DETAILS

Kategorie:
Festivalbericht

Titel:
Electric Zoo 2011 - Einmal Amerikanische Ravekultur

Datum:
02.09.2011

Lokation:
New York

Weiterführende Links:

Autor:
Kai Töpel
Dresden, 07.09.2011

BERICHTE

Festivalbericht - Electric Zoo 2011 - Einmal Amerikanische Ravekultur

Electric Zoo 2011 - Einmal Amerikanische Ravekultur

Rave Kultur in Amerika ging einen komischen Weg. Während der Rest der Welt durch Chicago House und Detroit Techno bis heute beeinflusst wurde, spielen Artists wie Derrick May oder Blake Baxter nun in Amerika meist nur kleine Venues. So richtig warm geworden ist das Land des Rock’n’Rolls nie mit elektronischer Musik, obwohl genau dort die ersten Schritte für Housemusik gelegt wurde. Um so interessante für war es für uns das Electric Zoo zu besuchen: Ein Festival nur für elektronische Musik in New York City.

Obwohl sich das ganze sehr nah am Herzen von New York abspielt, auf Randall’s Island, einer Insel auf dem East River in Höhe Harlems, kann man es kaum als ein New York Event bezeichnen. Während fast alle Städtler über das Laborday Wochenende die Stadt verlassen und das letzte Sommerwochenende genießen, reisen vor allem Leute aus New Jersey und den umliegenden Staaten an. Die Stadt selbst kriegt von diesem ganzen Treiben eher wenig mit. Obwohl das Line Up vom Electric Zoo das ein oder andere Schmankerl bereithält, findet man im Lineup meist eher elektronische Einheitskost. Allein die Headliner wie Tiesto, Armin Van Buuren und David Guetta zeigen in welche Richtung das Festival schiessen soll. Doch da mit SBTRKT, Nicolas Jaar, Gui Boratto, Chromeo und Carl Craig auch einige besondere Acts dabei waren, machten wir uns auf dem Weg in den Zoo, um den wilden Tieren beim Tanzen zu zusehen.

Sehen und Gesehenwerden ist erst einmal das wichtigste auf dem Electric Zoo. Ähnlich wie bei anderen Technoevents wie der Love Parade oder Mayday gehört eine Verkleidung zum guten Ton. Viel Plüsch, Neonfarben, knappe Outfits und Kostüme gehören genauso dazu wie LED Lichter und die obligatorischen Raver Mickeymouse-Handschuhe. Ähnliches gilt auch für den Tanzstil: möglichst auffällig, möglichst körperbetont und möglichst ohne T-Shirt.

Im Vordergrund stand natürlich die Musik, die sich über drei Tage erstrecken sollte. Ähnlich wie in Europa ist besonders Dubstep in Amerika groß im Kommen, wenn auch meist in einer etwas prolligen, elektronischen Variante. Dementsprechend ist Rusko für die meisten das erste Highlight am Freitagnachmittag, dessen Basslines auf der Hauptbühne frenetisch gefeiert werden. Ähnliche Stimmung soll eigentlich auch wenig später bei Busy P entstehen, der eine der drei Zeltbühnen bespielt. Der Erfinder des Ed Bangers Labels und frühere Manager von Daft Punk hat jedoch große Probleme mit dem Sound, der viel zu leise und ohne Druck durch das Zelt schallt. Nachdem er jedoch seine Monitorboxen in Richtung Publikum geschoben hat und sie auf volle Lautstärke gedreht hat, bringt er alle mit seinem Mix aus French House, Indie und Hip Hop zum Tanzen.
Kurz danach wagt sich sein Labelkollege Sebastian daran, dass erste Mal weltweit seine Livequalitäten zu beweisen. Mit einem Syntheziser im Gepäck versucht er sich daran sein Debütalbum Total zu präsentieren und entfernt sich damit angenehm vom früheren, typischen Ed Bangers Geballer.

