Cargo City - Mehr als Mädchenmusik
Dieser Sommer könnte Cargo City gehören. Das vor kurzem erschienene Debüt „How To Fake That You Are Nice And Caring“ darf mit Fug und Recht als einer der bisherigen Höhepunkte des einheimischen Indie Pop Jahres 2008 bezeichnet werden. Das Album liefert Melodien, die ins Ohr gehen und gar nicht mehr gehen wollen, sympathisch vorgetragen und mit „Ode To No One“ einen waschechten Hit. Grund genug für
Crazewire, mal genauer hinzusehen was sich da so tut in Frankfurt.
Seit 2006 ist der Gedanke Cargo City nun in der Welt und glaubt man der Bio auf der Homepage, hauptsächlich das Projekt von Sänger und Songschreiber Simon Konrad. Doch wenn man die vier Menschen so im Kreis um sich vor dem Diktiergerät versammelt hat – Gitarrist Rafael fehlt aufgrund von Terminschwierigkeiten – bekommt man bald den Eindruck, als sei hier eine Band gewachsen, die auch menschlich harmoniert. „Am Anfang war es nur ein Projekt von mir, doch in dieser Besetzung spielen wir jetzt schon seit knapp eineinhalb Jahren“, gibt Simon zu Protokoll. Nun hat man jüngst ein Album veröffentlicht und freut sich über anständige Verkaufszahlen in den ersten Wochen. Wobei man im Hinterkopf haben sollte, dass dies bei deutschen Indie Veröffentlichungen gerne eine, ja dennoch durchaus beachtliche Zahl im dreistelligen Bereich sein kann.
Wie sieht es denn also aus mit dem Kampf um Geld und Ruhm? Sind Cargo City ausgebuffte Profis? „Es ist ein sehr ambitioniertes Hobby. Lebenslang professionell Musik machen zu können, wäre natürlich ein Traum von uns allen, aber ich glaube das wird wirklich schwierig“, so Nadine, die neben Piano auch noch Xylophon und Melodika bedient. Und lächelnd fügt sie hinzu: „Aber wir hoffen natürlich auf den ganz großen Durchbruch.“ Hilfreich für den Durchbruchsplan ist im Popgeschäft seit jeher eine außergewöhnliche Single und da haben Cargo City doch was in petto.
„Ode To No One“, ein Lied, das auf den ersten Schlag sein Hitpotential kaum verbergen kann. Simon erzählt: „Beim Schreiben merkt man das so erstmal nicht. Dass es am Ende die Single geworden ist, ist erst in Absprache mit unserem Produzenten passiert. Ich denke aber schon, dass es einer der einprägsamsten Songs auf dem Album ist.“ Dieses Lied gehört einfach ins Radio, das wissen auch die Hessen. „Wir haben jetzt einen Radiopromoter und sind zuerst an die lokalen Radiosender und Campus Radios herangetreten, wo es dann auch in den Top 20 der Campus Charts war. Der zweite Schritt waren dann Jugendradios wie Radio Fritz oder Sputnik, bei denen es auch in der Playlist ist. Der nächste Schritt wäre nun so etwas wie Einslive, aber das ist ein sehr weiter Weg.“
Doch der Anfang der Reise ist gemacht, mit einem Debütalbum, das sich nicht vor internationalen Vergleichen verstecken muss. Songschreiber Simon zählt Elliot, Damien Rice oder die Get Up Kids zu seinen Lieblingen, doch es liegt ihm fern, irgendjemandem einfach simpel nacheifern zu wollen. „Es sind nicht irgendwelche speziellen Songs, die mich beeinflussen, sondern eher die Emotionen, die durch sie transportiert werden. Privat höre ich auch im Moment eher weniger Singer/Songwriter –Musik.“
Eine Besonderheit die sich zu erwähnen lohnt, ist die Tatsache, dass Cargo City auf ein Schlagzeug gänzlich verzichten und stattdessen Jochen den Beat via Cajon - einer Art Rhytmuskiste - angibt. „Thilo unser Bassist und ich hatten früher schon eine andere Band. Die waren aber eher laut, so eine Art Rockband. Nachdem ich dann nach Köln gezogen bin und er bei Cargo City angefangen hat, haben wir überlegt, wie ich mich da irgendwie einbringen kann und so sind wir auf das Cajon gekommen. Man hat da im Prinzip einen Bassdrum-Klang und eine Snare und kann damit arbeiten.“ In Aktion klingt es dann sehr direkt und trocken. „Es hat etwas sehr puristisches“ beschreibt Jochen sein ungewöhnliches Instrument.
Zu guter letzt muss man dann doch noch einmal ein vermeintlich kritisches Thema anschneiden. Beim Auftritt im Kölner Blue Shell, hatte man in nicht wenigen Gesprächen das Schlagwort „Mädchenmusik“ gehört, sobald es auf die Band zu sprechen kam. Und das bei einem deutlichen Überschuss an jungen, weiblichen Gästen an jenem Abend. Was sagen also Cargo City dazu? „Das trifft ja vielleicht in gewisser Weise auch zu. Ich denke schon, dass solche Musik wie unsere wohl bei Mädchen besser ankommt als bei Jungs“, überlegt Simon. Aber nerven tue ihn das nicht wirklich. Und Jochen fügt abschließend hinzu: „Es wäre ja auch echt komisch, wenn wir Typen jetzt sagen, dass es uns nervt, wenn zu viele Mädels zu unseren Konzerten kommen.“
In diesem Sinne: alle Jungen, alle Mädchen zieht eure T-Shirts aus für Cargo City!