DETAILS

Kategorie:
Festivalbericht

Titel:
c/o pop Pop Culture 2.0

Datum:
16.08.2009

Lokation:
Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 31.08.2009

BERICHTE

Festivalbericht - c/o pop Pop Culture 2.0

c/o pop Pop Culture 2.0

Köln durfte wieder Steil gehen. Die sechste Ausgabe der c/o pop stand bereit, das Festival-Gefühl innerhalb einer Stadt auf eine weitere Stufe zu hiefen. Dieses Mal auch zum ersten Mal unter dem Motto Pop Culture 2.0. Obwohl die c/o pop mit ihrer Verschmelzung aller Beteiligten-Kanäle diesen Zustand in den letzten beiden Jahren davor schon längst erreicht hatte. Mit einem nun noch progressiveren Umgang und Hang zur Poppigkeit, luden die Veranstalter an fünf Tagen zu 44 Shows, in 22 Locations mit 200 internationalen Künstlern zur bisher vielversprechendsten Ausgabe des Festivals. Ausverkauft waren die Festival-Bänder zwar nicht, aber dafür war der Ansturm auf viele Konzerte und Partys im Vorfeld gewaltig. Bei der c/o pop steht auch weniger das Lokale im Vordergrund, als das Multilokale mit der Wahlmöglichkeit für den Besucher, sich sein eigenes Festival wie einen Web 2.0-Baukasten zusammenzustellen.

Wenn man sich auf einem gewöhnlichen Festival noch Gedanken über das Wetter oder trockene Kleidung macht, konzentriert sich auf der c/o pop alles auf das Wesentliche. Da eben die c/o pop kein gewöhnliches Festivals ist, stellte sich auch schon gleich am ersten Abend die Frage: Soll Beirut in der Philharmonie, Tiny Vipers im King Georg oder Moderat im Gloria, das Konzert des ersten Abends werden? Bei diesem hochkarätigen Angebot war die Entscheidung nicht gerade einfach. Denn auch Altmeister John Watts von Fisher-Z lud in den Opernterassen zum Auftakt ein.

Größter Publikumsmagnet an diesem Abend war aber eindeutig Beirut. Zach Kondon, der bereits vor ein paar Jahren in Köln spielen wollte, dann aber absagen musste, bekam wie zwei Tage später The Notwist & Adromeda Mega Express Orchestra gemeinsam mit Voltaire die einmalige Gelegenheit in der sonst für klassische Konzerte gebuchten Philharmonie zu spielen. Doch zuerst durfte Stankowski & Band die leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz besetzte Philharmonie mit ihrem sehr erwachsenen, countryesken Klängen in Schwingungen versetzen. Obwohl Stankowski sichtlich bemüht war, den Rahmen locker und angenehm zu gestalten, wollte das Publikum zu diesem Zeitpunkt noch nicht aus sich herausgehen.

Erst nach einer kurzen Pause füllte sich die Philharmonie endlich, wenn auch nicht bis auf den letzten Sitz. Die paar leergebliebenen Plätze sollten dann aber mit dem Beginn von „Nantes" nicht weiter auffallen. Kondon und seiner Band gehörte an diesem Abend jegliche Sympathie des Publikums. Was wohl an der besonderen Atmosphäre dieses einmalig klingenden Raumes, den herzlichen Klängen Beiruts und deren charmanter Art gelegen haben mag. Mit einer Zugabe wollte sich das Publikum nach diesem fulminanten Auftakt dann auch nicht zufrieden geben. Das Licht war bereits eingeschaltet, nur der gewünschte Rausschmeiß-Effekt blieb aus. So stand fast das gesamte Publikum unter gellenden Applaus auf und verlangte nach eindeutig mehr. Und das Warten, die Euphorie hatte sich gelohnt. Beirut betraten erneut die Bühne, und von da an gab es für das Publikum kein Halten mehr. Mehrere Gäste stürmten die Bühne, um gemeinsam mit der sie gewährenden Band die wohl schönste Party der Philharmonie zu feiern. Als Beirut dann noch „Rhineland (Heartland)" anstimmten, war der Nagel auf den Kopf getroffen und die Gänsehaut breitete sich aus. Noch einmal tosender Applaus und Tänzen auf den Sitzen und der Bühne, bevor sich Beirut mit der Versicherung verabschiedeten, dass Köln weitaus schöner als Berlin sei. 