Auf der Hauptbühne wartet währenddessen Moby mit einem DJ-Set auf, mit einer schöne Mischung seiner fast 30 Jährigen Karriere. Leider bleibt jedoch bei seinem Heimspiel kaum Platz für die ruhigeren Töne des neuen Album „Destroyed“. Während auf der großen Zeltbühne MSTRKFT mit ihrer Mischung aus Electro und Hip Hop die jungen Leute zum Springen bringen, legt von den meisten Besuchern unbeachtet Carl Cox auf.

Leider hatte der Samstag für uns kaum interessante Djs zu bieten. Während SBTRKT bereits um 12 Uhr auftreten musste und somit absolut unbeachtet blieb, war vor allem Skrillex Dubstep der größte Erfolg des Tages. Ähnlich wie Carl Cox bleibt auch Carl Craig als Mitbegründer des Detroit Technos eher unbeachetet und bespielt ein überschaubares Publikum. Fast wie ein Witz wirkt dabei das set von Tommy Lee & DJ Aero, genau der Tommy Lee, Drummer von Mörtley Crue und Ex von Pamela Anderson, der jedoch fast frenetisch gefeiert wird. Im ganzen Techno- und Tranceeinheitsbrei, der auf so manch einer Bühne abgeliefert wird, stechen Super Mash Bros mit ihren Mash Ups ala Girl Talk angenehm positiv raus und laden das Publikum einem wilden Mix aus Hip Hop, Funk, Disco und Indie zu tanzen. Headliner des Abends soll David Guetta sein. Sein Auftritt wird symbolisch für das gesamte Festival und für die elektronische Musikszene in Amerika, wie wir sie dieses Wochenende kennenlernen durfte. Wie bei einem großen Rockkonzert bewegt sich die Menge so gut es geht bis zum Wellenbrecher. Statt Clubgefühl, entsteht Personenkult.
Da ist der Abschluss des Samstages mit den Italienern der Bloody Beetroots Deathcrew 77 schon eine angenehme Abwechslung. Zwar passen sie mit ihrem Electrogeballer auch gut ins Konzept, spielen jedoch mit ganzer Band.

Der Sonntag kann dafür mit einigen Highlights aufwarten. Mit Carte Blanche wartet eine Kollaboration zwischen DJ Mehdi und Riton auf, die sich zusammen in Richtung klassischem House versuchen. Leider gehen sie dabei beim Electric Zoo Publikum ziemlich unter, denn gerade mal eine Handvoll trauen sich ins Zelt, um mit ihnen zu feiern. Ganz anders sieht das bei DJ Snoopadelic aka Snoop Dog aus, der, obwohl als DJ angekündigt, nicht seine Finger vom Microphon lassen kann und erst einmal ein paar seiner Rapklassiker zum Besten gibt. Danach bleibt er seinem Stil treu und legt eine schöne Mischung aus 80er und 90er Hip Hop auf.
Gui Boratto zeigt währenddessen auf einer kleinen Zeltbühne, dass auch minimalere Klänge sehr gut ankommen können. Bei seinem anderthalbstündigen Set wird er vor allem durch brasilianische Fans gefeiert und verlässt mit einem großen Grinsen und dem obligatorischen „Beautiful Life“ die Bühne. Diese gibt er frei für Nicolas Jaar, der zwar als DJ begann, aber seit seinem Debütalbum „Space Is Only Noise“ als Band tourt. Zwar führt der recht jazzige und untanzbare Anfang zu etwas verdutzten Gesichter, jedoch erzeugen sie dabei eine so großartige Atmosphäre, die immer mehr Leute in ihren Bann nimmt. Als Kontrast fährt Chromeo auf der Mainstage groß auf. Samt Backgroundtänzerinnen/Sängerinnen zeigen die beiden New Yorker, dass man auch ohne elektronischer Musik dieses Publikum zum Tanzen bringen kann.

Während Armin van Buuren das Finale auf der Hauptbühne bestreitet begeben wir uns etwas verwirrt vom Festivalgelände zu den Fähren, die am Gelände vorbei das Publikum zurück nach Midtown, Manhattan bringen. Zwar konnten wir mit Nicolas Jaar, Gui Boratto, Chromeo und Carl Craig einige Highlights sehen. Jedoch blieben diese für uns im Einheitsbrei zwischen Trance, Italo House und hartem Electrodubstep ein paar wenige Lichtblicke.


 

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