluste. Diplo stand hintern an den Reglern, zwei Tänzerinnen wackelten alles, was auch nur ansatzweise wackelbar war und Switch war der ... ähm Sänger? Schreihals? Ibiza-all-inclusive-Hotel-Animateur? Sagen wir mal, es war einfach ein Typ, der über die Bühne hüpfte und das Publikum anschrie: „Put your cellphone to the sky!“ 

Im Hintergrund remixte Diplo alles von Rihanna bis Ace Of Bace in einem Stil, der mir fast von Brooklyn Bounce (kennt die überhaupt noch jemand? Das war so ein 90er Jahre Eurodance Unfall.) inspiriert schien. Wem das noch nicht trashig genug war, durfte sich über die riesigen Piraten- und Affenballons freuen, die Switch in die Menge warf, oder über die Mädchen aus dem Publikum, die für einen Song ihre Selbstachtung über Bord werfen und mit den Standard-Wackel-Mädchen tanzen durften, oder über die LSD-inspirierten Bilder, die zur Dekoration an die Wand projiziert wurden. Aber tanzen konnte man dazu – zumindest der betrunkene Teil konnte das und der ist richtig ausgerastet.

 

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