Dennoch konnten sich einige Festival-Besucher für das Gloria entscheiden, um Moderats audio-visuelle Live-Schow zu bestaunen. Davor lenkten Glitterbug & Ronni Shendar die Aufmerksamkeit aber gehörig vom Mainact auf sich. Leider nur für die der Wenigsten. Das gesamte Konzert wurde heiter gelacht und laut geredet. Niemand schien sich für das zu interessieren, was auf der Bühne und der Leinwand abging. Dabei war das, was Glitterbug & Ronni Shendar dort präsentierten, vom Feinsten. Die smoothen Sounds von Glitterbug harmonierten so feinfühlig mit den Visuals der israelischen Fotografin und Video-Künstlerin Ronni Shendar, auf der kleinen Leinwand links neben der Bühne. Glitterbug & Ronni Shendar setzten also einen sehr hohen Maßstab, der von Moderat und ihrer Show nur so eben übertroffen wurde. Was ihnen dabei sicher geholfen hat war die Tatsache, dass das Publikum endlich die Klappe halten konnte und der Tratsch durch Tanz ersetzt wurde. Eine sowohl tanzbare als auch zu bestaunende Show voller prächtiger Visuals und satten Beats. Trotzdem: Glitterbug & Ronni Shendar waren das eigentlichen Highlight für diesen ersten Abend im Gloria. In Anbetracht der nächsten Tage voller Konzerte, Partys und dem vollen, früh beginnenden Convention-Programm, hieß es für uns „Immer mit der Ruhe und ab ins Bett!“.

Der nächste Tag war nicht minder von der Qual der Wahl geprägt. Patrick Wolf, Bill Callahan oder These New Puritans? Von den etlichen Partys ganz zu schweigen. Bis dahin sollte man sich jedoch von den  interessanten Conventions zum diskutieren und nachdenken anregen lassen oder mit den zahlreichen Panels und Workshops einen Blick in die Zukunft und hinter die Kulissen der Musik werfen. In der Diskussion „Do It Yourself In Germany“ wurden Marcin Öz und Birgit Hoff, Managerin von Angelika Express über ihre Arbeit im Musikbusiness, ohne großes Majorlabel befragt. Der Bassist von The Whitest Boy Alive erklärte, wie die Band ohne Management und Label zu ihrem Erfolg gekommen ist. Es wäre wichtig, Präsenz zu zeigen, sagte Öz. Und es wurde diesen Sommer immer wieder deutlich, was er damit meinte. Erlend Øye und seine Bandkollegen sah man äußerst häufig über die Gelände dieses Festivalsommers schlendern, um das Gespräch mit dem „Fan“ zu suchen. Wie es aussieht, muss man einfach man selbst sein, um erfolgreich mit dem zu werden, was man tut. „Wenn du ein T-Shirt verkaufen möchtest, dann entwerfe ein schönes. Eins, das dir selber auch gefällt, ganz einfach“, antwortete Marcin Öz auf die Frage, ob man mit dem Verkauf vom Merchandise noch Geld verdiene. Birgit Hoff präsentierte das Aktienmodell, mit dem sie Angelika Express wieder auf die Beine geholfen hat. Ob sich solche Modelle bei den kommenden  Musikgeneration bewähren, bleibt abzuwarten.

Eine Wertediskussion ist bei diesen ganzen Vermarktungsstrategien und Downloads unabdingbar. So trafen sich in der Cafe Hall des Schauspiel Kölns unter anderem Dieter Gorny, Gründer von Viva und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, um über das geistige Eigentum und die Urheberschaft im digitalen Zeitalter zu debattieren. Moderiert wurde dieses Panel „Werte 2.0“ vom Chefredakteur der Spex, Max Dax. Zum Ärgernis aller Anwesenden, schweifte die Diskussion immer wieder vom eigentlichen Thema ab oder traf dieses überhaupt nicht. Um die Urheberschaft dennoch mit ins Panel zu bringen, meldeten sich einige Komponisten und Musiker zu Wort. Das Max Dax zu Ende nahezu nichts mehr sagte, ließ die Runde dann Endgültig vom rechten Weg abkommen. Gut, dass der Nachmittag schon weit fortgeschritten war und man sich einem anderen Problem widmen konnte. Nämlich, welche Bands den zweiten Abend der c/o pop beschallen sollen.

