Kategorie:
Festivalbericht
Titel:
Crossroads Festival: The Sweet Vandals, The Fuzztones
Interpret:
The Sweet Vandals
Datum:
10.10.2009
Lokation:
Bonn, Harmonie
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 19.10.2009
Schon seit einigen Jahren hat sich der Rockpalast in Bonn einen Standort aufgebaut. In der Harmonie werden regelmäßig Konzerte für die alte Dame des westdeutschen Musikfernsehens aufgezeichnet, was dem ohnehin netten, übersichtlichen Veranstaltungsort schon einige besondere Musiker ins Haus brachte. Eine der etablierten Reihen ist das mehrtägige Crossroads-Festival, bei dem die Palette regelmäßig von Blues Rock und Roots bis zu Soul, Beat oder Country reicht.
In diesem Jahr fiel die Entscheidung auch aus persönlichen Termingründe gegen die Band Of Heathens am Donnerstag, dafür jedoch auf den Samstag mit entspanntem Soul und legendärer Feierlaune. The Sweet Vandals und die Fuzztones, was für ein Paket. Dass die Harmonie sehr gut gefüllt ist, als der Abend pünktlich und ungewöhnlich früh gegen zwanzig nach sieben beginnt, hat neben dem famosen Line-Up jedoch sicher auch etwas mit der unschlagbaren Sonderaktion eines ortsansässigen Musikfachhändlers zu tun. Man muss die Menschen ködern, dann kommen sie und haben auch sichtlich ihren Spaß.
Die Sweet Vandals haben bereits nach wenigen Minuten das Publikum in der Hand, schnell wird in den vorderen Reihen mitgewippt, vereinzelt gar, dann aber äußerst stilvoll getanzt. Der Soul der Spanier ist angenehm zurückgelehnt und doch auf den Punkt. Besonders der Gitarrist beeindruckt mit dezentem und doch ausdrucksstarkem Vortrag. Dazu lodert im Zentrum der Band mit Mayka Edjo eine Energie geladene Frontfrau, deren starke Stimme perfekt mit der Musik harmoniert. So erzählt sie von erloschener Liebe oder transportiert Botschaften, denen man gerne anhängt: „It takes the same time/ to do it wrong or to do it right". The Sweet Vandals machen in Bonn alles richtig und dürfen erst nach einer Zugabe von der Bühne.
Im Anschluss drängen dann die altegdienten Fans vor die Bühne. The Fuzztones dürfen in Garage-Kreisen gerne als großer, wenn nicht legendärer Name gelten, spielen sie doch seit über 25 Jahren ihren Blues infizierten Stiefel. Stets im Geiste von großen Vorreitern wie The Seeds oder den Sonics, sind die Herren zwar mittlerweile mehr oder weniger sichtbar gealtert, verstehen es jedoch nach wie vor, die Zuschauer zu packen. Groß nachdenken muss man bei solchen Liedern beim besten Willen nicht, hier geht es um mitmachen und tanzen. Schmunzeln darf man aber auch gerne von Zeit zu Zeit.
Am Ende könnte man sich wohl kaum eine gelungenere Kombination aus alten Helden und aufstrebenden Talenten vorstellen. Wer an diesem Abend in Bonn keinen Spaß hatte, kann auf jeden Fall nicht in der Harmonie gewesen sein.