Für die, die sich für Patrick Wolf auf dem Offenbachplatz entschieden hatten, kam die weniger erfreuliche Nachricht, dass die Vorband nicht spielen würde. Anstatt Micachu & The Shapes setzten die Veranstalter Steve Strange, Gründer und Frontmann von Visage ins Programm. Dieser ließ anfangs sehr lange auf sich warten. Angeblich hatte er sich in seinem Hotelzimmer eingesperrt, und zwar verkleidet als Papagei. Nun gut, seine Show war eben so bizarr wie diese Geschichte. Immerhin entschuldigte er sich für sein spätes Kommen und konnte eine gute Einleitung für Patrick Wolf bieten. Dieser betrat wie gewohnt die Bühne in einem festlich irren Kostüm und lasziven Bewegungen. Sein divenhaftes Verhalten, die professionelle Live-Band und die tollen Songs ließen das Konzert eine wahre Augenweide werden. Bis sich kurz vor zehn Uhr das Blatt plötzlich wendete. Patrick Wolf wurde mitgeteilt, dass er nur noch einen Song spielen könne, da die zentrale Lage des Offenbachplatzes und das dadurch lärmtechnische Problem eine solche Dead-Line zur Folge hatten. Na ja, trotz der zahlreichen Mitteilungen, die Patrick Wolf bereits vor dem Konzert erhalten hatte, warf er Mikrophone, Mikrophonständer und Klavierhocker in Richtung c/o pop Team und beschimpfte, bespuckte dieses sogar. Das bis dahin wunderbare Konzert nahm mit diesem unschönen Zwischenfall sein Ende. Währenddessen tobten sich These New Puritans im Bogen 2 aus. Die jungen Londoner bewiesen allen im Bogen, welche Live-Qualitäten sie zu bieten haben. Ihre Mischung aus Sonic Youth und Joy Division kam bei den Leuten, die das Debüt „Beat Pyramid“ in und auswendig zu kennen schienen, natürlich sehr gut an. Aber auch die Leute, die lediglich den Namen der Band kannten, wurden voll und ganz zufriedengestellt.

Doch der Abend war noch sehr, sehr jung. Nun musste man sich für eine der etlichen Partys entscheiden, die für Donnerstag Abend angelegt waren. „The Danish Entourage“ bot ein stattliches Line-Up voll gepackt mit dänischen Künstlern, die bis tief in die Nacht an ihren Instrumenten werkelten. Tomas Barfod & Fredski lockerten zwar das Publikum mit ihren Techno-Tracks angenehm auf, doch warteten alle im Grunde nur auf Who Made Who und Trentemøller. Da die Zeit mit den netten Besuchern - mit dabei Daniel Schaub von der sympathischen Band Jack Beauregard - in den Opernterrassen schnell verging, standen eh man sich versah Who Made Who schon auf der Bühne. Diese drei Herren lieferten das erste wahre Highlight der c/o pop. Dass diese Dänen mit ihrem Sound tatsächlich so viel Disco schaffen, hätte man nicht geglaubt. Wiedermal hat jemand bewiesen, wie essentiell es ist, als Band Live-Qualität zu besitzen. Nach diesem soliden und gelungenen Konzert legte Trentemøller die Hand an die Turntabels und Mischpulte. Sein DJ-Set konnte die Stimmung der Masse weit über zwei Uhr Nachts hinaus noch halten. Die Mottoparty im Rahmen der mittlerweile jährlichen „Europareise" auf der c/o pop war ein voller Erfolg mit erstklassigem Line-Up.

Trotzdem hieß es noch während Anders Trentemøller Knöpfe drückte und Regler drehte, die Opernterrassen zu verlassen. Im Roxy nämlich war die „Cómeme Night“ im vollen Gange. Und dort ging es sehr heiß her. Wenn es an der Theke noch vielleicht geschätzte dreißig Grad waren, müssten es auf der Tanzfläche vom Roxy weit über fünfzig gewesen sein. Die Mexikaner Rebolledo heizten dem sowieso schon nackten und schwitzenden Publikum nochmal gehörig ein. Ihr psychopathischer House kam mehr als gut in den nassen Wänden des Roxy's an. Und so mündete dieser fabelhafte c/o pop Donnerstag in Erschöpfung. Für die, die noch lange nicht an ihr Bett dachten gingen die Partys bis früh in den Morgen weiter.

Der nächste Tag wurde wieder mit interessanten Konferenzen eingeleitet. Unter dem großen Programm, das sich fast über den ganzen Tag erstreckte war für jeden etwas dabei. Von Panels zu Musik in Spielen bis hin zu Diskussionen über Vertriebe im digitalem Zeitalter. Im Panel „TV & Music“ stellten unter anderen Conrad Fritzsch und Tobias Fröhlich nennenswerte Lösungen (z.B. das Berliner Online-Musikfernsehen tape.tv) für die Dekadenz des heutigen Musikfernsehes dar. Größtes Problem bei diesen Alternativen ist, dass der Entertain-Gehalt, das Berieselnlassen deutlich abfällt, wenn man ähnlich wie mit YouTube.com gezielt nach seinen Lieblings-Songs sucht. Eine ganz andere Baustelle wurde im Panel „Books -Gutenberg 2.0“ behandelt. Hier war man mit der Diskussion beschäftigt, dass E-Books und ihre digitalisierte Form ebenso Probleme auslösen könnten, wie es bereits mit digitaler Musik geschehen war.

Auch das Line-Up des dritten Tages der c/o pop kam überhaupt nicht so müde daher, wie vielleicht der ein oder andere Besucher. Boys In A Band krachten auf dem Offenbachplatz fröhlich drauf los. Interessant war es schon, die Bande von den Färörer-Inseln zu beobachten. Der nächste Geheimtipp war das alles aber nicht. Aber keine Band hätte hier für großes Aufsehen gesorgt, wenn doch die zur Zeit beste Band der Welt unmittelbar danach spielte. The Whitest Boy Alive konnten wieder auf ganzer Linie überzeugen. Die 1800 Besucher schienen während dem gesamten Set all ihre Sorgen vergessen zu haben und in Wahrheit Hauptberuflich Tänzer zu sein. Einzig Metronomy im Gloria konnten in die Nähe dieses Maßstabs gelangen. Ihr zwar nicht gerade neuer Elektro-Indie brachte das Gloria-Theater dennoch zum Kochen. Warum Metronomy Vorband von Bonaparte waren und nicht andersherum, ist wirklich fraglich. Ihre Live-Show, die wahrlich vibrierenden Song und das äußerst sympathische Bühnen-Bild ließen die bisherigen Highlights fastl vergessen. Tanz bereit und in Party-Laune war man dann auch wieder aufgelegt für ein bisschen Punk-Zirkus. Bonaparte überzeugten auch beim dritten gesehenen Konzert mit ihrer kuriosen Show und den simplen Songs.

Frisch gestärkt mit diesen ganzen Glückshormonen ging man im schnellen Tempo Richtung Opernterassen, um sich in die Kompakt-Party „Kompakt Total 10“ zu schmeißen. Angekommen erblickte man eine böse Überraschung. Die fette Menschenschlange vor dem Eingang reichte bis zu der 100 Meter entfernten Glockengasse. Nach Befragungen der Security war klar, dass man dort heute Abend nicht mehr rein kommt. Enttäuscht und leicht frustriert nahm man neben der Abendkasse platz und begann andere Pläne zu schmieden. Und in diesem Moment ereignete sich das Highlight, das mir (Christopher, Anm. d. Verf.) noch einige Jahre im Gedächtnis bleiben wird. Erlend Øye schlenderte wie gewohnt gemächlich über den Platz. Einen Augenblick später und nach Erlend's Resümee über die Kompakt-Party, das nicht gerade gut ausfiel, fand man sich in der Schildergasse wieder, zur ganz persönlichen Take-Away-Show mit viel Witz und ganz, ganz viel Charme.

Der Samstag war dann auch wieder voller unverhoffter Augenweiden und Glücksmomente. Die Black Lips luden mit ihren rotzigen Punk-Songs zum Bühnensturm ein. Der Support The Chapman Family ging mit dem Ausklingen des Flohmarkt-ähnlichen Supermarktes, der vielen Labels, Künstlern und Designern eine Ladentheke bot, völlig unter. Der große Bogen um die Bühne schien das Selbstwertgefühl der Band, die in Glastonbury vor tausenden Menschen spielte, nicht im geringsten zu schädigen. Kurz darauf ereignete sich ein ganz besonderes Spektakel im Cinedom im Mediapark. Der Mit-Erfinder des Minimal Techno und Gründer des Kölner Labels Kompakt präsentierte sein Ambient-Projekt GAS. Der größte Kinosaal des Cinedoms war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Zuschauer saßen eine gute Filmlänge lang gebannt in ihren Kinosesseln. Das Voigt mit seinen Visuals so gut ins Kino passte, hätte man sich eigentlich denken können. Seine Musik war wie die im spannendsten Teil eines Lynch-Films. Wahrlich ein großartiges Konzert, auch wenn man zwischenzeitlich eingeschlafen ist (was natürlich nur zur Entspannung und Regeneration dienlich sein sollte).

In diesem Zustand konnte man sich wieder in den Opernterassen von den knackigen Beats der Bloody Beetroots wachrütteln lassen. Dieses Justice-ähnliche Duo brachte die Opernterassen dann aber wirklich zum kochen. Schweißnasses Publikum schrie sich gegenseitig ins Ohr, dass dies die beste Party sei, die Köln je gesehen hat. Nebenan ging es dafür umso ruhiger zu. 400 Sennheiser-Kopfhörer sorgten für die zweite im Rahmen der c/o pop ausgetragene Silent Indie Disco. Wären weniger Micheal Jackson Songs gespielt worden, hätte man diesen feinen Einfall auch noch fünf Songs länger für witzig befunden. Trotzdem war es sehr amüsant, den Kopfhörer von den Ohren zu nehmen, um die schiefen Stimmen der Tanzenden zu hören. Um noch mehr von der besten Party ever mitzubekommen, sprang man wieder in die schwitzende Masse, hin und her gerissen, die Hände empor streckend für das Spiderman-Masken-Duo, The Bloody Beetroots.

Die Luft war raus. Nichts ging mehr. Und eigentlich wäre es schon längst an der Zeit gewesen, den Schweiß zu trocknen, die Klamotten zu wechseln und endlich wieder zu schlafen. Doch der Sonntag stand bereits in den Startlöchern. Es gab an diesem Tag auch nur ein Ziel: Der Jugendpark, in dem traditionell die abschließende Open Air Party gefeiert werden sollte. Das wirklich hervorragende Wetter an diesen fünf Tagen erreichte am frühen Sonntag-Nachmittag seinen Höhepunkt, allerdings leider ohne Ricardo Villalobos. Er war wohl aufgrund von Nachwuchs aufgehalten. Allerdings störte das die zu Hunderten gekommenen Raver herzlich wenig. Unbeirrt davon, dass Vaillalobos nicht kommen und Paul Kalkbrenner die Party erst noch beenden wird, tanzte sich eine große Menge in sengender Hitze zu den Beats von Adam Beyer und Raresh in Trance. Wir hingegen waren für jedes Fleckchen Schatten dankbar und ließen die c/o pop mit Müßigang zu Ende gehen. Die anderen würden später schon noch ihren „Sky And Sand" bekommen, schließlich ist der Rhein ja in unmittelbarer Nähe. 

Es gehört schon viel organisatorisches Talent dazu, um ein Festival, das sich an fünf Tagen über eine gesamte Stadt erstreckt, zu managen. Clubs müssen gebucht, Bands eingeladen und Medienpartner gefunden werden. Was aber noch viel entscheidender ist, ist die eigene Marke zu etablieren, auszubauen und als verlässlichen Fels in der Brandung der vielen anderen Festivals zu platzieren. Den Veranstaltern der c/o pop ist dies in den letzten Jahren kontinuierlich gelungen. Eine Ende des Ausbaus und der Stilprägung für Köln ist noch längst nicht in Sicht. Dennoch ist dieser Wachstum natürlich mit Vorsicht zu genießen, wie das Melt! 2008 gezeigt hat. Aber bei dem jetzigen Stand der Dinge, wissen wir nur eines: Da gibt es noch ganz viel Luft nach oben, die man noch ausnutzen kann. Und von dem anderen Festival in Verbindung mit einer Messe, das es einst in Köln gab, spricht hier eh keiner mehr. Einzig wünschenswert für die Zukunft wäre ein vielleicht noch etwas mehr versetzter Spielplan für das Festival, so dass man nicht hin und her gerissen sein muss zwischen Amanda Blank und Kompakt, der Like Select mit Coma und der Fancy Footwork mit The Bloody Beetroots oder der Beatpackers-Party mit J-Live und der Total Confusion mit Ellen Allien und Tobias Thomas. Doch sind das alles nur schwer zu erfüllende Wünsche.

Besser kann es also eigentlich kaum laufen. Tolle Bands, super Wetter, eine Top-Organisation, eine wundervoll dankbare Stadt und ein herzliches Publikum. Unser Fazit haben wir gezogen: c/o pop 2010, du kannst uns haben, wenn du magst, wir waren in diesem Jahr jedenfalls gerne bei dir. 3.0 kann kommen, die c/o pop ist schon jetzt bereit dafür.

Artikel von: Christopher Szwabczynski und Michael Weber

 

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